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Ausgabe Nr. 39/2019 vom 24.09.2019, Foto: Gepa
Lukas Weißhaidingers Welt ist eine Scheibe
Der Riese mit dem Diskus
Passende Hemden oder bequeme Flugzeugsitze zu finden, fällt dem fast zwei Meter großen „Wurf-Riesen“ Lukas Weißhaidinger, 27, schwer und in Aufbauphasen verspeist er täglich den Kalorienwert von zwölf Portionen Spaghetti. Doch mit der Hand am Diskus macht ihn sein unglaublicher Körper vor der Weltmeisterschaft zum drittbesten Werfer der Welt.
Die Armspannweite der Urgewalt aus Oberösterreich beträgt unglaubliche 2,09 Meter bei einer Körpergröße von 1,96 Meter und einem Gewicht von 148 Kilo. „Masse ist im Diskuswerfen längst nicht alles, aber die Weltelite fängt bei 120 Kilo an“, schmunzelt Lukas Weißhaidinger, 27. Der Kraftlackel aus Taufkirchen an der Pram (OÖ) lebt ein Sportlerleben im „Schleudergang“, der EM-Bronzemedaillengewinner von 2018 ist aktuell Dritter der
Diskus-Weltrangliste und hält bei einer persönlichen Bestleistung von 68,98 Meter.

Bei der Leichtathletik-WM in Doha (Katar) ab kommendem Freitag müsste eine solche Weite für eine Medaille reichen. „Ich bin derzeit so gut drauf und so fit wie noch nie vor einer WM und setze alles daran, aufs Podest zu kommen“, hofft „Luki“, wie ihn seine Freunde nennen, auf eine rot-weiß-rote Sternstunde. Nur zwei Mal konnte unser Land bisher historisch Leichtathletik-WM-Medaillen bejubeln, das bislang letzte Mal gelang dies der Läuferin Steffi Graf im Jahr 2001 mit Silber über 800 Meter, davor 1993 der Hochspringerin Sigrid Kirchmann mit Bronze.

Der Aufwand freilich, mit dem sich das Diskus-Ass dafür aufbaut, ist sowohl vom Training als auch von der Ernährung her groß. „In Aufbauphasen werfe ich quasi ein, was geht. Dann habe ich einen täglichen Verbrauch von mehr als 4.000 Kalorien“, sagt Weißhaidinger über seinen Speiseplan, der einem Nährwert von bis zu zwölf Portionen Spaghetti entspricht. Dementsprechend stehen dann fünf große Mahlzeiten täglich auf dem Programm, dafür hat er eigens eine Werbekooperation mit dem Steakhaus „El Gaucho“ begonnen, das ihn täglich mit eineinhalb Kilo Fleisch beliefert. Auf dem Speisezettel landen des Weiteren hochwertiger Fisch, Gemüse und Kohlenhydrate. Weil es aber im Diskuswerfen vor allem um Technik und Beweglichkeit geht, wird vor dem Wettkampf wieder ein wenig die Ernährungsbremse gezogen.

Sind die ungewöhnlichen Körpermaße im Sport sein großer Trumph, so machen sie ihm im zivilen Alltag das Leben nicht gerade leicht. „Flugzeugsitze sind immer eine Katastrophe für mich und die Gefahr, dass ich mich verreiße groß“, verrät er. „Hotelbetten in ausreichender Größe müssen wir speziell suchen, passendes Gewand zu finden ist nicht leicht und im Anzug schaue ich offen gesagt immer ein wenig nach Erdäpfelsack aus. Ich müsste mir einen nach Maß anfertigen lassen, aber ein Jahr später passt er vielleicht nicht mehr.“

Vor zwei Jahren übersiedelte der Taufkirchner gemeinsam mit seiner Freundin Hanna, einer angehenden Lehrerin, nach Wien, wo er im Leistungszentrum Südstadt nun perfekte Trainingsbedingungen vorfindet. „Mein Trainer Gregor Högler zeigt dort die ganz große Trainingskunst darin, dass ich gerade jetzt in Topform bin“, lobt er. „Denn wir Diskuswerfer können nur etwa fünf Wochen im Jahr Bestleistungen bringen.“

Der gelernte Maschinenbauer Weißhaidinger hat mit seinem Vater Franz und Trainer Gregor Högler, einem studierten Maschinenbau-Konstrukteur, sogar eine eigene Trainingsmaschine konstruiert, mit der die Wurfbewegung ohne Scheibe perfekt geübt werden kann. „Oft sitzen wir mit dem Physikbuch beim Training“, gibt er zu, denn es dreht sich alles um die Präzision der Bewegung mit der zwei Kilo schweren und 220 mm im Durchmesser betragenden Scheibe, die im Winkel von etwa 38 Grad geworfen werden soll. „Unterm Strich sind die Trainingsbedingungen hier in der Südstadt also optimal, auch wenn ich zugeben muss, dass ich tief im Herzen ein echter Oberösterreicher bin und immer bleiben werde. Wenn der Leidensdruck und das Heimweh zu groß werden, fahre ich gerne für einen kurzen Besuch heim.“ Dann genießt der Diskus-Riese die Einsamkeit der Innviertler Wälder und wirft die Angelrute aus. „Ich fische besonders gerne Forellen, am Wasser kann ich super enspannen.“ Oft reicht es ihm auch schon, die Natur nur zu betrachten oder mit der Kamera festzuhalten, seinem zweiten großen Hobby. „Ich beschäftige mich gerne mit Fotografie und versuche mich an Landschaft, aber auch Porträt. Bei unserem vergangenen Schottland-Urlaub habe ich mir mit dem Stativ viel Zeit dafür genommen und am Ende davon ein Foto-buch erstellt.“ W. Kreuziger
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