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Ausgabe Nr. 32/2019 vom 06.08.2019, Fotos: picturedesk.com, Gepa
Márquez‘ Liebe gilt einzig seinem Motorrad.
„Márquez hat die Fahrtechnik revolutioniert“
Seit sieben Jahren fährt das spanische Motorrad-Wunderkind Marc Márquez, 26, die Konkurrenz in Grund und Boden, räumte in der MotoGP-Königsklasse fünf WM-Titel ab und steuert heuer unangefochten auf den sechsten zu. Mike Leitner, 57, Teammanager des KTM-Teams, kennt Márquez seit Jahren. Vor dem MotoGP-Startschuss in Spielberg (Stmk.) am kommenden Sonntag nennt er fünf Gründe, warum der Spanier heuer mehr denn je allen enteilt.
Ein genialer „Messi“ auf dem Feuerstuhl

Für den gebürtigen Oberösterreicher Mike Leitner, 57, ist Marc Márquez ein Jahrhunderttalent, geradezu ein Außerirdischer auf dem Motorrad. „Es gibt weltweit viele gute Sportler, aber eben nur einen Messi, einen Ronaldo oder einen Marcel Hirscher“, glaubt er. Für den Manager des KTM-MotoGP-Teams gehören der 26jährige Spanier, dessen unfassbaren Instinkte, sein konkurrenzloses Gespür für Schwerkraft und auch seine zuletzt demonstrierte Rekordschräglage von 66 Grad auf dem Sachsenring (D) in dieselbe Kategorie von Superhelden.

„Marc hat Qualitäten, die angeboren und einzigartig sind“, urteilt Leitner. „Wenn er sich nicht verletzt und die Motivation beibehält, kann es sein, dass er noch lange an der Spitze den Ton angeben wird.“

Revolutionäre neue Haltung am Motorrad

So wie einst Karl Schranz die „Schranz-Hocke“ erfand, veränderte auch der Seriensieger in den vergangenen Jahren die Fahrtechnik von Grund auf. „Márquez hat das Können in der MotoGP auf ein neues Niveau gehoben und revolutioniert, indem er sich selbst mehr auf dem Motorrad bewegt als frühere Champions“, betont Leitner. „Lange Zeit sind die Fahrer in den Kurven vor allem seitlich auf dem Motorrad gehangen. Dann kam Marc und etablierte seinen neuen Stil, bei dem er sich am Kurveneingang mit dem Oberkörper weit über das Vorderrad streckt und dabei seinen Kopf seitlich an der Verkleidung hält.“ Ein Stil, der nicht nur erfolgreich war, sondern auch Nachahmer fand. „Pol Espargaró fährt heute ebenso auf diese Weise wie etwa Jack Miller.“

Eine stark verbesserte Honda unter sich

So viel geniales Talent Leitner dem spanischen Himmelsstürmer auch bescheinigt, so sehr weiß er auch, dass dessen Motorrad, die Honda RC213V heuer einen guten Anteil am Erfolg hat. Auch wenn andere Fahrer dieses Herstellers damit weniger gut zurechtkommen. „Bisher hatte Marc immer wieder mit einem Temponachteil gegenüber der Ducati zu kämpfen, sodass er mit riskanteren Bremsmanövern und besseren Kurven seine Rennen gewinnen musste“, verrät der Techniker Leitner. Heuer ist Márquez‘ Honda durch einen neuen und mit mehr PS ausgestatteten Motor bei der Geschwindigkeit auf der Geraden so stark verbessert, dass der Fünffach-Weltmeister variantenreicher fahren kann und in den Kurven nicht mehr ans Limit muss.

Sicherheitsdenker statt Sturzpilot

Lange Zeit galt Márquez als der typische Hochrisikofahrer, der viel mehr an die Grenzen ging als andere. „Er war sozusagen der erklärte Sturzkönig der MotoGP und ist öfter im Staub gelegen als alle anderen“, erinnert sich Mike Leitner noch an Márquez‘ Rekordzahl von 27 Stürzen im Jahr 2017, ein Jahr später waren es immer noch 23. Mittlerweile hat sich das geändert, der Spanier nimmt heuer bewusst viel Risiko heraus und hält nun bei sechs Stürzen, so wenig wie noch nie. „Außerdem hat er seine Technik zur Perfektion gebracht“, erklärt Leitner. „Er liegt verglichen mit der Konkurrenz schräger in der Kurve, sodass er mit dem Knie am Boden streift, sich damit auch stützen kann und mitunter deswegen gar nicht mehr fällt.“

Selbst die Liebe lenkt ihn nicht ab

Während Fahrer wie Valentino Rossi alle paar Monate mit einer neuen Schönheit im Scheinwerferlicht der Kameras auftauchen, gibt es keine Frauen im Leben von Márquez. Er veröffentlicht höchstens Bilder mit seinem Hund. „Marc hat sich nie von Beziehungen ablenken lassen und das Private immer kleingehalten“, weiß Leitner, dass die Liebe des Spaniers alleine seinem Motorrad gilt. Auch das prachtvolle Promi-Leben kann ihn nicht beeindrucken. „Seine Persönlichkeit ist unverändert. Er ist nett, höflich, geradlinig und kommt mit jedem gut ins Gespräch“, weiß Leitner. Wolfgang Kreuziger
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