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Ausgabe Nr. 35/2019 vom 27.08.2019, Fotos: Franz Sieghartsleitner, Max Mauthner
Der scheue Luchs liebt die Deckung und ist für die Wanderer daher nicht zu sehen.
Wandern wo die Luchse wohnen
Der „Luchstrail“ ist ein neuer, 220 Kilometer langer Weitwanderweg. Er führt in elf Etappen durch den Nationalpark Kalkalpen (OÖ), den Nationalpark Gesäuse (Stmk.) und das Wildnisgebiet Dürrenstein (NÖ). In dieser Region sind auch sechs Luchse beheimatet. Die Ausflügler lernen das Revier der größten Katze Europas kennen und entdecken eine atemberaubende Landschaft.
Die Luchse „Kora“, „Juri“ und „Lakota“ streifen durch
die Wälder. Anhand ihrer Fellzeichnung sind sie leicht voneinander zu unterscheiden. Lautlos bewegen sie sich fort. Manchmal tappen sie in die Falle – die Fotofalle. Auf diese Weise wird ihre Anwesenheit registriert. Der Wald ist ihr Revier, der Nationalpark Kalkalpen (OÖ), der Nationalpark Gesäuse (Stmk.) und das Wildnisgebiet Dürrenstein (NÖ) ihr Zuhause. Insgesamt sechs Luchse streifen durch die Wildnis. Wanderer sind nun eingeladen, auf dem „Luchstrail“ die Heimat der größten Katze Europas zu erkunden.

Der Weg beginnt in Reichraming (OÖ) und führt in elf Etappen bis nach Lunz am See (NÖ). „Zwischen dem Anfang und dem Ende liegen 220 Kilometer.
Wir bieten einen Gepäcktransfer, Übernachtungspakete sowie einen Transfer zur nächsten Etappe an, falls jemand eine davon auslassen möchte. Wer will, kann sich auch von einem Nationalpark-Ranger begleiten lassen“, erzählt Sandra Kraushofer, die bei der Umsetzung des „Luchstrails“ mitgearbeitet hat.

Der Luchs ist das Symbol des Weges. Die Chance, eine der Wildkatzen zu Gesicht zu bekommen, ist aber gering. Die nachtaktiven Jäger ziehen sich tagsüber zurück. „Selbst wenn sie im Blickfeld eines Wanderers wären, sind sie aufgrund ihrer Tarnung leicht zu übersehen. Der Hörsinn eines Luchses ist weitaus besser als jener des Menschen. Er hört Wanderer schon aus weiter Ferne und legt sich flach auf den Boden, um nicht gesehen zu werden. Das machen Hauskatzen übrigens auch“, erklärt Franz
Sieghartsleitner vom Nationalpark Kalkalpen.

Dass sich die Luchse verstecken und nicht fotogen in die Kamera blinzeln, soll aber den Wanderausflug nicht schmälern. Das Sehenswerte am Pfad ist die Landschaft. „Der Wanderer geht durch unterschiedliche Wälder, einmal auf der Nord-, dann auf der Südseite. Der Weg überrascht mit weiten Ausblicken und urigen Hütten. Die Natur ändert sich ständig. Der Weg ist zudem nicht überlaufen“, erzählt Sieghartsleitner, der den „Luchstrail“ schon gegangen ist. „Die Bewohner sind zuvorkommend. Wer mit ihnen ins Gespräch kommen will, muss sie aber ansprechen“, verrät der Mitarbeiter des Nationalparks.

Vom Bahnhof Großraming geht es oberhalb vom Großen Bach zur Klaushütte. Hier haben sich früher Waldarbeiter vom Triften (Transport) der Baumstämme ausgeruht. Heute kehren dort Wanderer ein. „Von der Klaushütte geht es weiter zur Anlaufalm, dem ersten Etappenziel. Es ist die einzige Übernachtungsmöglichkeit. Die Wanderer schlafen in einem Lager für mehrere Personen. Kuscheliger ist es im Herzerlzimmer, das zwei Personen Platz bietet“, lacht Kraushofer.

Auf der zweiten Etappe dringen die Wanderer weiter in den Nationalpark Kalkalpen vor. Inmitten von Buchenwäldern machen sie sich auf zur Laussabaueralm. Erst am dritten Tag entkommen sie auf dem gut beschilderten Wanderweg der Wildnis. Über die schroffen Haller Mauern gelangen sie nach Admont (Stmk.) zum berühmten Stift.

Die Wanderer betreten in den folgenden Etappen das Gesäuse. Im „Xseis“, wie die Steirer ihr Gebirge nennen, befindet sich der Nationalpark Pavillon. Das Besucherzentrum beherbergt ein Museum, ein kleines Geschäft und ein Restaurant. Das Gesäuse präsentiert sich im Gstatterboden, wo der Pavillon steht, zahm.
Wild wird es wieder auf dem Weg nach Johnsbach, wo sich ein Bergsteigerfriedhof befindet. Auf dem Weg dorthin werden die Wanderer mit einem atemberaubenden Ausblick auf die Gesäuseberge belohnt.

Auch hier streifen die Luchse umher. „Sie beanspruchen kleinere Reviere als üblich, was bedeutet, dass wir einen guten Wildbestand haben. Manche Jäger sehen den Luchs als Konkurrenten, dabei ist die Raubkatze ein Segen für den Nationalpark. Der Luchs geht dorthin, wo das Reh am dichtesten steht und sorgt dafür, dass sich das Wild gleichmäßig im Wald verteilt. Der Luchs jagt auch Gämsen, Füchse und Mäuse“, erklärt Sieghartsleitner. Auch wenn der scheue Luchs lieber die Deckung sucht, bekommen Wanderer dafür andere seltene Tierarten vor die Linse. „Im August ist der Tagfalter ,Augsburger Bär‘ zu sehen. Der Weißrückenspecht ist hier ebenfalls heimisch, genauso wie endemische Arten. Das sind Pflanzen, die nur hier vorkommen. Dazu gehört der Nordöstliche Alpen-Mohn.“

Abwechslungsreich präsentiert sich auch das Gesäuse. „Die Wanderer betreten das Mooslandl, gehen entlang der Salza durch die Nothklamm und wandern auf schönen Bergrücken durch das Mendlingtal, wo sie sich in dieser Erlebniswelt über die Holztrift informieren können“, erzählt Kraushofer.

Die letzten beiden Etappen führen durch das Wildnisgebiet Dürrenstein nach Lunz am See (NÖ). widlak
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