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Ausgabe Nr. 31/2019 vom 30.07.2019, Fotos: AdobeStock, picturedesk.com
Die italienische Lagunenstadt Grado
Der Glockenturm ist das Wahrzeichen der Stadt.
Das Seebad der Donaumonarchie
Nach dem Weg zum Strand müssen Urlauber in Grado nicht fragen. Der feine Sandstrand liegt wie ein goldenes Band vor der Altstadt. In den engen Gassen des geschichtsträchtigen Zentrums und auf der Promenade spazierte früher der Adel. An die Zeit, als der Ort noch zur Monarchie gehörte, erinnern die Villen und das „Kaisertürl“.
Ein Bad nehmen bekommt in Grado eine neue Bedeutung. Die Besucher der italienischen Stadt zieht es nicht nur ins Wasser der Adria. Sie lassen sich auch in den heißen Sand eingraben, um sich ein Sandbad zu gönnen. In den Thermen von Grado wird diese Behandlung angeboten. Die Schwitzdauer beträgt sechs bis zwölf Minuten. Danach werden die Sandbadenden in weiße Tücher gewickelt, um nachzuruhen.

Das Heilverfahren unter freiem Himmel war schon während der Monarchie beliebt. Grado war Teil des Habsburgerreiches und wurde das kleine Saint-Tropez, die k.u.k.-Badewanne sowie das Küstenseebad der Monarchie genannt. „Die Beinamen der Lagunenstadt zeugen davon, dass Grado seit mehr als einem Jahrhundert ein Sehnsuchtsort an der nördlichen Adria ist“, erzählen Andreas Schwarz und Martha Brinek.

Die beiden haben sich in die Küstenstadt verliebt und das Buch „Gusto auf Grado“ (Amalthea Verlag, 256 Seiten,
€ 25,–) geschrieben. Es ist ein Porträt des ehemaligen Fischerdorfes, das zeigt, warum dieser Ort so anziehend ist.

„Unsere Geschichte ist nirgendwo sichtbarer als in den Villen, die um die Wende zum 20. Jahrhundert gebaut wurden. Grado war das Mekka der Erholungssuchenden aus der Monarchie. Ihre Herberge waren vor allem die Villen“, erzählt Martha Brinek.

Zu ihnen gehören die „Ville Bianchi“ nächst dem Strand, die verspielte „Villa Reale“ oder die „Villa Erica“ schräg gegenüber. Damit sie gebaut werden konnten, wurden riesige Mengen Sand aufgeschüttet. Grado war von Lagunen und Sumpfland umgeben, die trockengelegt werden mussten.

An diese Zeit erinnern historische Aufnahmen, die vor einigen Gebäuden und Plätzen aufgestellt sind. Sie sind ein Beleg dafür, wie sich das Stadtbild verändert hat. Was bis heute gleich blieb, ist die Liebe der Reisenden zum Meer.

An den Stränden Grados weht die „blaue Flagge“, ein Zeichen für sauberes Wasser. Auf dem fast zwei Kilometer langen Hauptstrand Grados fällt das Wasser seicht ab. „Kinder können sich ohne Gefahr vom Ufer ins Wasser wagen.“

Urlauber mit Hund fahren ans Ostende der Stadt, vorbei am Wasserpark „Parco Acquatico“ zum „Lido di Fido“. Dort gibt es für Hund und Herrchen private Bereiche, abgegrenzt durch einen Holzzaun.

Weiter östlich dürfen sich die Vierbeiner auch am Strand „La spiaggia del Snoopy“ in die Fluten stürzen und können sich im Waldrestaurant „Al Bosco“ stärken.

Heute wird in Grado italienische Küche serviert, nach der sich der Reisende so sehnt. „Während der Monarchie wurde vorwiegend österreichisch, ungarisch und böhmisch gekocht. Der saftige Schweinsbraten und das Pilsner Bier waren nebst Mehlspeisen die kulinarischen Höhepunkte eines Tages in der Badeanstalt. Viel später kamen Pasta und Reis dazu sowie Fisch, Muscheln und andere Meeresfrüchte.“

Lokale gibt es in großer Dichte. Wer die Altstadt anpeilt, kommt unweigerlich an italienischen Kellnern vorbei, die den Gast zu Tisch bitten. Im Herzen der Altstadt erhebt sich die dreischiffige Basilika Sant‘Eufemia, die 579 vom Patriarchen Elia geweiht wurde. „Am Boden befinden sich Reste von altchristlichen Mosaiken. Bemerkenswert ist links im Mittelschiff eine romanische Kanzel mit venezianisch-maurischem Baldachin“, sagt Brinek.

Der 42 Meter hohe Glockenturm, das Wahrzeichen Grados, ist in die Vorhalle hineingebaut. An dessen Spitze dreht sich der Erzengel Michael im Wind, ein Geschenk Venedigs. Ihn haben die Gradeser Mitte des 19. Jahrhunderts renovieren lassen. Statt mit dem Erzengel-Michael-typischen Schwert kam er mit Lilien verziert zurück. Seither wird er oft mit dem Erzengel Gabriel verwechselt.

Im historischen Stadtzentrum befinden sich auch Ausgrabungen. An der Piazza Biagio Marin wurden die archäologischen Reste der Basilica della Corte aus dem vierten Jahrhundert entdeckt und freigelegt.

Die Altstadt steht unter Denkmalschutz und wirkt wie ein Flickwerk aus römischen und byzantinischen Bauresten mit Zubauten aus anderen Epochen. „Die Bewohner der Altstadt wollten sich vor allem vor dem Meer schützen. Sie verlegten ihre Wohnungen und deren Eingänge in den ersten Stock. Die kleinen Treppenaufgänge in den verwinkelten Gassen zeugen heute noch davon. Bevor der Damm gebaut wurde, suchten zahlreiche Überflutungen die Stadt heim“, erklärt Brinek.

Heute wird der Damm als Promenade genutzt. Dort befindet sich auch das „Kaisertürl“, ein kunstvoll geschmiedetes, unscheinbares Tor mit den Initialen des Kaisers. Franz Joseph sorgte für den Durchbruch der Stadt, als er sie im Jahr 1892 zum Kur- und Seebad erhob. „Es heißt, dass der Monarch das ,Türl‘ bei seinem Besuch durchschritten hat. Die Geschichte hat aber einen Haken. Der Kaiser war nie in Grado. Das Gerücht hält sich aber hartnäckig“, erzählen die Autoren. widlak
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