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Ausgabe Nr. 30/2019 vom 23.07.2019, Fotos: picturedesk.com, AdobeStock
Wenn die Gefahr für das Gehirn im Hals „lauert“
Ablagerung in der Halsschlagader
Mit Ultraschall dem
Schlaganfall vorbeugen
Bis zu einem Liter Blut pro Minute benötigt unser Gehirn, um voll funktionstüchtig zu bleiben. Diese Versorgung übernehmen zwei Arterien-Paare, eines davon sind die Halsschlagadern. Verengen Ablagerungen diese fast fingerdicken Arterien, kann ein Schlaganfall die Folge sein. Eine schmerzfreie Untersuchung mit Ultraschall deckt diese „stille“ Gefahr in wenigen Minuten auf.
Zwei Finger knapp neben den Kehlkopf gelegt, schon spüren wir das sanfte Pochen. Den Puls an einer der beiden Halsschlagadern zu erfühlen und mitzuzählen, ist auch für Laien einfach. Möglich macht das die ungewöhnlich oberflächliche Lage dieser beiden rund sieben Millimeter dicken und für die Versorgung des Gehirnes ungemein wichtigen Blutgefäße. Erkrankt die Halsschlagader, steht nicht nur die Gesundheit auf dem Spiel. Es droht Lebensgefahr, denn Ablagerungen, die sich aus einer verengten Halsschlagader lösen, verstopfen Blutgefäße im Gehirn. Der Patient hat einen Schlaganfall.

Die „stille Gefahr“ bahnt sich über Jahre an

Jedes Jahr erkranken oder sterben rund fünfundzwanzigtausend Menschen im Land an einem Schlaganfall. Zehn Prozent davon beruhen auf einer Verengung oder einemVerschluss der Arteria carotis, wie Ärzte die Halsschlagader bezeichnen. Es ist eine „stille Gefahr“, die sich über die Jahre anbahnt, oft verstärkt durch Rauchen, hohen Blutdruck, Diabetes oder erhöhte Cholesterinwerte im Blut.

„Wie bei vielen Gefäßerkrankungen ist eine Verengung der Halsschlagader nicht schmerzhaft oder spürbar. Patienten bemerken erst die Folgen einer solch gefährlichen Durchblutungsstörung im Gehirn, wie halbseitige körperliche Bewegungsstörungen in einem Arm, einem Bein oder im Gesicht. Andere Patienten bemerken einseitige Sehprobleme. Bei diesen Störungen oder Symptomen sprechen wir aber bereits von einem Notfall“, erklärt Prof. Dr. Peter Marschang, Internist, Angiologe und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Internistische Angiologie.

Das Blut fließt immer schneller …

So weit muss es heutzutage nicht mehr kommen. Ablagerungen und Verengungen in den Halsschlagadern sind zwar nicht von außen zu ertasten, mit Hilfe einer Ultraschall-Untersuchung ist es jedoch möglich, einen schnellen, einfachen und äußerst genauen „Blick“ in das Innere dieser wichtigen Blutgefäße zu bekommen. „Wir sprechen hier vom Carotis-Ultraschall. Diese Untersuchung ist für Patienten schmerzfrei. Es ist auch keinerlei Vorbereitung notwendig wie Nüchternsein oder Medikamente abzusetzen“, verrät Prof. Marschang.

Für die Untersuchung liegt der Patient auf seinem Rücken und mit leicht nach hinten geneigtem Kopf. Der Arzt führt das Ultraschallgerät über die Halsschlagadern und bekommt sie auf einem Monitor abgebildet. „An den Bildern erkennt er die Dicke und die Form der Gefäßinnenwände, mögliche Ablagerungen und er kann die Fließgeschwindigkeit des Blutes messen. Verdickungen der Gefäßwände entwickeln sich mit den Jahren bei den meisten Menschen. Im Ultraschall sind sie auf Zehntel-Millimeter genau ausmessbar. Patienten haben dann in ihrem Befund stehen, dass der Zustand der Halsschlagader ‚altersgemäß‘ ist. Ablagerungen aus Cholesterin und ‚Kalk‘ in der Innenseite der Halsschlagader sind hingegen die erweiterte, deutlich gefährlichere Stufe. Verengen sie den Durchmesser der Arterie um mehr als siebzig Prozent, wird es gefährlich für den Patienten. Die Fließgeschwindigkeit des Blutes wird so hoch, dass sich Teile der Ablagerungen lösen und in Folge ein Gehirngefäß verstopfen können. Das ist dann ein Schlaganfall“, erklärt der Experte die Zusammenhänge.

Therapien retten Leben

Mit Hilfe der Ultraschalltechnik lassen sich krankhafte Veränderungen nicht nur an den Halsschlagadern frühzeitig erkennen.

„Ihr Zustand lässt Rückschlüsse auf die Gesundheit aller Arterien zu, wie etwa die Herzkranzgefäße. Sie liegen aber viel tiefer im Körper und sind nicht so leicht zu überprüfen“, macht Prof. Marschang aufmerksam.

Die Ultraschall-Untersuchung hat keinerlei Nebenwirkungen und dauert nur fünf bis fünfzehn Minuten. Deckt sie tatsächlich Ablagerungen in diesem wichtigen Blutgefäß auf, kann rechtzeitig eine lebensrettende Therapie einsetzen. „Je nach Patient und seiner persönlichen Krankengeschichte wird eine verengte Halsschlagader entweder operativ ausgeschabt und wieder durchgängig gemacht, mit einer Gefäßstütze versorgt oder mit Hilfe von Medikamenten vor einer weiteren Verschlechterung bewahrt.“

Information: Für eine Untersuchung der Halsschlagader bedarf es einer Überweisung durch einen Arzt. Nur dann wird sie von der Krankenkasse bezahlt. In der gesetzlich gewährten Vorsorgeuntersuchung (ab 18 Jahren) ist sie nicht enthalten.
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