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Ausgabe Nr. 33/2019 vom 12.08.2019, Fotos: Hoermandinger, Wolfgang Spitzbart
Franz Joseph fährt mit der Bahn nach Bad Ischl (OÖ).
Unterwegs mit dem Kaiser

15. August: Mit dem Kaiserzug von Attnang-Puchheim nach Bad Ischl und zurück, 42 Euro p. Erwachsenem, 21 Euro p. Kind.

15. September: 130-Jahr-Jubiläum der Steyrtalbahn, Fahrt von Steyr nach Grünburg und zurück, 16 Euro p. Erwachsenem, 8 Euro p. Kind

Fahrkarten und Informationen unter Tel.: 0664/5087 664 oder www.oegeg.at
Jö schau, da Kaiser
Rund um den Geburtstag von Franz Joseph am 18. August liegt Bad Ischl (OÖ) im Kaiserfieber. Einer der Höhepunkte ist die Ankunft des Kaiserzuges, dem der Monarch höchstpersönlich beiwohnen wird. Der „Verein Kaiserzug“ lässt vergangene Zeiten wieder lebendig werden.
Am 15. August flaniert ein Doppelgänger des Kaisers durch Bad Ischl (OÖ). Manche würden meinen, es sei der Kaiser selbst, weil er ihm so ähnlich sieht. Dabei handelt es sich um Gérard Nicolas Fritz, der in die Uniform des Monarchen schlüpft. Der 65jährige ist der Präsident des Vereins „Kaiserzug“.

Gemeinsam mit dem Obmann Karl Reitter, 70, bringt er in Zusammenarbeit mit der „Österreichischen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte“ den Kaiserzug auf Schiene. Am 15. August steigt Fritz als Kaiser Franz Joseph samt Hofstaat in Attnang-Puchheim (OÖ) in den Zug. Das Ziel ist Bad Ischl, wo an diesem Tag das Kaiserfest abgehalten wird.

Zum vierten Mal wird aus Fritz der „Franzl“. Er achtet dabei nicht nur auf das Äußere, sondern versucht auch, den Kaiser zu imitieren. „Ich habe mich intensiv mit der Person des Kaisers beschäftigt. Ein Bart und ein Federbusch machen noch keinen Kaiser. Ich versuche, so authentisch wie möglich zu sein“, erklärt Fritz, ein gebürtiger Luxemburger.

Er geht sogar leicht vorgebückt wie einst der Monarch. „Ich mache das unbewusst. Meine Frau meint, dass ich mit dieser Haltung übertreibe“, schmunzelt Fritz. Seine Frau Françoise schlüpft ebenfalls in historisches Gewand. „Sie spielt Maria Theresa von Braganza, die mit Erzherzog Karl Ludwig verheiratet war. Nach dem Tod des Kronprinzen Rudolf nahm sie oft die Stelle der Ersten Dame des Reiches ein, wenn sich Kaiserin Elisabeth auf Reisen befand“, erzählt der Vereinspräsident.

Der Kaiser und sein Gefolge werden um 9.15 Uhr am Bahnsteig in Attnang-Puchheim eintreffen. Die Eisenbahner Stadtmusikkapelle eskortiert ihn zum Zug, während er von den Passagieren bereits erwartet wird. „Die Menschen haben Ehrfurcht vor dem Kaiser. Viele wollen Fotos von mir machen, trauen sich aber nicht. Ich muss auf die Menschen zugehen“, erzählt Fritz.

Um 9.48 Uhr wird zur Abfahrt gepfiffen. Die festlich geschmückte Dampflok „G 10“ setzt sich in Bewegung. In Gmunden gibt es den ersten Halt, ehe es am Ufer des Traunsees weiter nach Traunkirchen geht. „Hier wird die Dampflok abgestellt, für die Bahnstrecke nach Ebensee bringt sie zu viel Gewicht auf die Waage. Die Weiterfahrt erfolgt mit der nostalgischen E-Lok 1245“, informiert Karl Reitter.

Der Vereinsobmann tritt als Zentralsinspektor in Erscheinung. „Das war der höchste Bahnbeamte der Monarchie“, erzählt der Oberösterreicher. Reitter sitzt gemeinsam mit dem Kaiser im Salonwagen. Die Passagiere nehmen in einem der anderen Waggons Platz. „Die Fahrt können 385 Passagiere mitmachen. Die Gäste sind willkommen, sich in historische Gewänder oder in Tracht zu kleiden“, ermuntert Reitter.

Die Kostüme der Vereinsmitglieder werden von vielen bewundert. „Wir haben sie nach Schneiderplänen aus dem Jahr 1891 fertigen lassen. Sie wurden von uns selbst bezahlt“, erzählt Reitter.

Die Uniformen sind zwar nachgemacht, des Kaisers Bart ist aber echt. „Die Besucher dürfen daran ziehen, um sich zu überzeugen“, scherzt der Kaiser-Darsteller.

In Bad Ischl angekommen, schießen die Bad Ischler Prangerschützen Salut. In Ischl hatte Franz Joseph seine Sommerresidenz. Hier verlobte er sich mit Sisi. Das Paar erhielt als Hochzeitsgeschenk eine Sommervilla, die spätere Kaiservilla.

Obwohl der Kaiser längst nicht mehr unter uns weilt, ist die Begeisterung ungebrochen, wenn Fritz als Ebenbild des Kaisers in Erscheinung tritt. „Tausende Menschen warten auf die Ankuft des Kaisers“, erzählt Reitter. Der Monarch wird nach seiner Ankunft mit einem Festumzug durch die Stadt zum Kurpark ziehen. Dort wird die Kaiserhymne angestimmt. Die Eisenbahner Stadtkapelle spielt um 13 Uhr ein einstündiges Konzert. Danach wird das Kaiserfest eröffnet.

Besuche wie diese quittierte der Kaiser gerne mit dem Spruch, „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut.“ Er hat einen traurigen Hintergrund. „Als die Wiener Staatsoper gebaut wurde, hat der Kaiser das Gebäude abscheulich gefunden. Kurz darauf hat sich einer der Architekten umgebracht. Der Kaiser hat daraufhin beschlossen, dass er sich in Zukunft weder positiv noch negativ zu etwas äußern werde“, erklärt Fritz, der am 15. September zu einem weiteren Ausflug lädt.

Dann wird der Hofstaat auf der Steyrtalbahn unterwegs sein. „Der Zug und die Gleise sind noch aus der Monarchie. Die Bahn feiert in diesem Jahr ihr 130-Jahr-Jubiläum“, sagt Reitter. widlak
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