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Ausgabe Nr. 32/2019 vom 06.08.2019, Foto: duty
Dr. Alexandra Pokorny-Olsen zeigt Edith Jindra die 3D-Modelle ihrer Schulter.
„Meine neue Schulter ist mir auf den Leib geschneidert“
Ein neues Schultergelenk einzusetzen ist ein gefürchteter Eingriff. Von Komplikationen nach der Operation ist immer wieder zu hören. Das muss nicht sein, sagt die Schulterspezialistin Dr. Alexandra Pokorny-Olsen vom Orthopädischen Spital Speising in Wien. Sie verrät, wie Patienten mit Hilfe der 3D-Technik ein passgenaues Schultergelenk bekommen und beschwerdefrei werden.
Ich kann‘s noch immer nicht glauben. Ich habe keine Schmerzen mehr“, sagt Edith Jindra erfreut und führt, unterstützt von Dr. Alexandra Pokorny-Olsen, im Untersuchungszimmer raumgreifende Arm- und Schulterübungen aus. Sie streckt die Arme vor den Körper, führt sie nach oben, über die Ohren und dreht sie zur Seite. „Dabei ist meine Operation nur zehn Wochen her, und mein Reha-Aufenthalt kommt erst“, verrät sie lächelnd. Dr. Pokorny nickt zufrieden.

Die 77jährige aktive Pensionistin aus Hollabrunn (NÖ) litt sieben Jahre unter Schmerzen in der rechten, stark abgenützten Schulter. Am Ende war jeder Handgriff eine Qual. Heute kann sie wieder viele Armbewegungen und Handgriffe schmerzfrei ausführen, dank der modernsten unter den Schulteroperationsmethoden, der „maßgeschneiderten“ Schulter.

Was seit Längerem für künstliche Knie- und Hüftgelenke gilt, wird zunehmend bei Schulterprothesen zum Thema. „Wir sprechen von der individuell, an die körperlichen Gegebenheiten des Patienten angepassten Schulterprothese“, präzisiert Oberärztin Dr. Alexandra Pokorny-Olsen (www.schulterdoktor.at, Tel.: 0676/3541319), Spezialteamleiterin der Schulterchirurgie im Orthopädischen Spital Speising in Wien (www.oss.at).

OP-Planung am Computer

Erreicht wird dieses Ziel durch den Einsatz der neuesten Methode bei der Planung und dem darauf-folgenden voroperativen Maßschneidern, der 3D-Technologie. „Bekommt ein Patient eine neue Schulter, werden zuerst Computertomographie-Aufnahmen des betroffenen Gelenkes gemacht. Daraus erstellt ein Computerprogramm ein dreidimensionales Bild. Der Chirurg kann sich damit schon am Bildschirm genauestens auf die Operation vorbereiten. Er sieht vorab die spezifischen anatomischen Gegebenheiten des Patienten und erkennt die optimale Größe und Position der benötigten Prothesenteile. Mittels dreidimensionalem Drucker werden maßstabsgetreue Modelle des erkrankten Schultergelenkes gefertigt. Mit ihnen in den Händen ermittelt der Chirurg schon vor dem Eingriff, an welchen Stellen er schneiden, bohren und fixieren muss, damit die künstliche Schulter später perfekt sitzt. Dazu werden individuell an die Schulter der Patienten angepasste Operationsinstrumente wie Bohr- und Schnitthilfen im 3D-Drucker gefertigt. Der Operationsvorgang wird auf die Anatomie des Patienten maßgeschneidert.“

Millimetergenau arbeiten

Eine Schulter „von der Stange“ gibt es für Patienten wie Frau Jindra im Orthopädischen Spital Speising nicht mehr. „Wir wissen, dass zum Beispiel vier von zehn Patienten keine Standard-Gelenkspfanne in ihrer Schulter haben. Bei Frau Jindra war sie schräg nach hinten geneigt. Hätte sie eine Schulter ‚von der Stange‘ bekommen, ohne exakte Anpassung an ihre Knochenstruktur, wäre sie Gefahr gelaufen, sich die Schulter bei einer falschen Bewegung auszurenken.“ Ähnlich problematisch sind neue Schultergelenke, die nur wenige Millimeter an der falschen Stelle fixiert werden. Für den Patienten bedeutet das einen spürbar kleineren Bewegungsradius. „Dieses Problem sowie Schmerzen, das Auskugeln des neuen Gelenkes und Fehlpositionen sind bekannte postoperative Beschwerden, wenn die Anatomie des Patienten nicht berücksichtigt wird. Mit Hilfe der 3D-Technik sind derartige Ungenauigkeiten zu verhindern, und das im Vorfeld. Wir können auf die Besonderheiten jeder Schulter im Detail Rücksicht nehmen und am 3D-Modell die Knochenstruktur und den Knochenzustand des Patienten erkennen“, sagt Dr. Pokorny-Olsen.

„Meine neue Wunder-Schulter“

Eine Stunde Operationszeit trennte Edith Jindra von ihrem „neuen“ Leben. „Seit dem ersten Tag nach der Operation habe ich keine Schmerzen“, verrät sie und versichert, die empfohlene Heilgymnastik regelmäßig zu üben. „Heute kann ich wieder Wäsche waschen, meinen Haushalt führen. Ich kann ja nicht still sitzen“, sagt die Frohnatur mit einem verschmitzten Lächeln.

Eine Schlinge zur Unterstützung des Armes trägt sie nicht mehr. Sie war nur in den ersten beiden Wochen notwendig. Drei Monate nach der Operation wird die Einheilungsphase abgeschlossen sein. Dann darf Frau Jindra alle Armbewegungen, auch schwierige wie die Arme hinter den Rücken strecken, durchführen. „Ich freue mich unglaublich darauf. Für mich ist das neue künstliche Gelenk meine neue ‚Wunder-Schulter‘.“

Terminvereinbarung/Ambulanz im Orthopädischen Spital Speising, www.oss.at/termin oder
Tel.: 01/80182-1240
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