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Ausgabe Nr. 41/2019 vom 08.10.2019, Foto: Studio Huger/Stephan Huger
Die Wundspezialistin Dr. Elisabeth Lahnsteiner.
Kaltplasma hilft die Haut heilen
Das Leben mit einer chronischen Wunde ist geprägt von Schmerzen, ständigen Verbandswechseln, Schwierigkeiten bei der Hygiene und oft auch bei der Fortbewegung. Um schlecht heilende oder stagnierende Wunden zu unterstützen, nützen Wundheilungsexperten die neue Kaltplasma-Therapie. Die Spezialistin Dr. Elisabeth Lahnsteiner ist von der neuen Methode überzeugt.
Es beginnt meist mit einer kleinen Verletzung und endet in einer monate-, manchmal sogar jahrelangen Wundbehandlung. Chronische Wunden sind keine Seltenheit. Fast eine halbe Million Frauen und Männer in unserem Land leidet unter Hautverletzungen, die nur schleppend oder fast gar nicht mehr heilen wollen. Vor allem Diabetiker tragen dieses Risiko, auch nach (lange dauernden) Operationen können Patienten mit Übergewicht oder einer Abwehrschwäche zu chronischen Wunden neigen. Zusätzlich sind chronische Wunden häufig mit Bakterien infiziert, die im schlimmsten Fall widerstandsfähig sind. Dadurch verzögert sich die Wundheilung weiter und die Patienten sind auf eine hochspezialisierte Wundbehandlung angewiesen.

Die dünne bläuliche „Flamme“ fühlt sich wie ein Lüftchen an

Eine innovative Therapie auf Basis von Plasma gibt Ärzten wie Patienten wieder neue Hoffnung. „Es handelt sich bei dem neuen Medizinprodukt um ein Kaltplasma-Gerät zur Behandlung von schlecht heilenden Verletzungen der Haut“, verrät die Wundspezialistin OA Dr. Elisabeth Lahnsteiner in ihrer Wund-Ordination in Wien (www. wundordination.at, Tel.: 0676/7269680). Das Behandlungsgerät gleicht einem Stift in der Hand der Spezialistin für Wundheilungsstörungen. Einmal eingeschaltet, zeigt sich eine dünne, bläulich schimmernde Plasma-„Flamme“ an seiner Spitze, mit der Dr. Lahnsteiner in knappem Abstand über den Hautdefekt des Patienten gleitet. Der Patient spürt sie wie ein Lüftchen auf der Haut. „Plasma ist ionisiertes Edelgas, in diesem Fall ist es Argon. Durch einen speziellen apparativen Aufbau wird das üblicherweise etwa 70 Grad heiße Plasma abgekühlt und handwarm direkt auf der Haut und Wunde des Patienten angewendet. Die Behandlung dauert je nach Wundgröße eine bis zehn Minuten“, erklärt sie.

Nässende Wunde bildet schöne Narbe

Die Erfolge überzeugen die Wundspezialistin und die Patienten. „Vor Kurzem war eine 65jährige Dame bei mir zur Behandlung. Sie hatte sich eine tiefe Verletzung am Bein zugezogen, als sie gegen die offene Tür des Geschirrspülers gestoßen war. Trotz eines Ambulanzbesuches und wochenlang aufgelegter Selbstverbände verschlechterte sich die Wunde und die Schmerzen wurden stärker. Als die Patientin kam, war die Wunde bereits acht Zentimeter groß, infiziert und hatte verkrustete und nässende Stellen. Nach einer professionellen Wundreinigung und sanftem Abtragen der Kruste bekam die Dame eine schmerzfreie Behandlung mit Kaltplasma. Das Ergebnis, die Infektion ging rasch zurück, ebenso die entzündete Wundumgebung. Bereits nach der dritten Kaltplasma-Behandlung hatte sie keine Schmerzen mehr und die Wunde nässte kaum noch. Die Dame benötigte trotz der Infektion der Wunde keine Antibiotika und heute bildet sich schon eine schöne Narbe, wo einst eine hässliche Wunde war.“

Kaltplasma vernichtet hautschädigende Bakterien, Viren und Pilze

Den Erfolg der Behandlung führen die Experten in der Behandlung chronischer Wunden auf die anti-bakterielle Wirkung von Kaltplasma zurück.

„Kaltplasma wirkt auch bei Wundinfektionen durch Viren oder Pilze. Zusätzlich wird die Durchblutung, das Zellwachstum und somit die Wundheilung aktiv angeregt“, erklärt OA Dr. Lahnsteiner. Die Wirkung ist durch klinische Studien publiziert, Nebenwirkungen sind bisher nicht bekannt. Eine besondere Tiefenwirkung wird beim sogenannten kINPen Med durch das Jet-Verfahren erreicht. „Es dringt punktgenau in Wundhöhlen, Vertiefungen und Haarfollikel ein“, erklärt die Ärztin.

Die Art und Dauer dieser rein physikalischen Therapie, die noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird, hängen stets vom Zustand der Wunde ab. Bei stark entzündeten oder infizierten Wunden wird die Plasmatherapie begleitend zur chirurgischen,
medikamentösen und lokalen Wundbehandlung eingesetzt. „Diese neue Zusatztherapie unterstützt in der klinischen Praxis durch eine rasche, signifikante Keim-
und Schmerzreduktion“, bestätigt OA Dr. Lahnsteiner. Die Erfolge in der Wundheilung mit Kaltplasma ziehen immer größere Kreise. Ein Einsatz bei starker Akne, bei Hautwunden durch Schuppenflechte oder Neurodermitis und anderen erregerbedingten Hauterkrankungen wie etwa Fußpilz führt bei der Mehrheit der Patienten zu zufriedenstellenden Ergebnissen.

Durch Zufall haben Ärzte entdeckt, dass unter einer Plasmatherapie nicht nur Bakterien verschwinden, sondern auch Krebszellen. In Gewebeproben außerhalb des Körpers wurde festgestellt, dass Kaltplasma Krebszellen zwar nicht sofort zerstört, aber in der Krebszelle quasi einen Schalter umlegt, der sie letztendlich absterben lässt. Doch hier stehen die Forscher noch ganz am Anfang.
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