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Ausgabe Nr. 36/2019 vom 03.09.2019, Fotos: AdobeStock, Flora Press
In diesen Tagen vermehren sich die Fruchtfliegen besonders stark.
So werden Sie die lästigen Winzlinge los
Weil Fruchtfliegeneier häufig schon am Obst im Supermarkt kleben, sollte auf gründliches Abwaschen nicht verzichtet werden. Und selbstverständlich sollten
das Obst und Gemüse auch nicht tagelang vor sich hin gammeln. Wenn möglich, wird alles im Gemüsefach des Kühlschrankes oder in Papiersäckchen gelagert. Sollten sich die Fliegen aber schon eingenistet haben, reicht ein einfaches Hausmittel, die „Spüli-Falle“, zur Bekämpfung aus. Dafür geben Sie etwas Wasser, Essig und Spülmittel in eine Schale. Dem Essigduft können die Plagegeister nicht widerstehen. Doch durch das Spülmittel verliert das Wasser die Oberflächenspannung und die Fliegen gehen unter. Tauschen Sie die Mischung alle zwei Tage aus, dann schnappt die Falle immer zu.
Auf einmal sind sie alle da
Jeder kennt sie, niemand mag sie. Und das bei einer Körpergröße von nur knapp drei Millimetern. Die Fruchtfliege ist ein ganz besonderer Quälgeist, der sich vor allem im Spätsommer und Herbst massenhaft vermehrt. Doch die lästigen Winzlinge haben für die Wissenschaft auch einen hohen Stellenwert.
Zunächst nur eine, dann zwei, dann drei – bis nach wenigen Tagen klammheimlich eine richtige Armee in der Küche herumschwirrt. Die Fruchtfliege ist ein unscheinbares Insekt mit braun-gelbem Panzer und rötlichen Augen. Das ursprünglich aus den Tropen stammende Tier wird auch als Obstfliege, Essigfliege oder Taufliege bezeichnet und ist nur eine von weltweit insgesamt 3.000 Fliegenarten.

Nahezu jeder von uns hatte diese lästigen Viecher schon bei sich zu Hause, nichtsahnend, wo sie so plötzlich hergekommen sind. Die Antwort darauf wird den wenigsten schmecken. „Fruchtfliegen entwickeln sich aus Eiern, die die Weibchen auf Obst und Gemüse ablegen. Sie sind aber so winzig, dass wir sie nicht sehen können. Viele Fruchtfliegen kommen also bereits beim Kauf von Obst und Gemüse ohne unser Wissen mit nach Hause. Und ja, diese Larven essen wir auch oft mit“, erklärt der Bio-
loge Dr. Mark Benecke. Wenn der Gedanke daran auch widerlich erscheinen mag, „ungesund ist das nicht“. Immerhin übertragen Fruchtfliegen keine Krankheiten, die uns gefährlich werden könnten. Im Gegenteil. „Sie dienen sogar als Lieferanten wichtiger Nährstoffe wie Vitamin B12, Zink und Eisen“, sagt der Insektenforscher. In Indien zum Beispiel wurde die „saubere“ Zubereitung von Gerichten wie Reis bereits zu einem Problem. Denn früher landeten Insektenbruchstücke und auch Larven mit im Topf. Das ist heute kaum noch der Fall. Als Folge fehlen den Bewohnern wichtige Mikronährstoffe. Unappetitlich finden die meisten Menschen die massenhaften Versammlungen der fliegenden Sechsbeiner über der Obstschale dennoch.

Zudem tragen die Fliegen an ihren Füßchen und Mundwerkzeugen Hefesporen und Bakterien mit sich herum, die empfindliche Lebensmittel schneller verderben lassen.

„Natürlich können die Quälgeister auch einfach von draußen in die Wohnung schwirren“, räumt Benecke ein. Häufig werden Fruchtfliegen von zu lange liegen gelassenem Obst angelockt. Ein süßer Duft, den die Insekten mit ihrem hochsensiblen Riechorgan auf eine Entfernung von bis zu einem Kilometer wahrnehmen können, bevor wir überhaupt erste braune Stellen an den Fruchtschalen entdecken.

Vor allem der Spätsommer und Herbst sind die ideale Zeit für die Fruchtfliege. Die satte Auswahl an überreifem Obst ermutigt sie zum Eierlegen und bei den milden Temperaturen im September schlüpfen die Larven genauso flink wie im Hochsommer. Und weil auch wir uns dann oft frische Äpfel oder Weintrauben ins Haus holen, gesellen sich die ungebetenen Gäste gerne dazu. Was rasch zur Plage ausartet. Schließlich kann ein Weibchen bereits 24 Stunden nach der Paarung bis zu 400 Eier ablegen. Bevorzugt in gärenden Früchten, von denen sich die spätere Larve ernährt. Die Schale einer gesunden Frucht können die Insekten jedoch nicht durchstechen. Daher nutzen sie auch Risse im Fallobst oder Einstiche anderer Insekten, um ihre Eier zu platzieren. „Bei einer Idealtemperatur von 25 Grad schlüpft nach nur ein bis zwei Tagen eine Larve. Sie wächst, häutet sich und durchläuft unterschiedliche Entwicklungsstadien. In einem Zeitraum von gerade einmal neun Tagen ist die Larve dann zu einer fertigen Fruchtfliege herangereift, deren Lebensdauer bei 40 bis 50 Tagen liegt“, weiß der Experte. Hochgerechnet können aus einem einzigen Fruchtfliegenpaar in wenigen Wochen Hunderttausende Nachkommen entstehen.

Doch was die Hausfrau und den Hausmann fluchen lässt, ist für die Wissenschaft ein gefundenes Fressen. „Seit 1907 dient die Fruchtfliege als ideales Versuchstier, da viele ihrer Gene denen des Menschen ähnlich sind“, weiß Dr. Mark Benecke.

Fünf Forschergruppen hat die kleine Fliege bereits den Nobelpreis beschert. Indem die Wissenschaftler das Erbgut ihrer Eier manipulierten, konnten sie etwa zeigen, welche Gene für die Entwicklung eines Lebewesens nötig sind, und wie die Krankheit Parkinson entsteht. Hwie
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