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Ausgabe Nr. 38/2019 vom 17.09.2019, Foto: picturedesk.com
Nina Proll wurde am 12. Jänner 1974 in Wien geboren. Sie machte die Matura am katholischen Mädchengymnasium Sacré Coeur und besuchte die „Theater an der Wien Studios“ der Vereinigten Bühnen Wien. 1999 feierte sie mit „Nordrand“ ihren ersten großen Filmerfolg.

Mit „Anna Fucking Molnar“ (Fr., 20.9., ORFeins) gab sie ihr Debüt als Drehbuchautorin.

Am 22.9., ORF 2, ist die Schauspielerin als Sonderermittlerin im „Tatort“ zu sehen.

Seit Juli 2008 ist Nina Proll mit dem Schauspieler Gregor Bloéb verheiratet, das Paar hat zwei Söhne.
„Frauen sind so böse wie Männer“
Die „Vorstadtweiber“ (montags, ORFeins) sind zurück. Und mit ihnen Nina Proll, 45, als Nicoletta. Was die Serie so erfolgreich macht, über Niederlagen, Liebe und Impotenz erzählt die Schauspielerin im Gespräch mit der WOCHE.
Frau Proll, die erste Folge der „Vorstadtweiber“ begann mit einem Mord. Was dürfen sich die Zuschauer nach diesem blutigen Auftakt erwarten?
Es wird temporeich, die Handlung wird weiterhin vom Mord an dem Pharmakonzern-Besitzer überschattet sein. Und da sich die Vorstadtweiber immer tiefer in den Fall verstricken, sorgt das für jede Menge Komik und Spannung zugleich.

Was ist das Erfolgsgeheimnis der Serie? Sie befinden sich ja bereits mitten in den Dreharbeiten zur fünften Staffel …
Es ist sicherlich der pointierte Themen-Mix aus Männern, Sex, Lügen, Korruption, Macht und Geld. Das kommt beim Publikum scheinbar gut an. Die Frauen, die wir spielen, sind zwar manchmal klischeehaft, aber in jedem Klischee steckt doch ein Kern Wahrheit. Was vielen an den „Vorstadtweibern“ gefällt, ist sicher auch, dass aufgezeigt wird, dass Frauen genauso schlimm oder böse sein können wie Männer.

Sie arbeiten bereits seit fünf Jahren mit Ihren Kolleginnen. Gab es je Eifersüchteleien?
Wenn jemand mit seiner Rolle zufrieden ist, und das bin ich wirklich sehr, dann gibt‘s keinerlei Grund, auf eine Kollegin eifersüchtig zu sein. Eifersüchtig ist ein Mensch nur dann, wenn er sich benachteiligt fühlt oder meint, wovon auch immer, nicht genug zu bekommen. Und wenn jemand zufrieden ist, ist er auch nicht neidisch, wenn eine neue Kollegin dazukommt.

In der aktuellen Staffel gibt es ja einige Neuzugänge …
Ja, beispielsweise Brigitte Hobmeier, mit der ich in meiner Rolle als Nicoletta viel zu tun habe. Brigitte passt gut in unser „Vorstadtweiber“-Ensemble, wir alle haben sie auf den ersten Blick geliebt.

Am 20. September zeigt der ORF „Anna Fucking Molnar“. Sie haben die Komödie geschrieben und verkörpern darin eine Schauspielerin, die beruflich wie privat den Tiefpunkt erreicht hat. Sind Sie auch schon durch die Hölle gegangen?
Ich habe durchaus Krisen und Niederlagen erlebt. Oft sind es die Arbeiten, die jemand nicht bekommt, die ihn an sich zweifeln lassen. Manchmal meint er, gut gearbeitet zu haben, und dann steht in der Kritik, er sei „farblos“ und „hölzern“. Oder er wird einfach herausgeschnitten. Oder kein Schwein geht ins Kino. Aber das gehört nun einmal alles zu unserem Beruf.

In „Anna Fucking Molnar“ geht’s um Impotenz. Warum war Ihnen dieses Thema wichtig?
Ich wollte eine starke, moderne Frau zeigen, die nicht erst zum Leben erwacht, wenn der richtige Mann ihr die Brille abnimmt. Leider haben starke Frauen genauso Probleme, denn die Männer kommen da mehr unter Druck, je stärker die Frauen werden: Was kann ich so einer Frau bieten? Bin ich gut genug? So herrlich das ist, dass Frauen Macht übernehmen und stark werden, in der Sexualität wirkt es sich leider oft unmittelbar auf die Potenz aus. Ein erfolgreicher, mächtiger Mann ist unweigerlich attraktiv für Frauen. Aber eine erfolgreiche, mächtige oder reiche Frau ist noch lange nicht für Männer attraktiv. Eine Frau muss nur schön und halbwegs nett sein, damit sie einem Mann gefällt. Ob eine Frau besonders gescheit oder erfolgreich ist, das ist den Männern – überspitzt ausgedrückt – völlig wurscht.

Ihr Mann nennt Sie in einem humoristischen Interview eine „Granate im Bett“. Auf einer Skala von 1 bis 10 sieht er sie gar bei 12. Wo würden Sie ihn einreihen?
(lacht) Er hat mich – pardon, ein „Tier“ genannt, und bitte, da müssen wir schon genau sein, mich bei 16 (!) eingeordnet. Allerdings hat er auch gesagt, dass das nur bei ihm gilt und nicht bei anderen. Und somit muss ich sagen, das gilt auch bei ihm. Er ist bei anderen Frauen eine glatte Null.

Was ist das Schwierige an der Liebe?
Vielleicht die falschen Vorstellungen davon, was Liebe ist. Dazu fällt mir ein Witz ein. Kommt ein Pärchen in die Paartherapie, die Therapeutin fragt nach dem Problem, der Mann sagt, meine Frau liebt mich nicht mehr, sie will „nie“ mit mir schlafen, und die Frau sagt, mein Mann liebt mich nicht, er will immer „nur“ mit mir schlafen. Ich finde, das trifft es schon recht gut.

Wenn zwischen Ihnen und Ihrem Mann die Fetzen fliegen, wie versöhnen Sie sich danach wieder?
Da können die Fetzen fliegen, wie sie wollen, nach einer Phase der Einsicht entschuldigt sich derjenige mit dem schlechteren Gewissen, der andere verzeiht. Vom Entschuldigen und Verzeihen halte ich viel.

Sie sind seit 2008 verheiratet und zweifache Mutter. Was gibt Ihnen das Muttersein?
Mutter zu sein ist der Ursprung und die Welt, es ist das Größte und Schönste, was wir erleben können. Nichts ist schöner und zugleich schmerzvoller.

Leopold ist 11, Anatol 9. Konnten Sie schon Talente an Ihren Söhnen entdecken?
Unser Großer hat ein gewisses „Ballgefühl“. Wir beide schauten schon im Kreißsaal Fußball, als er im Sommer der Fußball-Europameisterschaft 2008 geboren wurde. Kurz vor der Geburt war ich beim Match Österreich gegen Deutschland. Kann gut sein, dass sein fußballerisches Talent daher kommt (lacht). Der Kleine ist ein Komödiant, wie sein Papa. Beide wollen aber auf keinen Fall Schauspieler werden.

Sie leben mit Ihrer Familie auf einem Bauernhof in Tirol. Wie dürfen wir uns Nina Proll als Bäuerin vorstellen? Fahren Sie Traktor?
Wir haben Damwild, Hühner, zwei Katzen und einen großen Garten. Als Bäuerin würde ich mich nicht bezeichnen, dafür fehlt mir die Landwirtschaftsprüfung und die Zeit, eher als Selbstversorgerin. Wir genießen unser Fleisch, unsere Eier, unser Gemüse und Obst. Es ist schön, auf dem Land zu leben, im Winter die Hirsche zu füttern und im Sommer die Früchte zu verarbeiten. Natürlich haben wir einen Steyr-Traktor. Den fahren aber meistens die Burschen.
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