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Ausgabe Nr. 35/2019 vom 27.08.2019, Fotos: Getty Images, TS/Republic
Taylor Swift
Ein Album der Liebe mit 18 abwechslungsreichen Liedern.
Ein Liebesbrief an die Liebe selbst
Sie ist zweifellos die erfolgreichste und meistdiskutierte Sängerin der vergangenen Jahre. Ihr siebentes Album „Lover“ (im Handel) nutzt Taylor Swift, 29, jedoch, um sich endlich klar zu positionieren.
Im Lied „The Man“, es ist das vierte von 18 Stücken auf dem neuen Werk, stellt sich Swift einmal vor, wie es wäre, ein Mann zu sein. „I‘d be a fearless leader. I‘d be an alpha type“, singt Swift, sie würde als furchtlose, mutige Visionärin und als Alpha-Männchen gelten. „Alle meine Entscheidungen, meine Fehler, meine Erfolge würden anders betrachtet, wenn ich keine Frau wäre“, meint die 29jährige Amerikanerin. Sie äußert sich also dezidiert feministisch. „Endlich“, möchten wir ihr zurufen. Aber nicht zu spät. In einer Welt, in der einiges ins Wanken geraten ist, setzt die Sängerin ein paar Zeichen. Taylor Swift als mündige, meinungsstarke Bürgerin – das ist eine spannende Entwicklung.

Swift, in Nashville, US-Staat Tennessee, eher in eine konservative Welt hineingeboren, ist gegen jede Form der Diskriminierung und für Gleichberechtigung in allen Belangen. Im vergangenen Jahr verdammte sie die republikanische Senatskandidatin für Tennessee, Marsha Blackburn, regelrecht, als sich diese im Wahlkampf geringschätzig gegenüber nicht-heterosexuellen Partnerschaften äußerte. Donald Trump schimpfte daraufhin auf Twitter, nun möge er Swifts Musik um 25 Prozent weniger, also immer noch ganz schön gern. Dabei stand sie lange im Verdacht, eine unausgesprochene Trump-Anhängerin zu sein, was nicht zutrifft. Sie hatte es nur vermieden, vielleicht auch versäumt, klar Stellung zu beziehen.

Dabei darf nicht unterschätzt werden, welche Macht die 29jährige hat. In Amerika noch deutlich mehr als in Europa. Mehr als 120 Millionen Menschen verfolgen ihr Leben auf Instagram, auf der Internet-Plattform Twitter sind es knapp 90 Millionen und auf Facebook sind es 75 Millionen Menschen. Dabei zeigt ihre Öffentlichkeitsnähe auch Schattenseiten. Ein Stalker, der sie seit Längerem verfolgt, wurde zum dritten Mal bei ihr daheim erwischt. Dieses Mal lag er in ihrem Bett in ihrer New Yorker Luxuswohnung. Swift macht die Medien dafür verantwortlich, dass der Mann wusste, wo sie wohnt. „Auf Internetseiten und in Boulevardzeitungen wird jede Adresse veröffentlicht, an der ich jemals gewohnt habe“, sagt die Sängerin, die im Jahr 2017 alle Fotos aus den sozialen Netzwerken gelöscht hat, weil sie glaubte, zu viel von sich preisgegeben zu haben. Ihre Anhänger schauten plötzlich ins Leere, aber nicht lang.

Es folgte eine Erkenntnis, die ihr das Leben nicht leichter machte. „Musik wird heute nur noch dann gekauft, wenn zwischen dem Künstler und dem Hörer eine Liebesgeschichte entsteht.“ Musik könne wie ein Pfeil durchs Herz gehen, weil man sich stark fühlt oder weil man sich nicht so allein fühlt, wenn man gerade allein ist, meint die Künstlerin, die stärker als andere Sängerinnen auch das Klientel auf dem Land anspricht und nicht nur die modernen Großstadtkinder.

Zudem gilt sie als Frau, mit der sich ein Mann besser nicht einlässt, weil sie sonst ein fieses Lied über ihn singt. Teilweise wurde Swift wegen ihrer Songs richtiggehend verhöhnt, während ein Mann wahrscheinlich für seine Emotionalität gefeiert worden wäre. Tatsächlich basieren Swifts Texte oft auf Tagebucheinträgen, das macht ihre Musik seit jeher verletzlicher und roher als die anderen Hits, die in Musikfabriken in Los Angeles (Kalifornien) oder Nashville zusammengeschustert werden.

Seit einiger Zeit jedenfalls hält sich Swift nicht mehr höflich zurück. Sie gewann vor Gericht gegen einen Radio-Diskjockey, der sie bei einem gemeinsamen Fototermin befummelte. Sie beklagte sich öffentlich darüber, dass Scooter Braun, der Manager von Justin Bieber und Ariana Grande, ihre frühere Plattenfirma „Big Machine“ und damit auch die Rechte an ihren alten Liedern kaufte, was geschäftlich nicht zu beanstanden, aber für Swift halt unschön war. Gefragt, warum sie die Plattenfirma und damit die Rechte an ihren Liedern nicht einfach selbst gekauft hat, meinte sie: „Ich investiere lieber in die Zukunft als in die Vergangenheit.“

Zu der gehört zweifellos der britische Schauspieler Joe Alwyn, 28. Hielt sie sich in privaten Angelegenheiten früher notorisch bedeckt, und sang höchstens über Beziehungen, die schon wieder zu den Akten gelegt waren, so sprudelt das Verliebtsein jetzt förmlich in Versform aus ihr heraus. „Das Album ist ein Liebesbrief an die Liebe in all ihrer Herrlichkeit“, sagt Swift selbst. Steffen Rüth
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