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Ausgabe Nr. 34/2019 vom 20.08.2019, Fotos: Gepa
Fit, fitter, Magdalena Lobnig. Die 69 Kilo geballte Muskelkraft verteilt auf 1,80 Meter Körpergröße der 29jährigen, nehmen am Wochenende bei der Ruder-Heim-WM in Ottensheim (OÖ) Gold in Angriff.
Startschuss zur Heim-WM für Ruder-Europameisterin Magdalena Lobnig
„Ohne Mittagsschläfchen würde ich es nicht schaffen“
Ihr Lungenvolumen ist beeindruckend, ihre 69 Kilo geballte Muskelkraft verteilt auf 1,80 Meter Körpergröße schüchtern die Konkurrenz ein. Damit will die Ruder-Europameisterin Magdalena Lobnig, 29, bei der am Sonntag in Ottensheim (OÖ) beginnenden Heim-WM das fehlende Gold erobern.
Ein Boot und zwei Ruder bestimmen ihr Leben. „Sie definieren, wann ich aufstehe, wann ich schlafen gehe und wie viel Energie ich noch für andere Aktivitäten habe“, verrät Magdalena Lobnig, 29, die oft um sechs Uhr vorm Frühstück schon die erste Ruder-Ergometer-Einheit einlegt. „Zu etwa fünf Stunden täglichem Basistraining kommen noch Laufen, Dehnen, Hanteltraining, Kraftkammer, Physiotherapie und anderes“, zählt die Kärntnerin ihr schweißtreibendes Tagespensum auf. Dementsprechend sind auch ihre Fitnesswerte gewaltig, wie überhaupt Ruderer als die fittesten Athleten unter den Sportlern gelten. Die 11,7 Liter Lungenvolumen des ehemaligen britischen Olympiasiegers Pete Reed waren die größte je gemessene Atemkapazität eines Sportlers. Doch auch Lobnig übertrifft in der Trainingshärte locker Tennisspieler, Sprinter oder gar Fußballer. „Ich muss jeden Tag nach dem Essen einen Mittagsschlaf einschieben, sonst würde ich die nächste Trainingseinheit nicht mehr schaffen“, gibt sie zu.

Doch die Mühe macht sich bezahlt, die 29jährige krönte sich vor drei Jahren in Brandenburg (D) zur Europameisterin im Einer und gewann schon fünf Medaillen bei EM und WM. „Nur WM-Gold und eine
Olympiamedaille fehlen mir in meiner Sammlung“, erklärt sie und will dieses Manko bei der Heim-WM in
Ottensheim (OÖ) ab Sonntag, 25.8., wettmachen. „Ich habe das oberste Stockerl im Visier, doch jeder Platz unter den ersten Neun wäre meine Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele in Tokio 2020“, weiß Lobnig, die in Völkermarkt (K) aufwuchs. Sie sah schon als Kind nur ein paar Meter entfernt die Ruderer am Stausee vorbei-
flitzen. Daher landeten sie und ihre Schwester Katharina, 30, schnell im lokalen Ruderklub, stets unterstützt von ihrer Mutter Gerda, die im elterlichen Autohaus arbeitet.

„Magdalena war immer schon besonders ehrgeizig, wenn zwei Stunden als Trainingseinheit am Programm standen, zog sie die auch eisern durch“, erinnert sich Katharina Lobnig, die inzwischen ihre Ruderkarriere zurückgeschraubt hat und Vollzeit arbeitet. Doch für die WM ließ sie sich zu einem Start im Doppel-Zweier mit der Schwester überreden. Eine Heim-WM gibt es schließlich nur alle paar Jahrzehnte.

„Allerdings, wenn wir beide in einem Boot trainieren, gibt es spätestens nach 200 Metern den ersten Streit“, lacht die Schwester mit einem Augenzwinkern. „Angeblich hört man das bis in den Ort hinauf.“

Wenn aber die Stoppuhr erst einmal läuft, rudern die Schwestern synchron wie ein Uhrwerk. Magdalena Lobnig sieht sich ohnehin nicht als einsamen Wolf, der nur alleine im Boot sitzen will. „Früher bin ich oft im Vierer und Achter gefahren und es war herrlich. Doch leider gibt es nur wenige Partner auf meinem Niveau, mit denen ich fahren kann.“ Und noch weniger haben den eisernen Willen und die hohe Schmerzschwelle der Europameisterin. „Bei jedem Ruderer kommt irgendwann im Rennen der Totpunkt, wo der Körper einfach nicht mehr will. Da besteht die Kunst darin, fast meditativ drüber hinwegzugehen, einfach nur zu funktionieren und nur ja nicht nachzudenken. Fängst du erst zu überlegen an, hat dich die Krise schon fest im Würgegriff.“

Wäre ihr Sport nicht zeitlich so fordernd, hätte die alleinstehende Lobnig schon jede Menge andere private Interessen, denen sie gerne nachgehen würde. „Ich koche und backe gerne, am liebsten Torten, Obstkuchen oder Bananenbrot. Aber niemals nach Kochbuch“, lacht sie. Derzeit absolviert die Ruderin, die früher auch täglich zum Reiten ging, zusätzlich ein Fernstudium für Sportmanagement, um für die Zeit nach dem aktiven Sport gerüstet zu sein. Außerdem ist Lobnig äußerst heimatverbunden und verbringt am liebsten Zeit im schönen Kärnten. „Mein Eltern waren Bauernkinder aus der Region und auch ich liebe die Berge, Seen und Wälder hier.“ Nur eines mag sie weniger an der Heimat, den vielen Nebel. „Durch den Stausee haben wir hier in Völkermarkt leider viel zu viel davon. Im Herbst und manchmal sogar schon im Spätsommer hängt der Nebel oft bis zwei Uhr in der Stadt und verbreitet eine triste Stimmung.“ Kreuziger
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