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Ausgabe Nr. 33/2019 vom 12.08.2019, Foto: Universal Music
Gitarrenvirtuose Mark Knopfler blickt zum 70. Geburtstag zurück.
Ein verträumter älterer Herr
Der britische Sänger und Gitarrenvirtuose Mark Knopfler untertreibt gerne. Dabei haben sich seine Musikalben mit der Gruppe „Dire Straits“ ebenso wie seine Solo-Alben millionenfach verkauft. Selbst ein Dinosaurier wurde nach ihm benannt. Privat lebt der vierfache Vater heute mit seiner dritten Frau in London (GB), wo er sich gerne in seine „British Grove Studios“ zurückzieht. Mit der Musik will er auch mit 70 nicht aufhören.
Eigentlich bin ich ein verträumter älterer Herr“, sagt Mark Knopfler, „und schrecklich langsam, mich überholen am Gehsteig sogar alte Damen und Mädchen auf dem Weg zur Schule. Zudem bin ich äußerst ungeschickt. Es kann sogar zu einem Problem werden, wenn ich ein Hemd zuknöpfen muss“, lacht er.

Das mag für seine Bewunderer nur schwer vorstellbar sein, entlocken doch die gleichen Finger, die sich beim Hemdzuknöpfen ungeschickt anstellen, der Gitarre Klänge, wie sie kaum ein anderer Künstler hervorbringen kann.

Bis heute hat der Gitarrenvirtuose rund 120 Millionen Alben verkauft. Als Sänger und Gitarrist der Gruppe „Dire Straits“ schuf er ab Ende der 70er Jahre zahlreiche Rock-Klassiker. Auch seine heutigen Solo-Auftritte sind ein Garant für ausverkaufte Hallen und Stadien.

Doch bis dahin war es für den in Schottland geborenen Sohn eines Einwanderers ein langer Weg. Der Barde erblickte das Licht der Welt als Mark Freud Knopfler am 12. August 1949 in Glasgow. Sein ungarisch-jüdischer Vater war Architekt, der aufgrund seiner Sympathien für die Kommunisten 1939 aus dem faschistischen Ungarn fliehen musste. Knopflers englische Mutter Louisa Mary war Lehrerin. Sie kam aus Newcastle, wo die Familie mit dem siebenjährigen Mark und seinem drei Jahre jüngeren Bruder David wohnte. „Wir lebten in wirklich bescheidenen Verhältnissen, das habe ich nie vergessen“, sagt Knopfler.

Sein Onkel Kingsley entfachte bei dem jungen Burschen die Faszination für Musik. „Er spielte am Klavier Boogie-Woogie und hatte sichtlich Spaß an der Musik. Ich habe ihm zugehört und wollte dasselbe machen.“ Allerdings begeisterte sich Knopfler mehr für Gitarren, vor allem die elektrischen hatten es ihm angetan. Mit 13 Jahren bekam er von seinem Vater seine erste E-Gitarre geschenkt. „Sie kostete rund 50 Euro, das war viel Geld. Weil ich aber keinen Verstärker bekam, schloss ich die Gitarre an unser Radio an, das eine zu geringe Leistung hatte, daher jagte
ich das Ding in die Luft“, lacht der Musiker, der heute eine Gitarrensammlung von 130 Stück sein Eigen
nennt. Seinen bekannten „Fingerpicking“-Stil ohne Blättchen hat Knopfler, der Linkshänder ist, aber die Gitarre wie ein Rechtshänder spielt, auf einer Feier erstmals angewendet, als er statt mit einer E-Gitarre auf einer Akustikgitarre mit dünnen Saiten spielte, und sie lauter klingen sollte.

Nach der Schulzeit arbeitete er als Gerichtsreporter für die Zeitung „Yorkshire Evening Post“. Zusammen mit gelegentlichen Musikauftritten konnte er sich damit sein Journalistikstudium an der Universität von Leeds finanzieren, das er 1973 abschloss. Eine Zeitlang arbeitete er auch als Englisch-Lehrer.

Im Jahr 1977 stieg Knopfler als Gitarrist in die von seinem Bruder David gegründete Band „Dire Straits“ ein. „Der Name der Gruppe bedeutet nichts anderes als ‚ernste Notlage‘ und bezog sich auf unsere schwierige finanzielle Situation“, erzählt der Künstler, dessen Geldsorgen bald aus der Welt waren. Denn schon ein Jahr später erschien „Dire Straits“, das erste Musikalbum der Gruppe, dessen Lied „Sultans of Swing“ weltweit die Hitparaden stürmte. Auch spätere Lieder wie „Brothers in Arms“ (1985) und „Money for Nothing“ (1985) erlangten Kultstatus.

„Eine Weile war es mit den ‚Dire Straits‘ ganz wunderbar. Dann wurde mir dieser Traum zu groß“, sagt Knopfler. Der Erfolg als Musiker kostete ihn auch die Ehe mit seiner Jugendliebe Kathy White. „Ich hatte zu viele Auftritte, war zu lange auf Tournee“, blickt Knopfler zurück. Er ging eine Affäre mit der amerikanischen Sängerin Holly Beth Vincent, 63, ein, nach deren Ende er den „Dire Straits“-Klassiker „Romeo and Juliet“ (1980) schrieb.

Im Jahr 1983 veröffentlichte er mit der Filmmusik zu „Local Hero“ sein erstes Solo-Album und heiratete zum zweiten Mal. Die Ehe mit Lourdes Salomon hielt zehn Jahre, ihr entstammen die beiden Zwillingssöhne Benji und Joseph, 32. Nachdem Anfang der Neunziger Jahre das letzte Album der „Dire Straits“ erschien, konzentrierte er sich auf seine Solo-Musikprojekte, die ihm „den Spaß an der Musik zurückbrachten“.

Weniger Freude hatte er an einem Motorradunfall, der den leidenschaftlichen Zweirad-Fahrer wochenlang
ans Bett fesselte. „Heute fahre ich meinem Alter angemessen“, schmunzelt der Künstler, der im Jahr 2001 zu ungewöhnlichen Ehren kam. Als Paläontologen bei Ausgrabungen auf Madagaskar, während sie Knopflers Musik hörten, eine neue Dinosaurierart entdeckten, wurde sie kurzerhand nach dem Sänger benannt. Ein knapp zwei Meter langer Raubsaurier, der vor rund 70 Millionen Jahren lebte, trägt nun den klingenden Namen „Masiakasaurus knopfleri“.

Sein eigenes Alter sieht Knopfler anlässlich seines 70. Geburtstages gelassen. „Ich bin nicht nostalgisch und verkläre die Vergangenheit nicht, sondern sehe sie realistisch.“

Privat gilt er als scheuer Zeitgenosse, der nicht oft Interviews gibt. „Ich war immer um Unauffälligkeit bemüht. Es dauerte lange, bis ich mich an den Ruhm gewöhnte“, sagt Knopfler, der sich gerne in seine „British Grove Studios“ zurückzieht. „Die Musik kann ich einfach nicht lassen, aber Tourneen werden mir langsam zu anstrengend“, gesteht der Musiker, der erst heuer in der Wiener Stadthalle gastierte. Knopfler lebt mit seiner dritten Frau, der Schauspielerin Kitty Aldridge, 57, sowie den beiden gemeinsamen Töchtern, Katya Ruby Rose, 15, und Isabella, 21, im Londoner Stadtteil Notting Hill. rb
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