Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 34/2019 vom 20.08.2019, Foto: citronenrot OG
Strenge Kontrollen am Flughafen.
Im Gepäck – Schmuggelware
Wer in seinem Urlaub ferne Länder bereist, möchte gerne etwas mit nach Hause nehmen. Allerdings wird bei den Souvenirs gern übertrieben. Muscheln, Käse, ja sogar Schlangenwein landen in den Gepäckstücken. Allerdings sind viele der Mitbringsel verboten. Das kann teuer werden. Die Einfuhrbestimmungen bergen so manche Überraschung – genauso wie eben die Koffer der Urlauber.
Wir Österreicher lieben es zu reisen, vor allem im Sommer. Laut Statistik Austria ist die Reisefreudigkeit in den vergangenen zehn Jahren stark gestiegen. Die Zahl der Urlaubsfahrten im Sommer, also zwischen Juli und September, erhöhte sich um 14 Prozent. Das heißt, mittlerweile werden in den drei Monaten fast acht Millionen Reisen von Menschen unseres Landes unternommen. Vor allem nach Italien, Spanien, Kroatien, Griechenland und Deutschland. Fernreisen nehmen mit knapp sechs Prozent einen eher geringen Anteil ein.

Unabhängig vom Urlaubsland ist allerdings der Wunsch, mit einem Souvenir ein Stück Reiseglück mit nach Hause nehmen oder den Lieben daheim eine Freude machen zu können. Eine von ihnen ist Elvan Yavuz. Um 22 Uhr steht die junge Vorarlbergerin mit ihrem Koffer am Wiener Flughafen in der Ankunftshalle. Sie ist gerade aus Los Angeles (US-Staat Kalifornien) zurückgekehrt. Eine Woche war sie mit einer Freundin unterwegs. „Am beeindruckendsten war der Walk of Fame, wo die berühmten Schauspieler ihren Stern am Gehsteig haben“, schwärmt sie. Als Mitbringsel hat Yavuz einen kleinen Schlüsselanhänger gekauft, der die Aufschrift „LOS ANGELES“ trägt. „Der ist für meinen Bruder“, sagt sie lächelnd und wirkt dabei trotz des langen Fluges putzmunter. Mit diesem Geschenk konnte sie ohne Weiteres die Sicherheits- und Zollkontrollen passieren.

Manche Souvenirs sind allerdings in der Europäischen Union verboten oder müssen verzollt werden. Darüber herrscht bei den Reisenden weitestgehend Unwissenheit. Und das kann teuer werden. Mitbringsel, die mehr als 300 Euro (Landweg) oder 430 Euro (Luftweg) gekostet haben, sind zollpflichtig. Wer sie ins Land bringen will, muss sie melden sowie Zoll und Umsatzsteuer zahlen. Wer innerhalb der EU reist, zahlt meist keinen Zoll und darf sich bei beschränkten Waren über größere Freigrenzen freuen. Vier Stangen Zigaretten, 110 Liter Bier und 90 Liter Wein sind da kein Problem. Von außerhalb der EU dürfen Reisende dagegen nur eine Stange Zigaretten, 16 Liter Bier und vier Liter Wein pro erwachsene Person einführen. Arzneimittel aus dem EU-Ausland können bis zu einer Menge von drei Packungen eingeführt werden.

Doch nicht nur bei Medikamenten, Tabakwaren und Alkohol gibt es Freigrenzen, sondern auch bei Tieren,
auch wenn die Regelungen zuweilen eigentümlich anmuten. Wer etwa vier tote Seepferdchen (obwohl bedroht), drei Riesenmuscheln und vier Handtaschen aus Krokodilleder im Gepäck hat, bekommt bei der Heimreise keine Probleme. Sie dürfen in dieser Menge ins Land mitgebracht werden. Für Tropenholz, Elfenbein und Kakteen dagegen brauchen Reisende eigene Artenschutzdokumente. Andere Pflanzen- und Tierarten müssen generell dort bleiben, wo sie zu erwerben sind. Gerhard Marosi, Zollexperte im Finanzministerium, verweist auf eine Kuriosität. „In Asien wird massenweise Schlangenwein verkauft. Die Urlauber wollen ihn sich daheim ins Regal stellen, weil er grauslich ausschaut. Aber das Problem ist, das Tier in der Flasche unterliegt dem Artenschutz.“

Bei Lebensmitteln ist ebenfalls Vorsicht geboten. Obst, Gemüse und Fisch sind in Maßen erlaubt. Um zu verhindern, dass Urlauber Tierseuchen einschleppen, sind die Vorschriften bei tierischen Produkten bei der Einreise aus Ländern, die nicht zur EU gehören, strenger. Die Einfuhr von Fleisch, Wurst und Käse ist verboten. Weniger Probleme sieht der Gesetzgeber eigentümlicherweise bei Faustfeuerwaffen und Gewehren. Viele dieser Schusswaffen dürfen ins Land gebracht werden, immerhin muss der Reisende einen Waffenschein vorweisen. Auch Benzin und pyrotechnische Gegenstände dürfen die Urlauber mit gewissen Beschränkungen mitnehmen.

Dass zuweilen unwissende Heimkehrer zu drastischen Mitteln greifen, um Einfuhrbestimmungen zu umgehen, mussten chinesische Zollbeamte erfahren. Eine Frau wollte eine Flasche Cognac mit nach Hause bringen, wurde aber am Flughafen in Peking gestoppt. Weil ihr die Zollbeamten drohten, die Flasche abzunehmen, trank sie die 700 Milliliter einfach aus. Denn das edle Tröpferl, das sie in den USA gekauft hatte, war ihr zu teuer, um es wegzugeben. Vom Alkohol beduselt rollte sie sich kurz darauf am Boden herum und brüllte. „Sie war so betrunken, dass sie nicht einmal aufstehen konnte“, erklärte ein Polizeibeamter. Statt bei ihr daheim ist die Chinesin in einem separaten Zimmer am Flughafen gelandet – um ihren Rausch auszuschlafen.

Derart wütend sind die Zollsünder hierzulande meistens nicht, wenn sie ertappt werden. „Die Reisenden versuchen sich herauszureden. Die häufigste Antwort, die wir zu hören bekommen, lautet, sie hätten nicht gewusst, dass die Einfuhr illegal sei“, berichtet Marosi.

Ob wissentlich oder nicht, das Gesetz macht keine Ausnahme. Wer zollpflichtige Gegenstände nicht meldet, macht sich zum Schmuggler. Die Strafe beläuft sich auf bis zu 200 Prozent der eigentlichen Abgaben. In besonders schweren Fällen kann es zu einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren kommen.

„Die Aufgriffe beim Zollamt werden mehr“, weiß Marosi. Grund dafür ist nicht, dass die Menschen immer skrupelloser werden, sondern schlichtweg, dass immer mehr reisen. „Bei den Flugpreisen, die wir heute haben, können sich mehr Menschen leisten, in die Ferne zu fliegen.“ Vor allem die Wiener Zollbeamten müssen ihre Augen offenhalten, denn: „Wir verzeichnen bei den Schmuggelfällen vermehrt die Wahl Wiens
als Ziel-Flughafen“, sagt Stefan Fleischhacker, Vorstand des Zollamtes Eisenstadt, Flughafen Wien.

Allein in Schwechat hat es heuer schon im ersten Halbjahr mehr als 1.700 Beschlagnahmungen gegeben, darunter eine Tonne Fleischprodukte, 1,7 Millionen Zigaretten und Schmuck im Wert von mehr als einer halben Million Euro. Bei Armbanduhren und Halsketten müssen die Zollbeamten besonders aufpassen. „Die werden so getragen, als sei es gebrauchter Schmuck“, weiß Gerhard Marosi.

Wobei sich die normalen Reisenden von den professionellen Schmugglern deutlich unterscheiden. Die Profis verwenden für ihre Schwarzmarkt-Ware seit jeher doppelte Kofferböden. Drogenschmuggler verstecken das Rauschgift häufig in ihren Körperöffnungen. Und von noch ungewöhnlicheren Verstecken kann Marosi berichten: „In Pralinenschachteln haben wir Bruteier gefunden. Und lebende, betäubte Vögel waren in Klopapierrollen versteckt.“

Die beschlagnahmte Ware wird weitergegeben. „Lebende Tiere kommen zu einer eigenen Grenzkontrollstelle und danach, wenn notwendig, in Quarantäne. Oft geben wir sie dann zur Betreuung an Tiergärten weiter“, sagt der Zollexperte.

Verderbliches wie Fleisch und Milchprodukte kommt in Gefriertruhen direkt am Flughafen und anschließend zur Müllverbrennung. Zigaretten und Alkoholika können reumütige Zollsünder um einen erhöhten Preis zurückkaufen. „Was verwertbar ist, geben wir an Auktionshäuser. Das versteigern wir. Der Rest wird vernichtet“, erklärt Marosi.

Elvan Yavuz verbringt jetzt noch eine Nacht in Wien, bevor es wieder nach Hause ins Ländle geht. Ein besonderes Souvenir hat sie für sich selber aus den USA mitgebracht, ein Tattoo über ihrem rechten Knie. „Es enthält die Koordinaten von Los Angeles“, erklärt sie. Mit den Zollbeamten bekam sie deswegen keine Probleme, aber was die Mutter dazu sagen wird? Elvan Yavuz lacht und gesteht: „Die weiß noch nichts davon.“ Groiss
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung