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Ausgabe Nr. 31/2019 vom 30.07.2019, Foto: Shutterstock
Erstaunliche neue Erkenntnisse aus der Medizin
Zu wenig Salz schadet dem Herzen
Um gesund zu bleiben, bekommen wir im Laufe unseres Lebens viele Gesundheitstipps. Nicht immer sind sie der Weisheit letzter Schluss. Was gestern als richtig galt, kann heute überholt sein. Viele neue Erkenntnisse aus Studien überraschen Ärzte und Patienten gleichermaßen. Ein paar „Kostproben“ stellen wir vor.
Tu dies, vermeide jenes. Wenn es um die Gesundheit geht, bekommen wir viele (ärztliche) Ratschläge zu hören. In der Medizin ist aber, wie in anderen Bereichen des Lebens, nichts in Stein gemeißelt. Neue Studien zeigen, vieles ist nicht wie gedacht. Das bringt gängige Denkmodelle ins Wanken, wie fünf Beispiele zeigen.

„Videospielende Kinder und Jugendliche sind dicker“

Videospielen begünstigt Übergewicht bei Kindern und jungen Menschen. So lautet die gängige Meinung. Forscher aus Würzburg (D) und Linz (OÖ) sehen das anders.
Erwachsene, die Computer- oder Videospielen nachgehen, sind dicker als Nichtspieler, der Effekt ist aber gering. Bei Kindern und Jugendlichen fanden die Forscher hier keinen Zusammenhang. Aktive Spiele mit größeren Bewegungen, etwa Bowling oder Tanzen, können sogar Übergewicht vorbeugen. Laut einer Übersichtsanalyse aus dem Jahr 2015 können sie für die Gesundheit von jungen Menschen genauso förderlich sein wie Bewegung im Freien. Warum Videospielen bei Erwachsenen mit einem leicht erhöhten Gewicht einhergeht, aber nicht bei Heranwachsenden, wissen die Forscher nicht.

„Nach einer Darmoperation ist Kräutertee besser als Kaffee“

Zum gegenteiligen Schluss kommt eine Studie von Ärzten des Kantonsspitals Baden in der Schweiz. Kaffee ist besser für den Darm als Kräutertee. „Nach einer Operation ist der Darm quasi gelähmt und braucht Zeit, bis er wieder normal funktioniert. Wir haben festgestellt, der Darm funktioniert rascher wieder, wenn Patienten nach dem Eingriff Kaffee statt Tee oder Wasser trinken“, erklärt Dr. Antonio Nocito. Zudem konnten die Patienten das Spital einen Tag früher verlassen. Für ihre Studie teilte das Team um Dr. Nocito 115 Patienten zufällig in eine Kaffee- und eine Tee-Gruppe ein. Nach Kaffeekonsum hatte ein deutlich größerer Anteil innerhalb von 24 Stunden nach der OP wieder Stuhlgang. „Der Kaffee wirkt verdauungsfördernd, denn er regt das wellenförmige Sich-Zusammenziehen der Darmmuskulatur an“, weiß Dr. Nocito.

„Sport kann eine beginnende Demenz aufhalten“

Ja, sportliches Training gesunder Menschen nützt auch der geistigen Fitness. Doch das Fortschreiten einer eingetretenen Demenz lässt sich durch körperliche Aktivität offenbar nicht verlangsamen, wie britische Mediziner berichten. An ihrer Studie nahmen 329 Menschen teil. Zu Beginn der Studie und nach einem Jahr ermittelten die Forscher durch einen standardisierten Test zur Diagnose von Alzheimer den Schweregrad der Demenz. „Die Teilnehmer mit leichter oder mäßig starker Demenz absolvierten ein Ausdauer- und Krafttraining aus Radfahren auf einem Fahrrad-Ergometer und einem Krafttraining für Arme und Beine. Es war abgestimmt auf die individuelle körperliche Fitness jedes Einzelnen und ging über einen Zeitraum von zwölf Monaten. Die Teilnehmer verbesserten ihre körperliche Fitness. Das Training hatte aber keine positiven Auswirkungen auf ihr Wahrnehmen, Denken und Erkennen“, sagt Dr. Sarah Lamb von der Universität in Oxford (GB).

„Langes Sitzen ist gefährlich“

„Sitzen ist das neue Rauchen“, werden wir gewarnt. Langes Sitzen erhöhe das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einen vorzeitigen Tod.
Einer neuen Studie zufolge gilt dies aber nicht gleichermaßen für Freizeit und Arbeit. Wer am Schreibtisch arbeitet, ist weniger gefährdet als Menschen, die nach der Arbeit exzessiv fernsehen. Die Studie der Columbia Universität (USA) unter mehr als 3.500 Teilnehmern ergab, das Sitzen vor dem Fernseher ist mit einem höheren Risiko für Herzkrankheiten und Todesfälle verbunden. Das Sitzen bei der Arbeit jedoch nicht. Wer vier oder mehr Stunden täglich vor dem Fernseher verbrachte, hatte ein 50 Prozent höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten. Wer am Arbeitsplatz lange saß, war nicht stärker gefährdet als jene ohne sitzende Tätigkeit. Den Unterschied erklärt Dr. Keith M. Diaz, Dozent für Verhaltensmedizin an der Columbia Universität. „Möglicherweise neigen viele dazu, stundenlang bewegungslos fernzusehen, während Arbeitnehmer häufig vom Schreibtisch aufstehen.“

Vielsitzer können die negativen Auswirkungen durch Sport wettmachen. Menschen, die vier und mehr Stunden am Tag fernsahen, sich aber mindestens 150 Minuten pro Woche bewegten, hatten kein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod.

„Salzen erhöht den Blutdruck“

Die Meinung, Salz schade der Gesundheit, hält sich hartnäckig. Doch es gibt immer mehr Untersuchungen, die zum Schluss kommen, Salz schade der Gesundheit nur in extremen Mengen. Gesunden Menschen brauche das Salzen nicht verboten werden, sagten Experten am Europäischen Kongress für Kardiologie in München (D). Auf Salz zu verzichten, sei nur bei extrem hohem Salzkonsum sinnvoll. Als Beispiel wurde China genannt, wo acht von zehn Menschen mehr als 12,7  Gramm Salz am Tag oder 2,5 Teelöffel zu sich nehmen. Nur wenn ein Mensch so viel Salz verzehre, sterbe er vorzeitig.

Die Weltgesundheitsorganisation rät zu weniger als fünf  Gramm pro Tag. „Dies ist wirklichkeitsfremd. Gesunde können mehr Natrium aufnehmen, ohne dass es zu nennenswerten Änderungen der Blutkonzentration kommt. Der Körper scheidet überflüssiges Natrium wieder aus. Sogar bei Bluthochdruckpatienten hat der eingeschränkte Salzkonsum nur einen kleinen Effekt auf das Senken des Blutdruckes“, sagte Professor Franz Eberli, Chef-Kardiologe am Triemli-Spital in Zürich (Schweiz). Zu wenig Salz könnte indes schaden. Bei zu niedrigem Salzkonsum stieg in einer Studie das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko wieder leicht. „Beim Salzkonsum wurde eine Empfehlung ausgesprochen, ohne genügend wissenschaftliche Belege zu haben.“
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