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Ausgabe Nr. 40/2019 vom 01.10.2019, Foto: picturedesk.com
Cher
„Ich bin scheu und traue Fremden nicht“
Einen seltenen Gast können wir am Montag, dem 7. Oktober, begrüßen. An diesem Tag tritt die amerikanische Sängerin und Schauspielerin Cher in der Wiener Stadthalle auf. Anlass ist ihre aktuelle Tournee „Here We Go Again“ in Anlehnung an den Film-Hit „Mamma Mia!“ Und obwohl die Künstlerin mittlerweile 73 Jahre zählt, hat sie nichts von ihrem Elan verloren.
Sie liefern derzeit eine vielbeachtete Tournee ab. Wie lange werden Sie noch auf der Bühne stehen?
Es ist für mich das Schönste, auf der Bühne zu stehen und ein großartiges Publikum zu haben. Es ist wie beim Tennis, wenn du eine Menge Energie ausstrahlst, gibt dir das Publikum eine Menge Energie zurück. Aber natürlich wird einmal der Tag kommen, an dem ich sagen muss, ich kann nicht mehr auftreten. Wer weiß, wann das sein wird.

Sie sind Cher, die Künstlerin. Unterschreiben Sie auch mit diesem Namen?
Ja, Cher bin ich seit Langem. In all meinen Papieren, meinem Reisepass und meinem Führerschein steht dieser Name. So rief mich schon meine Mutter. Deshalb bin ich dann zu den Behörden gegangen und habe diesen Namen eintragen lassen. Ursprünglich hieß ich ja Cherilyn Sarkisian.

Wollten Sie Sängerin oder Schauspielerin werden, als Sie Ihr Zuhause mit 16 Jahren verließen?
Ich ging weg, weil ich nicht mehr herumkommandiert werden wollte. Und weil ich berühmt werden wollte – eine Cinderella. Ich hatte keine Ahnung, dass ich später im Leben noch viel mehr herumkommandiert werden sollte. Aber so war Sonny (ihr erster Mann). Er war ein sizilianischer Mann seiner Generation.

Singen zu wollen war nicht Ihr Ziel?
Eigentlich nicht, obgleich ich immer gesungen habe. Meine Mutter, mein Onkel und mein Großvater – alle sangen zur Gitarre. Ich spüre das Singen im ganzen Körper. Vor einiger Zeit sprach ich mit Barbra Streisand und sie fragte: „Warum singst du immer noch?“ Ich sagte: „Weil der Tag kommen wird, an dem mich keiner mehr hören und sehen will.“

Wann fühlten Sie sich zum ersten Mal sicher als Sängerin?
Noch nie. Manchmal finde ich mich gut, aber ich bin kein großer Cher-Anhänger. Ich singe lieber, als dass ich Cher höre. Abgesehen von ein paar Alben. Kritiker sagen allerdings, dass ich heute eine bessere Sängerin sei. Manche mochten früher nicht, wie ich auftrat. Sie dachten, wenn ich eine „richtige Sängerin“ wäre, würde ich nicht den Unsinn mit meinen Kostümen treiben. Das hat sich gändert.

Sie gelten als große Künstler-Persönlichkeit, geben sich privat aber bescheiden …
Die Menschen haben alle möglichen Vorstellungen von mir. Da ist die funkelnde Cher und da ist die ruhige, ausgeglichene. Die Ruhige ist die Echte. Die andere ist die Künstlerin. Privat bin ich scheu und traue Fremden nicht. Ich gehe nicht gern in Restaurants. Aber wenn ich arbeite, bin ich eine andere Person. Dann werde ich diese freie Cher, für die es keine Grenzen gibt.

Sie haben auch eine Reihe guter Filme gedreht. Zum Beispiel „Die Maske“, „Silkwood“, „Die Hexen von Eastwick“, Ihren Oscar-Film „Mondsüchtig“ und 2018 „Mama Mia! Here We Go Again“. Zwischendurch, in den Neunzigern, war es ruhiger um Sie geworden …
Ich war krank, litt am Chronischen Erschöpfungssyndrom und bekam eine Lungenentzündung. Ich konnte zwei Jahre lang nicht arbeiten. Es gab zwar immer wieder Angebote, doch ich konnte sie nicht annehmen. Nach meiner Erkrankung musste ich wieder von vorne anfangen und gab einige Konzerte.

Sie waren zwei Mal verheiratet – war‘s das?
Es würde mir nichts ausmachen, für immer mit jemandem zu leben. Doch ich sehe keinen Grund für eine Heirat.

Sie sehen fit aus, treiben Sie Sport?
Bis zu meinem 50. Lebensjahr hatte ich keine Probleme. Seitdem muss ich vorsichtig sein. Täglich in das Fitness-Studio zu gehen, hilft mir.

Was trinken Sie?
Nur Wasser und Wein.

Führen Sie ein Tagebuch?
Nein. Ich kann mich an alles erinnern. Ich würde mit Klagen überschüttet werden, hätte ich alles aufgeschrieben, was mir passiert ist. Das ist das Wundervolle daran und ein großer Witz: Alle glauben, dass sie alles über mich wissen – und keiner weiß etwas.

Wer ist der wichtigste Mensch in Ihrem Leben?
Meine Mutter. Sie ist im Juni 93 Jahre alt geworden. Sie hat mich immer ermuntert. Wir waren arm und ich litt unter Dyslexie, bevor jemand wusste, was das ist (die mangelnde Fähigkeit, Wörter oder Texte zu lesen und zu verstehen). Ich brachte schlechte Noten aus der Schule heim, doch meine Mutti sagte: „Das macht nichts. Du wirst nicht immer in der Schule sein und kannst dann draußen beweisen, dass du es schaffst.“ Und als ich einwarf: „Ich kann ja nicht einmal die Zahlen lesen“, sagte sie: „Mach dir keine Sorgen: Du wirst jemanden haben, der die Mathematik für dich erledigt.“
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