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Ausgabe Nr. 32/2019 vom 06.08.2019, Foto: AdobeStock
Immer mehr Menschen entscheiden sich für ein Klimagerät für zuhause.
Kühlung, die täuscht
Steigende Temperaturen führen dazu, dass immer mehr Klimageräte gekauft werden. Doch die tragen dazu bei, dass es noch heißer wird – und der immense Stromverbrauch kurbelt den Klimawandel zusätzlich an.
Wer aufmerksam durch die Straßen in Großstädten streift, dem stechen allerorts weiße oder graue Kästen ins Auge, die an den Außenmauern der Häuser montiert sind. Nachts, wenn der Verkehrslärm zurückgeht, sind auch die Geräusche zu hören, die von diesen Kästen ausgehen: Ein Brummen und Surren liegt in der Luft. Äußerst auffällig ist das in amerikanischen Großstädten. Für Amerikaner ist es normal, in einem klimatisierten Haus zu wohnen, 87 Prozent aller Haushalte in den USA besitzen ein Klimagerät. Doch auch andere Länder holen auf. Weltweit nimmt aufgrund der steigenden Temperaturen der Bedarf an Klimaanlagen zu – auch in Wien.

Die große Zahl an Hitzetagen lässt vor allem Stadtbewohner verzweifeln. Wien gehört laut einer neuen Studie zu den Städten Europas, die am meisten von der Klimaerwärmung betroffen sind. „Der Sommer 2019 liegt hierzulande derzeit um rund drei Grad über dem langjährigen Mittel“, sagt der Meteorologe Marcus Wadsak. In Wien hat es bereits 23 Hitzetage gegeben, mit mehr als 30 Grad. Durch die Verbauung wärmt sich die Luft in Städten stärker auf als im Grünen, und in der Nacht kühlt es weniger ab. Auch in den Wohnungen kann es unerträglich warm werden.

Kein Wunder also, dass sich immer mehr Menschen für ein Klimagerät für zuhause entscheiden. 25 Prozent mehr mobile Klimageräte wurden in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr verkauft. Das waren innerhalb von drei
Monaten rund 85.000 Stück, davon in Wien rund 30.000. Bereits Mitte Juli waren bundesweit alle Geräte ausverkauft. „Besonders nach Tropennächten mit mehr als 20 Grad steigt die Anfrage“, weiß Wolfgang Krejcik, Sprecher des Elektrohandels in der Wirtschaftskammer.

Die sogenannten Monoblöcke werden einfach an der Steckdose angeschlossen und können leicht transportiert werden. Sie leiten die warme Innenluft über einen Luftschlauch durch das geöffnete Fenster nach außen und blasen kühle Luft in die Wohnung. Damit nicht unnötig viel
Außenluft nach innen gelangen kann, sollte der durch den Schlauch verursachte Spalt gut abgedichtet werden.

Kühlung mit Nebenwirkungen

Eingebaute Klimaanlagen, sogenannte Splitgeräte, müssen dagegen von einem Handwerker installiert werden. Sie bestehen aus zwei Teilen, von denen sich einer in der Wohnung und ein zweiter außerhalb befindet. Über das Innengerät saugt das Splitgerät feucht-warme Raumluft ein und kühlt sie mittels eines Verdampfers ab; die warme Luft wird nach draußen geleitet. Diese Klimaanlagen sind weitaus wirkungsvoller als die mobilen Geräte, sie kühlen Räume schneller und verbrauchen weniger Strom. Allerdings kosten sie auch mehr als Monoblöcke. In Mietwohnungen muss zuerst die Genehmigung für den Einbau eines Splitgerätes geholt werden, da es sich dabei „um eine wesentliche Veränderung des Mietgegenstandes“ handelt. „Auf alle Fälle müssen die beabsichtigten Arbeiten dem Vermieter schriftlich – am besten per eingeschriebenem Brief – angezeigt werden. Dies muss möglichst exakt mit Plänen und Kostenvoranschlägen erfolgen“, erklärt ein Sprecher der Mietervereinigung. Für das Anbringen des Außengerätes ist meist eine Baubewilligung nötig.

Leider haben Klimaanlagen einige unangenehme Nebenwirkungen. Zum einen heizt die abgepumpte und nach außen geleitete Wärme die Außentemperaturen zusätzlich an, bis zu einem Grad. Das heißt, drinnen wird es zwar kühler, aber draußen noch wärmer. Zudem verbrauchen Klimageräte viel Energie. Der steigende Stromverbrauch kurbelt, soferne er nicht aus erneuerbaren Energien wie Solarpanelen kommt, den Klimawandel an – ein Teufelskreis.

Zudem benötigen Kühlgeräte wie Klimaanlagen und Kühlschränke Fluorkohlenwasserstoffe (FKW), die das Klima zusätzlich schädigen. „Zwar sind die Mengen
im Vergleich zu den weltweiten CO2-Emissionen gering, aber dafür ist das Gas bis zu 23.000 Mal klimaschädlicher als Kohlendioxid. Schon Mitte des Jahrhunderts könnten FKW für zwölf Prozent der globalen Erwärmung verantwortlich sein“, schätzen Experten.

Stromverbrauch steigt

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat errechnet, „dass weltweit für Ventilatoren und Kühlanlagen bereits rund ein Zehntel des Stroms verbraucht wird. Bis zum Jahr 2050 könnte sich die Menge weltweit verdreifachen, da nicht nur in europäischen Ländern, sondern auch in Schwellenländern wie China und Indien der Bedarf steigt.“ Die IEA rechnet bis dahin mit 5,6 Milliarden Klimageräten in Häusern weltweit.

Einen schlechten Ruf haben Klimaanlagen auch wegen der Gesundheitsbelastungen. Bei nicht korrekter Wartung besteht die Gefahr, dass sich Bakterien und Schimmelpilze einnisten, die Allergien oder Atemwegserkrankungen hervorrufen können. „Die Klimaanlage sollte auch nicht zu kalt eingestellt sein, um Erkältungen zu vermeiden, der Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen sollte nicht mehr als sechs Grad betragen“, raten Ärzte.

Ein weiterer Nachteil von Klimaanlagen ist der Lärm. Sie erzeugen ein brummendes Geräusch, das Nachbarn stören könnte.

Fest steht, ohne Kühlung können wir nicht überleben, Lebensmittel oder Medikamente etwa müssen gekühlt werden. Doch für die Wohnung gibt es Alternativen. Tagsüber alle Fenster zu schließen und die Wohnung zu verdunkeln, hält die Hitze ab; Außenjalousien oder Rollläden sind wirksamer als Innenjalousien. Ventilatoren verbrauchen weit weniger Strom als Klimaanlagen, helfen können auch in kaltes Wasser getauchte Tücher, die aufgehängt werden.

Da in Städten die Hitze am größten ist, wird verstärkt über städtebauliche Maßnahmen diskutiert. Nicht nur die Begrünung von Hausdächern und Fassaden. Gegensteuern lässt sich auch durch mehr Grünflächen und Bäume oder Sprühnebelduschen, wie sie in Wien zu sehen sind.
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