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Ausgabe Nr. 37/2019 vom 10.09.2019, Fotos: Wolfgang Seehofer, Fotos: Wolfgang Seehofer, Universal Musik
Ohne Zigarette geht beim Sänger und Texter Marco Michael Wanda (Mitte) nichts.
Das neue Werk ist seit Kurzem im Handel.
Eine verstimmte Gitarre und ein großer Aschenbecher
Auch wenn das neue Album „Ciao!“ heißt, auf Italienisch verabschieden will sich die erfolgreiche heimische Band „Wanda“ damit lange nicht. Ebenso wenig wie deren Sänger und Namensgeber Marco Michael Wanda von seinen Zigaretten. Der WOCHE-Reporter Steffen Rüth traf den 32jährigen Musiker zum Gespräch.
Auf dem Foto des neuen Albums stehen Sie mit Ihren Kollegen am Heck eines davonfahrenden Schiffes und winken. Machen Sie sich nach diesem Album etwa aus dem Staub?
Nein, wir hoffen, dass der Abschied noch fern ist. Ich würde gerne, so lange es geht, Rock ‘n‘ Roll mit dieser Band machen. So lange, wie der Körper es hergibt und so lange uns das Publikum erleben will. Nur für mich will ich das nicht machen. Ich habe das starke Bedürfnis, die Musik mit den Menschen zu teilen.

Sie sind jetzt 32 Jahre alt, was machen Sie für Ihren Körper?
Was ich eben so mache. Wenig Sport. Auf der Bühne bewege ich mich genug. Unsere Arbeit hat viele Berührungspunkte mit der Lebensrealität eines Fußballers. Wir machen 90 Minuten Show, nur ohne Halbzeitpause.

Fußballer leben gesund und diszipliniert. Den Männern von „Wanda“ wird dagegen nachgesagt, dass sie eine Neigung zum Rausch hätten …
Wir leben mittlerweile gesünder. Ich habe nicht mehr die Kraft, mich besinnungslos zu trinken. Das schaffe ich nicht mehr.

Das sah in den Jahren 2015 und 2016 ganz anders aus.
Das waren wilde Jahre. Alles ging so schnell. Am Anfang kamen zehn Zuschauer, dann 100, dann 10.000. Was wir in den vergangenen fünf Jahren erlebt haben, war wirklich unglaublich und schlicht der Wahnsinn. Ich hoffe, dass es noch lange so weitergeht und bin wahrhaftig stolz auf diese Band. Ich bin glücklich, wenn viele Menschen zusammenkommen, um mit uns eine Orgie zu feiern.

Hatten Sie die große Karriere immer im Blick?
Ach nein. Aber mir war klar: Das hier kann ich. Bei allen anderen beruflichen Gehversuchen bin ich gescheitert. Es hat sich in Wien schnell herumgesprochen, was bei uns abgeht. Seit gut 20 Jahren hat keine Band mehr über die Lebensrealitäten der Menschen gesungen und ist dabei so durch die Decke gegangen. Wir sind nicht durch eine Facebook-Seite gewachsen, sondern durch Mundpropaganda. Die Menschen wollen uns.

Haben Sie sich durch den Erfolg verändert?
Nein. Ich lebe nicht anders als vor zehn Jahren. Ich bin derselbe Mensch, interessiere mich immer noch für Filme und Fußball und habe immer noch kein Auto.

Das Album „Niente“ war ruhig und etwas melancholisch. Auf „Ciao!“ legen Sie musikalisch wieder einen Gang zu. Ist die Ruhephase vorüber?
Das passiert bei uns ohne Planung. Es war gut, etwas Fahrt herauszunehmen. Hätten wir in der Geschwindigkeit nach „Amore“ und „Bussi“ weiter getourt, Musik gemacht und diese Energie auf die Spitze getrieben, dann wäre irgendwann einer von uns tot umgefallen. Aber letztlich macht die Musik, was sie will.

Was brauchen Sie, um ein gutes Lied schreiben zu können?
Eine verstimmte Gitarre und einen großen Aschenbecher. Beim Liederschreiben rauche ich am meisten. Fürs neue Album habe ich innerhalb von drei Wochen die Lieder geschrieben, in gut einer Woche hatten wir sie aufgenommen. Es ging schnell, viel schneller als sonst. Irgendwie gab es einen geistigen Durchbruch.

Ihre Texte handeln von den wichtigen Fragen des Lebens. Haben Sie auch Antworten?
Ich schreibe über Ängste, Hoffnungen, Sehnsüchte, Wünsche und Träume. Was mich interessiert, sind wir Menschen. In spiritueller Hinsicht trete ich in Kontakt mit einer Sphäre, die sich mit Worten nicht beschreiben lässt. Auf der Bühne habe ich manchmal das Gefühl, ich werde eins mit allen 15.000 Besuchern.
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