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Ausgabe Nr. 35/2019 vom 27.08.2019, Foto: action press
Michaela May wurde am 18.3.1952 als Gertraud Elisabeth Mittermayr in München (D) geboren.

Sie bekam als Kind Ballettunterricht und stand tänzerisch auch auf der Bühne. Mit 13 Jahren gab sie im Film „Onkel Toms Hütte“ ihr Leinwanddebüt. Ihren Künstler-Vornamen hat sie frei gewählt, May ist ein Teil ihres Familiennamens.

1980 heiratete sie den Anwalt Dr. Jack Schiffer, aus dieser Ehe stammen die Töchter Alexandra, 37, und Lilian, 31. Die Trennung erfolgte 2004, im Jahr 2006 heiratete May den Regisseur Bernd Schadewald.
„Mama hat ihre Urne selbst getöpfert“
Mit dem Tod musste sich Michaela May, 67, in den vergangenen Monaten mehrfach auseinandersetzen. Nicht nur die Mutter der beliebten Schauspielerin starb, sondern auch ihre gute Freundin Hannelore Elsner. Am Donnerstag, 29. August, ist May in einem Film zu sehen, in dem der Tod ebenfalls eine Rolle spielt …
Frau May, wir sehen Sie am 29. August, 20.15 Uhr, ZDF, in dem Film „So einfach stirbt man nicht“. Wie waren die Dreharbeiten auf Mallorca? Und fiel es Ihnen schwer, so lange von zu Hause weg zu sein, da doch familiär einiges los war?
Wir haben ja bereits im Oktober und November des Vorjahres gedreht – ausgerechnet zu der Zeit, als die Insel von starken Regenfällen überrascht wurde. Als ich am ersten Tag bei der Kostümprobe war, gab es einen derartigen Regenguss, dass ich danach nicht mehr zu meinem Hotel kam, weil die Straßen überschwemmt waren. Wie wir später erfuhren, waren wir nur 20 Kilometer von dem Ort entfernt, in dem in der Zeit 13 Menschen ums Leben gekommen sind. Leider hatten wir während der gesamten Dreharbeiten immer wieder Wetterprobleme, auch die Aufnahmen in den Olivenhainen fanden bei Regenwetter oder in den Momenten statt, als der Regen kurzfristig pausiert hat. Trotzdem sieht es im Film aus, als wäre immer schönes Wetter gewesen.

Im Film spielen Sie die Frau eines Totgeglaubten. Der Tod scheint derzeit allgegenwärtig zu sein. Im April ist Ihre gute Freundin Hannelore Elsner gestorben, kürzlich Ihre Schau-spielkollegin Lisa Martinek. Welche Gefühle lösen diese Abschiede bei Ihnen aus?
… und im Jänner ist auch meine Mutter mit 97 Jahren gestorben. Ich glaube, es ist eine Altersfrage, sich zunehmend mit dem Tod auseinandersetzen zu müssen – weil die Einschläge immer näherrücken. Manchmal auch unerwartet früh. Bei meiner Mutter erwartet, sanft und spät. Trotzdem bedeutet der Tod immer den Verlust eines Menschen, der einen großen Platz im Leben der Angehörigen eingenommen hat. Natürlich denke ich darüber nach, wie ich einmal enden möchte. Will ich beerdigt werden oder verbrannt? Ich komme näher an den Punkt, wo die Zeit endlich wird, und ich versuche die Zeit, die Liebe, das Leben, die Arbeit und die Menschen um mich herum bewusster zu erleben und auch zu selektieren.

Sprechen Sie auch mit Ihrer Familie darüber?
Ich habe nach der Trennung von meinem ersten Mann ein Testament gemacht. Ich möchte nicht, dass es nach meinem Tod irgendwelche Unklarheiten über meinen Nachlass gibt. Auch möchte ich vorher klären, was nach dem Tod mit mir passiert.

Wissen Sie das schon?
Meine Mutter war da äußerst fortschrittlich. Sie hat bereits für meinen Vater und auch für sich selber eine Urne aus Ton gefertigt. Wahnsinnig schön – mit einem Liebespaar darauf. Als das Thema mit der Verlängerung der Friedhofsgebühren aufkam und sie überlegte, das Grab aufzugeben, sagte sie: „Für mich ist der Papa in mir. Ich brauche den Platz nicht.“ Woraufhin ich meinte: „Aber ich brauche den Platz und die Gewissheit, dass er dort ist und ich ihn besuchen kann.“ Also haben wir das Grab erhalten, und meine Mutter hat ihren Platz daneben bekommen. Auf jeden Fall hat meine Mutter mich dazu gebracht umzudenken. Als wir noch vor längerer Zeit darüber gesprochen haben, wo sie gerne ihre Asche verstreut hätte, antwortete sie: „Im Ammersee oder Staffelsee (beide Seen liegen in Bayern, D) – irgendwo, wo ich in die Berge schauen kann.“ Und ich denke mir, dieses Zurück-zur-Natur hat auch viel mit mir zu tun. Letztendlich werden wir doch alle zu Asche und Erde, und irgendwann wird ein Grab sowieso aufgelöst. Da bin ich doch lieber gleich Erde, an einem Ort, wo auch ein schöner Baum wächst.

Angeblich haben Sie auch die positive Lebenseinstellung von Ihrer Mutter übernommen …
Meine Mutter hat sich mit 90 Jahren noch einen Computer gekauft, damit sie meine E-Mails und Fotos empfangen konnte, wenn ich im Ausland war. Sie war auch neuer Musik gegenüber immer aufgeschlossen. Und sie fand es in Ordnung, wenn meine früheren Freunde lange Haare hatten, während mein Vater sie als Gammler bezeichnete. Ihre Offenheit für Dinge, die nicht ihrer eigenen Tradition entsprachen, war beachtlich. Wir müssen für Innovationen aufgeschlossen sein. Der Fluss fließt, und wir sollten versuchen, in diesem Tempo mitzuschwimmen.

Ihre Tochter Lilian, 31, hat kürzlich am Ammersee geheiratet …
Ja, und wir haben drei Tage lang ausgiebig gefeiert. Es war ein wunderschönes Fest. Lilian hat das Hochzeitskleid ihrer Schwester Alexandra, 37, getragen, die vor zwei Jahren in Venedig (Italien) geheiratet hat. Die beiden stehen sich nahe, und ich bin froh, dass meine Kinder ihr Glück gefunden haben.

Sie haben bei der Trauerfeier von Hannelore Elsner, über deren Gesundheitszustand kaum jemand etwas wusste, gesagt: „Als Schauspielerin darfst du nicht krank sein.“ Wie meinten Sie das? Muss in Ihrem Beruf tatsächlich die Fassade bewahrt bleiben?
Meine langjährige, mehr als 50jährige Arbeit als Schauspielerin hat mir gezeigt, dass die von einer Krankheit betroffene Person lange darunter gelitten hat. Oder wenn jemand an Krebs erkrankt war, die Meinung herrschte: „Der hatte Krebs, den können wir nicht besetzen.“ Viele Schauspieler haben aufgrund dessen viele Jahre lang gebraucht, um wieder in ihren Beruf zurückzukommen. Ich habe auch nach meinen Schwangerschaften ganz schnell wieder gedreht – weil ich sonst „ewig schwanger“ gewesen wäre. Die Zeit in meinem Beruf ist schnelllebig, und schnell fällt jemand vom Fließband runter, wenn er sich einmal eine Auszeit nimmt. Das wird sogar immer schlimmer.

Ihre ältere Tochter schenkt Ihnen Ihr drittes Enkerl. Sind Sie eine Oma, die sich mit ihren Enkerln beschäftigt?
Freilich, doch als Oma kann ich auch einmal sagen, jetzt habe ich keine Zeit. Dennoch sehen wir uns öfter an verlängerten Wochenenden. Obwohl meine Tochter Alexandra mit ihrem Mann und den beiden Kindern, ein und drei Jahre alt, in einem Haus in London (England) lebt.

Bedauern Sie es, kein drittes Kind zu haben?
Nein, weil ich zwei gelungene Kinder habe. Natürlich hätte ich gerne auch drei Kinder gehabt, aber meine beiden Töchter sind für mich ein großer Glücksfall. Ebenso meine wunderbaren Schwiegersöhne. Also habe ich praktisch noch zwei Kinder dazubekommen.
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