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Ausgabe Nr. 38/2019 vom 17.09.2019, Fotos: Charakterphotos Monihart, Aks
Alfred Riedl, Noomi Anyanwu
Sollen Schulärzte abgeschafft werden?
Allein in den Bundesschulen sind 500 Schulärzte tätig, das kostet 19 Millionen Euro pro Jahr. Dort gilt die Regel, für 60 Schüler gibt es eine Schularzt-Stunde pro Woche. Bei 600 Schülern ist der Mediziner also zehn Stunden anwesend. Für die Schulärzte in den Pflichtschulen, von der Volksschule über die Mittelschule bis zum „Poly“, sind die Länder und Gemeinden zuständig. Vor allem der Gemeindebund wehrt sich gegen eine neue Regelung, die auch die Impfung durch die Schulärzte regeln soll.
JA: Alfred Riedl,
Gemeindebund-Präsident (ÖVP):

„Das Gesundheitsministerium plant eine Verordnung, die vermeintlich Schulärzte stärken will, aber in Wahrheit mehr Fragen als Antworten aufwirft. Als Österreichischer Gemeindebund haben wir das Vorgehen kritisiert, weil wir die Kinder- und Jugendgesundheit generell ausbauen und stärken wollen, aber nicht mit einem System, das in der Praxis – vor allem in den Pflichtschulen – kaum funktioniert. Statt Schularztuntersuchungen sollten ,Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche‘ im Wege eines erweiterten Mutter-Kind-Passes beim vertrauten Hausarzt erfolgen. Sie brächten einen echten Mehrwert: klare Abläufe für Eltern, Kind und Arzt, Gesundheitsberatung, medizinische Abklärung, Impfungen, einheitliche Dokumentation und Kinder ,erlernen‘ auch, dass die jährliche Vorsorgeuntersuchung wichtig ist. Uns geht es darum, dass die derzeit eingesetzten Mittel sinnvoll und nutzbringend verwendet werden. Wir finden, dass interdisziplinäre Teams bedarfsorientiert für Schulen zum Einsatz kommen sollten. Sie sollten aus Psychologen, Therapeuten, Sozialarbeitern, Pflegepersonal und Ärzten bestehen, von den Bildungsdirektionen koordiniert werden und unterstützend tätig sein.“

NEIN: Noomi Anyanwu,
Aktion kritischer Schüler_innen:

„An unseren Schulen gab es schon immer unzureichend viele Schulärztinnen und Schulärzte. Egal, ob es ein Unfall am Schulgelände oder eine Schwindelattacke ist, wenn ein Notfall passiert, braucht es ärztliche Unterstützung direkt am Schulstandort. Unterstützt werden sollten hierbei auch die Ärztinnen und Ärzte, sei es durch Erhöhung des Personals oder anderer etwaiger Hilfe. An der Gesundheit der Kinder zu sparen, ist ein folgenschwerer Fehler und eine versteckte Sparmaßnahme. Familien, die es sich aus verschiedenen sozialen oder anderen Gründen nicht leisten können, mit ihren Kindern zu regelmäßigen Untersuchungen zu gehen, sind dabei einmal mehr im Nachteil. Zudem sollten Schulen über ausreichend Schulpsychologen und Sozialarbeiter verfügen, die die Schüler durch ihren Alltag begleiten und eine sichere, kompetente und flächendeckende Betreuung garantieren. Gestern strichen sie von 107 auf 76 Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter für 1,1 Millionen Schülerinnen und Schüler, heute wollen sie die Schulärztinnen und Schulärzte abschaffen. Was passiert morgen? Denn die Gesundheit unserer Kindheit muss garantiert bleiben.“
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