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Ausgabe Nr. 37/2019 vom 10.09.2019, Foto: AdobeStock
Im Weinviertel (NÖ) steht die Sonnenblumenernte kurz bevor.
Der gesunde Kern unserer blühenden Sonne
Sonnenblumen sind ein Symbol des Sommers und gehören zu den größten Blumen, die hierzulande wachsen. Sie sind aber nicht nur wunderschön anzusehen, es sind auch wichtige Ölpflanzen. Nur noch wenige Tage, dann ist es soweit, und die ersten Sonnenblumenkerne können geerntet werden.
Der Herbst naht mit schnellen Schritten und mancherorts ist sie bereits vorbei, die gelbe Pracht der blühenden Sonnenblumen. Doch dafür steht nun das Ernten der eiweißreichen Kerne bevor, die seit Jahrhunderten ein wichtiger Bestandteil der menschlichen Ernährung sind.

„Schon lange vor der Ankunft der Europäer in Amerika, dem Ursprungsland der Sonnenblume, ernteten die Indianer die nahrhaften Kerne dieser hochwachsenden Pflanze. Damals wurden sie meist roh gegessen oder in anderen Speisen verarbeitet“, erklärt Agrarwissenschaftlerin Dr. Silke Wieckhorst.

Um 1552 wurde die auffällige Schönheit – die botanisch betrachtet zur Gattung der Korbblütler gehört und in 67 einzelnen Arten vorkommt – schließlich von spanischen Seefahrern aus Amerika mit nach Europa gebracht. Hier war die „Indianische Sonnenkrone“ zunächst nur als Zierpflanze in den Gärten der Reichen zu finden. Ab dem 17. Jahrhundert wurden die Kerne dann auch zum Brotbacken oder geröstet als Ersatz für Kaffee oder Trinkschokolade verwendet.

Erst seit dem 19. Jahrhundert wurden Sonnenblumen als Ölpflanzen genutzt und Forscher begannen, den Ölgehalt der Kerne züchterisch zu erhöhen. „Russland war hier ein Vorreiter. Weshalb die großen Hauptanbaugebiete auch heute noch eher in Südosteuropa liegen“, weiß die Fachfrau.

In unserem Land werden Sonnenblumen zur Ölgewinnung seit 1987 angebaut. Heuer auf einer Gesamtfläche von 21.255 Hektar (Körnermais: etwa 200.000 Hektar). Wobei auf der Fläche eines Fußballfeldes, etwa ein Hektar, zwischen 60.000 und 70.000 Pflanzen stehen. Kommerziell geerntet werden die Sonnenblumenkerne mit dem Mähdrescher, um anschließend in einer Kammer auf sechs Prozent Feuchtigkeit getrocknet zu werden.

Danach werden die Kerne zur Ölmühle transportiert, wo das Öl warm gepresst und letztendlich raffiniert wird. Der Mühe Lohn ist ein nahezu geruchloses, helles, klares Öl, das in Flaschen abgefüllt wird und in der Küche eingesetzt werden kann.

„Der Anbau von Sonnenblumen wird bei uns in Zukunft an Bedeutung gewinnen, da andere Öl- und Eiweißpflanzen wie Raps, Körnererbse oder Ackerbohne stärker unter dem Klimawandel leiden“, vermutet DI Andreas Pfaller von der Landwirtschaftskammer. Bis dahin ist das Sonnenblumenöl nach Palm-, Soja- und Rapsöl noch unser viertwichtigstes Pflanzenöl. Aber auch aus unserer Gartenlandschaft sind die Sonnenblumen nur noch schwer wegzudenken, was sicherlich an ihrem imposanten Erscheinen liegt. Immerhin können einige Arten bis zu sechs Meter hoch werden und überragen dann mit ihren bis zu 50 Zentimeter großen Blütenköpfen fast alles, was an krautigen Zierpflanzen im Garten wächst. Obendrein gehören Sonnenblumen auch zu denjenigen Pflanzen, die ihren Blütenstand nach dem Stand der Sonne ausrichten können. Verantwortlich dafür ist ein spezieller Stoff, der die Pflanze auf der beschatteten Seite stärker wachsen lässt, sodass sich der Stängel gegen die Sonne hinwendet. Botaniker nennen diese Eigenart „Heliotropismus“. Und auch für „faule Gärtner“ eignen sich die hübschen Sonnenanbeterinnen. Denn sie brauchen außer Gießen und einem humosen Boden kaum Pflege und können ab einer Wachstumszeit von etwa 150 Tagen leicht geerntet werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Blütenblätter, auch Zungenblüten genannt, und die Röhrenblüten, die sich auf den Kernen befinden, natürlich abgefallen sind.

Wer seine Ernte jedoch nicht mit den Vögeln teilen will, muss die Blüten, noch bevor sie welk werden, vor den gefiederten Freunden schützen. „Dazu stülpen Sie am besten einen Stoff über die Blumenköpfchen, der licht-, luft- und wasserdurchlässig ist. So können die Vögel keine Kerne stibitzen“, empfehlen Profigärtner. Hwie
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