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Ausgabe Nr. 37/2019 vom 10.09.2019, Fotos: PVÖ/Beck, Parlamentsdirektion/Simonis
Peter Kostelka, Gerald Loacker
Ist die Pensions-Erhöhung gerecht?
Männer gehen im Schnitt mit 61,3 Jahren in Pension, Frauen mit 59,3 Jahren. Ihre Renten werden im nächsten Jahr um 1,8 bis 3,6 Prozent erhöht, darauf haben sich ÖVP, SPÖ und FPÖ geeinigt. Für Pensionen bis zu 1.111 Euro gibt es 3,6 Prozent mehr, das sind im Höchstfall 40 Euro brutto. Danach sinkt die Pensions-Erhöhung schrittweise bis 1,8 Prozent. Beschlossen werden soll das noch vor der Nationalratswahl. Ein Wahlzuckerl laut Kritikern, denn ein Drittel der Wähler ist älter als 60 Jahre.
JA: Peter Kostelka,
Pensionistenverbands-Präsident:

„Ja, es ist gerecht, dass Bezieher kleinerer und mittlerer Pensionen mehr als die errechneten 1,8 Prozent bekommen. Denn jemand, der von einer Pension von 1.000 Euro im Monat leben muss, spürt die Verteuerungen fürs Wohnen, die gestiegenen Preise beim Einkaufen, fürs Heizen auch stärker. Deshalb hat der Pensionistenverband 3,6 Prozent, also die doppelte Erhöhung gefordert und auch erreicht. Diese 1.000-Euro-Pension bekommt im nächsten Jahr nicht nur 18 Euro brutto (17 Euro netto) drauf, sondern 36 Euro brutto (34 Euro netto). Das war auch deshalb notwendig, weil die vorigen Pensionserhöhungen unzureichend waren. ÖVP und FPÖ haben im Vorjahr nicht einmal mit den Pensionistenvertretern verhandelt. Das kräftige Pensions-Plus ist nicht nur wichtig für die Pensionisten. Das Geld der Pensionisten fließt durch ihre Steuerleistung und vor allem durch den Konsum in die Wirtschaft und an den Staat. Damit werden die Unternehmen gestützt und die Arbeitsplätze der Aktiven gesichert. Die Pensionsanpassung ist leistbar. Das Pensionssystem ist stabil. Das ständige Jammern über die Kosten der Pensionisten nervt. Wer den Pensionisten eine angemessene Erhöhung neidisch ist, hat mit Gerechtigkeit nichts am Hut.“

NEIN: Gerald Loacker,
NEOS-Sozialsprecher:

„200.000 Österreicherinnen und Österreicher haben so kleine Pensionen, dass sie eine Ausgleichzulage bekommen (,Mindestpension‘). Diesen Menschen müssen wir helfen. Aber stattdessen schütten die großen Parteien die Gießkanne von 1,4 Milliarden Euro über 1.100.000 Pensionsbezieher. Davon sitzen zum Beispiel 290.000 im Ausland, weil sie irgendwann einmal ein paar Jahre bei uns gearbeitet haben. Auch Personen, die lange studiert haben oder oft und lange arbeitslos waren und daher eine kleine Pension haben, werden belohnt. Auch sie bekommen 3,6 Prozent Pensionserhöhung. Wer 40 und mehr Jahre Vollzeit gearbeitet und hohe Beiträge bezahlt hat, bekommt weniger. Das ist nicht gerecht. Außerdem basiert unser Pensionssystem auf einer gesunden Balance zwischen Beitragszahlern und Pensionisten. Jetzt müssen aber die Erwerbstätigen mehrere hundert Millionen Euro zusätzlich stemmen, um dieses Wahlgeschenk zu finanzieren. Sie werden in Zukunft viel niedrigere Pensionen bekommen. Das ist nicht fair und schädigt das gesunde Gleichgewicht zwischen Alt und Jung. Daher braucht es eine echte Reform, damit auch in Zukunft die Menschen ihre Pension bekommen.“
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