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Ausgabe Nr. 35/2019 vom 27.08.2019, Foto: Imago
Rudolf Hundstorfer mit seiner Frau Karin Risser.
Ex-Gewerkschafts-Chef Rudolf Hundstorfer, 67, verstorben. Mitarbeiterin trauert: „Er hat mich getröstet, als ich Kummer hatte“
Er war Sozialminister, Chef des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) und Bundespräsidentschaftskandidat, er hat sich um unser Land verdient gemacht. Am Dienstag der Vorwoche, dem 20. August, starb Rudolf Hundstorfer im Alter von 67 Jahren an einem Herzinfarkt während seines Urlaubs auf der kroatischen Insel Brac. Kurz vor dem morgendlichen Schwimmen fand ihn seine Frau Karin Risser leblos in einem Sessel auf, jegliche Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos.
Rudolf Hundstorfer galt als einer der letzten großen Sozialdemokraten. Sein Engagement als Arbeitnehmervertreter hat der am 19. September 1951 in Wien geborene Hundstorfer von seinem Vater geerbt, der Betriebsrat in der Bauarbeiterurlaubskassa war, die Mutter war Hausfrau. Seine Karriere als Politiker begann der aus bürgerlichen Verhältnissen stammende Wiener als Abgeordneter im Landtag. Zuvor absolvierte er eine Lehre als Bürokaufmann und arbeitete sich zum Verwaltungsbeamten hinauf. Nebenbei engagierte sich Hundstorfer in der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten und wurde ab 2003 deren Vorsitzender.

Bekanntheit erlangte er 2006, als er nach dem
BAWAG-Skandal das Präsidentenamt des Österreichischen Gewerkschaftsbundes übernahm. Innerhalb von zwei Jahren gelang es Hundstorfer, den ÖGB geschickt aus der Finanzkrise zu manövrieren und die hohen Wogen zu glätten, die sein Vorgänger Fritz Verzetnitsch zu verantworten hatte. Von 2008 bis 2016 bekleidete er unter Bundeskanzler Werner Faymann das Amt des Sozialministers, in dem er neben dem sorgsamen Bedacht auf den Arbeitsmarkt auch eine weitsichtige Pensionsreform umsetzte. Sein letzter großer politischer Schritt blieb ihm jedoch verwehrt. Nachdem Hundstorfer 2016 bei der Bundespräsidentenwahl der Einzug in die Hofburg bereits in der ersten Runde mit nur elf Prozent der Stimmen verwehrt wurde, zog er sich aus der Politik zurück. Es wurde ruhiger um ihn und er mietete sich in ein Büro am Stephansplatz ein.

Eine ehemalige Kollegin erinnert sich. „Als Rudi das erste Mal im Büro stand, hatte ich das Gefühl, die Aufmerksamkeit wäre ihm unangenehm. Das war nur ein paar Monate nach seinem Ausscheiden aus der Wahl zum Bundespräsidenten. Es wirkte so, als wäre ihm sein Scheitern ein bisschen peinlich gewesen.“

Kennengelernt habe sie Hundstorfer bereits zehn Jahre zuvor am Ärzteball. „Damals war er mir unsympathisch mit seinem strengen Blick und seiner kühlen Art. Ich glaube, das war es auch, was ihm bei der Wahl zum Bundespräsidenten im Weg stand“, erzählt sie. „Rudi entpuppte sich aber als einer der nettesten Menschen überhaupt, der immer ein offenes Ohr hatte und nie um einen Schmäh verlegen war.“ Zudem konnte er auch tröstende Worte finden, erinnert sie sich: „Als ich einmal Liebeskummer hatte, setzte sich Rudi zu mir und zeigte mir auf seinem Mobiltelefon Fotos seiner Tochter und seines Enkerls. Auch seine Tochter hätte immer wieder Männerprobleme gehabt, und dann plötzlich ganz schnell jemanden gefunden. Daraufhin ging es mir besser.“

Vor knapp zwei Wochen sah ihn die Kollegin das letzte Mal. „Er hatte gute Laune, da er gerade wieder Opa geworden war. Bei der Verabschiedung meinte er noch, er würde gerade auf den Hund seiner Tochter aufpassen und einmal mit ihm im Büro vorbeischauen. Leider ging sich das vor seinem Urlaub nicht mehr aus. Dann kam die Nachricht von seinem Tod. Wir waren alle sehr traurig. Er wird uns wahnsinnig fehlen.“

Hundstorfer stand ab Mai 2018 als Präsident der Volkshilfe Wien vor, wo er sich gegen Armut und soziale Ausgrenzung einsetzte. Ein Kampf, der nun ohne ihn weitergeführt werden muss. Er hinterlässt seine dritte Frau Karin Risser, seine Tochter, Raumplanerin Birgit, sowie zwei Stiefkinder und zwei Enkelkinder, denen er „ein lieber Opa“ war.

Ein Termin für die Beerdigung Hundstorfers stand bei Redaktionsschluss nicht fest. Er erhält ein Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof.
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