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Ausgabe Nr. 37/2019 vom 10.09.2019, Foto: Jules Stipsits
Katharina Straßer, Jahrgang 1984, wuchs als Kind einer Schauspielfamilie in Innsbruck (T) auf und studierte am Konservatorium Wien.
Von 2008 bis 2018 prägte sie an der Volksoper die Rolle der „Eliza“ in „My Fair Lady“.
Straßer ist mit dem Kabarettisten und Schauspieler Thomas Stipsits verheiratet. 2014 wurde Emil, 2018 Lieselotte geboren.
Katharina Straßer würdigt die Wiener Künstlerin Cissy Kraner im Einpersonenstück „Alles für‘n Hugo“ am 21.9. in Salzburg und am 22./23.9. in
Innsbruck.
Weitere Termine: www.katharinastrasser.at
„Von einem Mann abhängig zu sein, finde ich ekelhaft“
In der flotten Komödie „Curling for Eisenstadt“ (Fr., 20.15 Uhr, ORFeins) wagt sich Katharina Straßer, 35, aufs blanke Eis. Wie glatt alles lief, obwohl sie wenige Wochen vor dem Drehstart zum zweiten Mal Mutter geworden war, erzählt die Schauspielerin im Gespräch mit der WOCHE.
Frau Straßer, in der Komödie „Curling for Eisenstadt“ setzen Sie alles daran, die Damen-Curling Weltmeisterschaft in die burgenländische Hauptstadt zu holen. Hat Sie bei den Dreharbeiten das Curling-Fieber gepackt?
Curling ist super, ich kann den Winter kaum erwarten und freue mich wahnsinnig drauf (lacht). Tatsächlich ist es so, dass uns während der Drehzeit das Curling-Fieber gepackt hat. Eine lustige Sportart, bei der es ums gegenseitige Helfen geht und der Zusammenhalt im Team gefragt ist.

Mussten Sie Curling lernen?
Natürlich, wir haben ein paar Wochen intensiv trainiert. In unserer Nähe gibt es ja nur zwei Curling-Hallen, eine in Kitzbühel (T) und eine in Bratislava in der Slowakei. Wir haben in Bratislava gespielt und in der Wiener Stadthalle. Dort konnten wir aber nur die Bewegungen üben, weil das nur eine Eishalle ist.

Das klingt sportlich herausfordernd …
Das war es, vor allem für meinen Beckenboden, denn nur zwölf Wochen vor dem Drehbeginn brachte ich meine Tochter zur Welt. Ich durfte die 17 Kilo schweren Curling-Steine weder tragen noch schieben.

War Ihr Baby bei den Dreharbeiten mit dabei?
Ja, Lieselotte war erst drei Monate alt und immer mit dabei. Ich dachte mir, ob sie daheim im Wohnzimmer oder im beheizten Wohnwagen schläft, ist egal, Hauptsache, ich hatte meine Kleine bei mir und konnte sie stillen. Das hat alles wunderbar geklappt.

Der Regisseur Andreas Schmied schwärmt von den „tollen Frauen“, die in der Komödie mitspielen …
Klar, Maddalena Hirschal, Marlene Morreis, Veronika Polly und ich sind nicht nur auf dem Eis starke Frauen (lacht). Filme, in denen gleich vier Frauen im Vordergrund stehen, die gibt‘s nur selten. Das war auch ein Grund, warum ich die Rolle so knapp nach der Geburt meiner Tochter angenommen habe.

Sie spielen eine verwöhnte Tochter aus reichem Haus, die plötzlich auf ihren eigenen Beinen stehen muss. Wie haben Sie sich von Ihren Eltern abgenabelt?
Ich zog mit 18 Jahren von Innsbruck, wo ich aufgewachsen bin, allein nach Wien. Dort war ich an der Schauspielschule und hab‘ nebenbei gearbeitet. Mit 19 habe ich mein eigenes Geld verdient und nie wieder einen Groschen von meinen Eltern bekommen.

Eine „Nesthockerin“, die sich mit dem Ausziehen aus dem Elternhaus Zeit lässt, waren Sie also nicht …
Stimmt, und das ist gut so. Ich werde auch versuchen, meine Kinder so zu erziehen, dass sie keine Schwierigkeit damit haben, selbstständig leben zu können. Denn wenn ich etwas hasse, dann sind das Abhängigkeiten. Die finde ich ekelhaft. Egal, ob es um Zigaretten, Alkohol, Männer oder Geld geht. Daher lebe ich meine Unabhängigkeit, so gut ich kann.

Sie sind ein Scheidungskind. Hat Sie diese Erfahrung geprägt?
Ich war sechs Jahre alt und sicher war es ein prägendes Erlebnis, wie alles, was einem so im Leben widerfährt. Schön finde ich, dass mein Vater, der nach der Scheidung von Innsbruck nach Salzburg gezogen ist, und den ich sehr vermisst habe, seit vier Jahren mein Nachbar ist. Er wohnt nur einen Stock unter unserer Wiener Wohnung. Ich habe das Gefühl, alles nachholen zu können, was ich vielleicht versäumt habe. Und da er seit einem Jahr in Pension ist, nimmt er sich gern Zeit für seine beiden Enkerl.

Haben Sie Angst davor, Ihre Ehe könnte auch in die Brüche gehen?
Gott sei Dank steht das nicht auf dem Blatt. Aber ich bin der Meinung, es hat keinen Sinn, etwas, das nicht mehr gut ist, krampfhaft aufrechtzuerhalten. Kinder leiden unter einer Beziehung, die nicht funktioniert viel mehr, als wenn sich die Eltern neu orientieren. Mama und Papa haben vielleicht, so war es etwa bei meinen Eltern, einen liebevollen nächsten Partner.

Wann wussten Sie, dass Ihr Mann „der Richtige“ ist?
Recht schnell, nach einem Jahr war alles klar. Bei Thomas (Anm.: der Schauspieler und Kabarettist Thomas Stipsits) und mir hat es gleich funktioniert. Bevor unser Sohn Emil geboren wurde, das war 2014, haben wir im kleinen Kreis geheiratet.

Hat sich, seit die Kinder da sind, in Ihrer Ehe etwas verändert?
Beim ersten noch nicht so sehr, seit Lieselotte da ist, ist die Zweisamkeit seltener. Im Urlaub ist es leichter, da verbringen wir den Abend miteinander und genießen
gemeinsam ein Glas Wein. Zur Zeit drehe ich gerade neue Folgen für „Schnell ermittelt“ und stehe schon um halb vier, die Kinder um sechs Uhr auf. Aber alles geht, und wir haben schließlich den Opa, die Omas und ein Kindermädchen.

Steht ein drittes Kind auf Ihrer Wunschliste?
(etwas längere Pause) Ehrlich gesagt, bei dem Schlafentzug, den ich gerade habe, sage ich eher nein. Lieselotte will in der Nacht einfach nicht schlafen, aber um sechs Uhr in der Früh ist sie putzmunter. Sie ist unsere kleine „Hummel“. Seit ihrem siebenten Monat geht sie, steckt alles,
was ihr in die Finger kommt, in den Mund und räumt am liebsten jedes Kastl aus. Ihr Lieblingswort ist „Mama“, bei ihr heißt alles „Mama“. Wenn sich Emil ihr auf einen halben Meter nähert, kommt schon der Kampfschrei. Ja, die passt wirklich gut zu uns.

Was wünschen Sie sich für Ihre Kinder?
Dass sie zu selbstbewussten, starken, lustigen, freundlichen, fairen und offenen Menschen werden. Und ich behaupte zu hundert Prozent, dass ich das alles meinen Kindern vorlebe.
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