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Ausgabe Nr. 39/2019 vom 24.09.2019, Fotos: Verein Gegen Tierfabriken/VGT.at, Jake Tazreiter
Martin Balluch, Katharina Rogenhofer
Ist eine Fleisch-Steuer fürs Klima notwendig?
Insgesamt, so haben Umweltschützer errechnet, verursacht unsere Ernährung mehr CO2 als der Personenverkehr. Vor allem Fleisch belastet das Klima, etwa durch das Abholzen von Regenwäldern und lange Transportwege. Rinder produzieren zudem beim Verdauungsvorgang das Klimagas Methan. Ein 200 Gramm schweres Rinds-Steak verursacht um 40 Mal mehr CO2 als die gleiche Menge Weizenbrot. Trotzdem sind eine höhere Steuer auf Fleisch und deren Effekte bei uns umstritten.
JA: Martin Balluch,
unabhängiger Kandidat Liste JETZT

„Momentan ist Fleisch aus der Massentierhaltung bei uns steuerlich begünstigt. Man zahlt nur einen 10-Prozent-Steuersatz statt der üblichen 20 Prozent, wie zum Beispiel für pflanzliche Alternativen. Dabei sagen alle Experten, dass wir zu viel Fleisch essen. Das schadet nicht nur unserer Gesundheit, sondern auch dem Klima, der Umwelt und den Tieren. Für acht Euro pro Kilo Schweinefleisch, vier Euro pro Kilo in Aktion, kann man kein Tier artgerecht halten. Das Forschungszentrum für den Klimawandel in Österreich hat eine Empfehlung für eine Fleischsteuer herausgegeben, ebenso der internationale Klimarat. Auch in Deutschland wird die Erhöhung der Mehrwertsteuer diskutiert. Die Liste JETZT schlägt ein Ende der steuerlichen Begünstigung von Massentierhaltungsfleisch vor, indem die Mehrwertsteuer von 10 auf 20 Prozent gesetzt wird. Biofleisch soll begünstigt bleiben. Dabei würde das Qualfleisch nur marginal mehr kosten, und zwar 70 Cent pro Kilo. Doch insgesamt würden dadurch 200 Millionen Euro pro Jahr eingenommen, die vollständig in Verbesserungen der Tierhaltungen fließen müssen. So könnte auch die Umstellung von Vollspaltenboden auf Strohhaltung bei Schweinen finanziert werden.“

NEIN: Katharina Rogenhofer,
Klimavolksbegehren:

„Die Diskussion über eine Fleischsteuer führt absolut am Thema vorbei. Die Klimakrise lässt sich nicht durch einen ,Fleckerlteppich‘ aus Einzelbesteuerungen lösen. Eine mutige Klimapolitik bedeutet, dass die Verantwortung nicht weiter auf die Bürgerinnen und Bürger abgewälzt wird, sondern dass endlich die großen Hebel in die Hand genommen werden. Es benötigt eine ganzheitliche Betrachtung des Steuer- und Abgabensystems und einen Diskurs darüber, wie man dieses ökosozial gestalten kann. Während eine allgemeine Fleischsteuer die Preise für Fleisch aus jedem Land erhöhen würde, trifft eine Besteuerung der Ursache der Klimakrise, CO2, vermehrt Billigimporte. Durch die Ökologisierung des Steuersystems würde die heimische Landwirtschaft gefördert werden. Österreichisches Rindfleisch erzeugt um 80 Prozent weniger Emissionen als Argentinisches, ist aber meist teurer. Da müssen wir uns überlegen, was wir unterstützen: Regionalen Konsum und eine Preiswahrheit für unsere Umwelt, oder eine Steuer, die dieses Problem nicht bei der Wurzel packt. Es wäre viel ökologischer, eine regionale und nachhaltige Lebensmittelversorgung zu fördern, von der die hiesigen Landwirte auch selbst leben können.“
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Wilhelm
Fleischsteuer
Warum nicht gleich auf Lebensmittel (Fleisch ist auch ein Lebensmittel) die Steuer auf 80% erhöhen? 77% auf Zigaretten sind ja auch möglich.
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