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Ausgabe Nr. 40/2019 vom 01.10.2019, Fotos: AdobeStock, Imago
Dicht aneinandergereiht wächst der Hopfen am Draht empor. Pro Hektar sind es etwa 4.000 Pflanzen.
Hier prasselt der „gereinigte“ Hopfen aus der Pflückmaschine.
Das Gewürz des Bieres
Er liebt Sonne, tiefgründige Böden und Drähte, an denen er sich hochwinden kann. Der Hopfen wird von den meisten Menschen als wichtige Bier-Zutat geschätzt. Weitgehend unbekannt ist hingegen, wieviel Arbeit hinter dieser Kletterpflanze steckt.
Hopfen und Malz, Gott erhalt‘s. Dieses Sprichwort kennt sicherlich jeder und es zeigt auf, wie wichtig der Hopfen für die heimische Bierbraukunst ist. Schließlich verleiht er dem Bier den zartbitteren Geschmack und im Geruch das herrlich würzige Aroma. Weshalb der Hopfen auch als „Gewürz des Bieres“ bezeichnet wird.

In unserem Land wird auf knapp 250 Hektar Hopfen angebaut, das ist eine kleinere Fläche als der 1. Wiener Gemeindebezirk. Das oberösterreichische Mühlviertel ist neben dem Waldviertel (NÖ) und der Südsteiermark mit 150 Hektar das größte Anbaugebiet. Und dort sind die 35 Hopfenbauern mit der diesjährigen Ernte hochzufrieden. „Heuer dürfen wir uns über mehr als 300 Tonnen Hopfen in bester Qualität freuen“, erklärt Josef Reiter, 62, Obmann der Mühlviertler Hopfenbaugenossenschaft. Das „grüne Gold“ – wie der Hopfen auch gerne von den Bierbrauern genannt wird – fühlt sich hierzulande also wohl, wächst und gedeiht prächtig. Dennoch reicht die bei uns erzeugte Menge nur für etwa 60 Prozent des Hopfenbedarfes der heimischen Brauereien aus. Der Rest muss aus Deutschland mit 18.000 Hektar Anbaufläche oder Tschechien (5.000 Hektar) importiert werden.

Der Markt für mehr Hopfen wäre also vorhanden, Neueinsteiger sind trotzdem selten. Denn einen Hopfengarten neu zu errichten, schreckt viele Bauern ab.

„Für einen Betrieb mit zehn Hektar Anbaufläche, die notwendig ist, um von der Hopfenerzeugung leben zu können, muss ungefähr eine Million Euro investiert werden“, weiß Josef Reiter, der selbst schon seit 40 Jahren im Geschäft ist.

Hinzu kommt, dass der Anbau ein hohes Fachwissen voraussetzt. Und steht der Hopfengarten erst einmal, ist der Arbeitsaufwand mit 600 bis 700 Stunden pro Hektar und Jahr enorm. Los geht‘s bereits im März mit dem Hopfenschneiden. Dabei werden die Hopfenstücke unter der Erde direkt über der bis zu vier Meter in den Boden reichenden Wurzel gekappt, um die Anzahl der Triebe zu steuern. Was dabei abgeschnitten wird, die Hopfensprosse, trägt auch den schönen Namen „Hopfenspargel“ und ist eine wohlschmeckende Delikatesse. Ebenfalls im März werden die Drähte an den Holzmasten montiert, an denen sich der Hopfen später mithilfe seiner Klammhärchen auf bis zu acht Meter in die Höhe rankt. „Wochenlang müssen wir uns dann darum kümmern, dass sich die kletternden Ranken nicht wieder vom Draht lösen, dass sie keinen Schädlingsbefall zeigen und sie vor allem nicht befruchtet werden“, weiß der 62jährige. Was bedeutet, dass in der gesamten Umgebung der wilde männliche Hopfen ausgerottet werden muss. „Der Hopfen will jeden Tag seinen Herrn sehen“, lautet ein alter, bis heute gültiger Grundsatz. Dafür ist das Nachtschattengewächs ein Wachstumswunder und schießt ab April mit bis zu 30 Zentimeter pro Tag in die Höhe. Nach einigen Bambusarten ist der Hopfen damit die am schnellsten wachsende Pflanze der Welt. „Wichtig für eine gute Ernte ist jedoch genügend Niederschlag im Juli und August“, erzählt Reiter. Ende des Sommers fährt der Bauer dann mit dem Traktor aus und reißt die langen Stauden von den Stützhilfen. „Danach kommt der Hopfen in die Pflückmaschine, wo die Dolden vom Rest der Pflanze getrennt werden. Im Darrturm wird der Hopfen dann für sechs Stunden bei 60 bis 64 Grad Celsius getrocknet. Anschließend muss er auch noch ausgiebig belüftet werden, damit er einen Feuchtigkeitsgehalt von zehn bis zwölf Prozent erhält. Erst dann ist er perfekt zum Brauen“, berichtet der Mühlviertler. Wobei es noch eine Zwischenstation gibt. Denn manche Brauereien arbeiten anstatt mit Naturhopfen lieber mit Pellets. Dafür wandern die Säcke mit den getrockneten Dolden zu einem Pelletierer, der den Hopfen in kleine Stückchen presst. Doch der Hopfen ist nicht nur Grundlage für feinherbe Biersorten. „Er ist auch in der Pharmazie gefragt, verfügt über eine beruhigende Wirkung und sorgt dafür, dass wir gut schlafen können“, so Reiter. Hwie
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