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Ausgabe Nr. 40/2019 vom 01.10.2019, Foto: picturedesk.com
Geschäftsfrau Maria Scharapowa will in Linz im Tennis neu durchstarten
Maria im Tennis-Dornwald
Ein sportliche Talfahrt liegt hinter Tennis-Ass Maria Scharapowa, 32, die ab kommender Woche beim Turnier der „Upper Austria Ladies“ in Linz (OÖ) nur noch als Nummer 138 der Welt gerne in die Siegesspur zurückfinden würde. Als Geschäftsfrau hingegen wird sie immer erfolgreicher.
Ihr Tennisspiel war schrecklich, dennoch landete Maria Scharapowa, 32, zuletzt auf so vielen Titelseiten wie selten zuvor. In Wirtschaftsjournalen oder Gesellschaftsmagazinen erfuhren die Anhänger, dass die Russin derzeit um Punkt 6.30 Uhr aufsteht, einen Nespresso mit viel Milchschaum und einen Liter Wasser trinkt, bevor sie sich ein Vitamingetränk aus Salat, Spinat, Avocado, Chia-Samen, Gurken und Kiwi mixt. Sie liebt es, im russischen Dampfbad mit Eukalyptuszweigen geschlagen zu werden, träumte als Kind davon, Architektin zu werden, richtete ihr Luxus-Domizil in Malibu (Kalifornien) selbst nach japanischen Architektur-Richtlinien ein und hat das Buch „Trotzdem ja zum Leben sagen“ des Wiener Psychiaters Viktor Frankl auf dem Nachtkästchen liegen.

Doch was Scharapowas Tennisspiel betrifft, zeigen harte Fakten, dass ein Katastrophenjahr hinter der Blondine liegt, die einst elf Jahre lang die bestverdienende Sportlerin war. Sie spielte im Jahr 2019 magere sieben Bewerbe und gewann dabei nur sechs Partien, von den jüngsten vier Turnieren verabschiedete sie sich drei Mal in Runde eins. „Ihr könnt mich alle abschreiben, wie das viele tun“, gab sie sich nach der 1:6 1:6-Schlappe gegen Serena Williams bei den US Open kämpferisch. „Aber ich glaube weiterhin an mich und denke nicht an den Rücktritt. Dazu liebe ich den Sport viel zu sehr.“ Mit ihren 32 Jahren wären durchaus noch ein paar Erfolge drinnen. „Wäre da nicht ihre große Verletzungsanfälligkeit“, fürchtet Altlegende John McEnroe. „In Summe hatte Maria über all die Jahre viele Blessuren, die sie bremsten“, glaubt der Amerikaner kaum an eine Rückkehr an die Spitze.

Überdies hatte Scharapowa zwischen 2016 und 2017 eine 15-monatige Dopingsperre abzusitzen, das verbotene Mittel will sie irrtümlich eingenommen haben. „Am Jahresanfang in Australien haben wir allerdings gesehen, was noch in ihr steckt und welche Kämpferin sie ist“, gibt sich der Schwede Mats Wilander optimistischer. Im Jahr 2018 hatte Scharapowa noch das Viertelfinale der French Open erreicht und heuer im Jänner bei den Australian Open zunächst die Titelverteidigerin Caroline Wozniacki geschlagen, um erst im Achtelfinale der derzeitigen Nummer eins der Welt, Ashleigh Barty, knapp in drei Sätzen zu unterliegen.

Allerdings scheinen die Themen abseits des Sports bei Scharapowa immer mehr Platz zu bekommen. Seit sie mit dem englischen Besitzer eines Kunst-Auktionshauses, Alexander Gilkes, 40, liiert ist, hält sich die Athletin oft in Europa auf und trainierte zuletzt in Monaco und Ligurien (Italien). Wenn sie wie am Anfang des Jahres schmunzelnd sagt, „dass mein Lebensgefährte Schuld daran ist, dass ich nicht zeitig genug zum Schlafen komme“, bleibt ungewiss, ob dies als Scherz oder Erklärung der Leistungen zu verstehen ist. Gilkes ist ein enger Freund der englischen Prinzen Harry und William, mit denen er in die Schule ging, und Scharapowas Eintrittskarte in die Welt des Königshauses und Adels.

Doch auch ihre Geschäfte gehen gut und verlangen, dass die einstige Tennisgröße häufig Interviews gibt, owohl sie noch häufiger verliert. „Meine vor sechs Jahren gegründete Zuckerlfirma namens ,Sugarpova‘ hat heuer eines ihrer besten Jahre“, spricht sie gern vom finanziellen Erfolg ihres Herzeige-Unternehmens. Die Liebhaberin von Erdbeerbonbons war bei der Abstimmung jeder Geschmackssorte involviert und hatte die spezielle Mischung für Gummibären selbst nach langer Suche in Spanien entdeckt. Weiters entwickelt die Russin, deren Vermögen auf 110 Millionen Euro geschätzt wird, eine eigene Modelinie, investiert in Ultimate-Fighting-Kampfsport, in die Sonnenschutzmarke „Supergoop“, entwickelt eine Mobiltelefon-App und hat als neuestes Projekt das Design von Krafträumen in Hotels an der Angel. Bei fast allen Unternehmen ist auch ihr erster Manager Max Eisenbud als Geschäftspartner mit an Bord. „Maria hinterfragt alles und versteht die Pläne und Ziele der Wirtschaft“, erklärt der Vermarkter das Phänomen Scharapowa und erklärt die derzeitige Situation der Tennisspielerin. „Ich denke, Scharapowa wird eine bessere Geschäftsfrau als Tennisspielerin.“ W. Kreuziger
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