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Ausgabe Nr. 29/2019 vom 16.07.2019, Fotos: picturedesk.com, imago
Pamela Anderson, 52, hat kein Glück bei Männern.
Anderson mit ihren Söhnen
„Mein Freund war ein Monster“
Als blonde, halbnackte Badenixe machte Pamela Anderson weltweit auf sich aufmerksam. Heute setzt sie sich für den Schutz der Tiere ein. Ihnen gehört ihr Herz, bei Männern muss es weinen. Wieder ging eine Beziehung mit Getöse in die Brüche.
Pamela Anderson öffnet selbst die Tür ihres von Hecken umsäumten Hauses in Cassis, einem romantischen Fischerdorf an der Côte d‘Azur, östlich von Marseille. Durch eine Glaswand fällt der Blick auf ein Schwimmbecken, in dem sich ihr 18 Jahre jüngerer Freund Adil Rami gern vergnügte. Gerade hat Anderson verkündet, dass es mit ihnen vorbei sei. Der Profi-Fußballer hat sie betrogen.

Anderson, 14-maliges „Playboy“-Titelmädchen und in den Neunzigern berühmt geworden als Rettungsschwimmerin in der Fernsehserie „Baywatch“, hat am 1. Juli ihren 52. Geburtstag gefeiert. Die Jahre sind ihr kaum anzusehen. Ihr tägliches Training macht sich bezahlt. Ihre Arme sind muskulös, der Bauch ist flach. Ihre zum Markenzeichen gewordene große Oberweite, nach eigenen Angaben wurde sie verkleinert, verbirgt sie unter einem einfachen, ärmellosen Baumwollkleid.

„Ich habe mich in diesen Ort vor vielen Jahren verliebt, als ich in der Nähe in Saint-Tropez Fotos für das Männermagazin gemacht habe“, erzählt sie. „Das türkisfarbene Wasser und die bunten Boote unten im Hafen blieben mir immer in Erinnerung.“ Nachdem Anderson vor zwei Jahren den französischen Fußballer Rami kennengelernt hatte, siedelte sie sich mit ihm in dem kleinen Ort an. Der Sportler ist in der Region aufgewachsen.

Adil Rami gehört jetzt, wie zahlreiche andere Männer, zu Andersons Vergangenheit. Sie beschimpfte ihn erst vor wenigen Tagen und nannte ihn ein „betrügerisches Monster“. Die vergangenen beiden Jahre seien eine große Lüge gewesen. „Ich war dazu verführt worden zu glauben, dass es die große Liebe sei. Aber er lebte ein Doppelleben.“ Die Schauspielerin ist fassungslos. „Wie ist es möglich, gleichzeitig die Herzen von zwei Frauen zu kontrollieren?“

Sie verrät, dass sie jetzt für den Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks, Julian Assange, 48, schwärme. Er wartet, seit ihn die Ecuadorianer aus ihrer Botschaft in London (England) geworfen haben, in einem Hochsicherheits-Gefängnis auf die Auslieferung in die USA. Die Amerikaner werfen Assange Spionage vor. Anderson setzt sich für seine Freilassung ein und hat ihn wiederholt in seiner Zelle in Thamesmead, östlich von London, besucht. „Er ist unschuldig“, sagt sie. „Er ist ein guter Mensch und hat nie einen Gewaltakt begangen.“

Die Schauspielerin hat nicht nur ihr Herz neu vergeben – sie ist in den vergangenen Jahren auch ein anderer Mensch geworden mit neuen Interessen. Statt ihren Bekanntheitsgrad wie früher in Geld umzusetzen, kämpft sie als Aktivistin gegen Klimawandel-Lügner, Faschisten und Tierquäler. Und sie wurde eine engagierte Frauenrechtlerin.

„Ich habe in meinem Leben viele Dummheiten begangen“, bekennt die Darstellerin, „doch dabei habe ich eine Menge gelernt.“

Dass die blauäugige Pamela Denise Anderson, ein Nachkomme finnischer und russischer Einwanderer in Kanada, einmal weltbekannt sein würde, war ihr nicht in die Wiege gelegt worden. Ihr Vater war Rauchfangkehrer, die Mutter Kellnerin. Wenn die Eltern nicht arbeiteten, spielten sie Karten, und Tochter Pamela musste das Bier holen.

„Es war keine einfache Kindheit auf Vancouver Island“, erinnert sie sich. „Von meinem sechsten bis zum zehnten Lebensjahr wurde ich von einer Babysitterin belästigt. Als angehender Teenager vergewaltigte mich der Freund eines Freundes. Er war 25, ich zwölf Jahre alt.“ Zwei Jahre später verging sich ein anderer sogenannter Freund an ihr. Sie beschreibt sich von damals als Leseratte, die Märchen und Geschichten der griechischen Mythologie liebte.

Es war wie eine Flucht vor der Wirklichkeit, denn Verständnis für ihre erlittenen sexuellen Traumata fand sie bei der Mutter nicht. „Lach darüber“, meinte die nur lapidar. „Manchmal lächelt man nicht, weil man glücklich ist. Manchmal lächelt man, weil man stark ist.“

Diesen Rat habe sie nie vergessen, erklärt die Künstlerin. Er half ihr zu werden, wer sie heute ist. Ihre Vorliebe für Bücher hielt Pamela allerdings nicht davon ab, körperlich aktiv zu bleiben. Sie wurde Sporttrainerin. Bis ihre gute, durchtrainierte Figur der Öffentlichkeit bekannt wurde. Anderson war 21 Jahre alt, als sie eines Tages im Stadion ein Football-Spiel verfolgte. Sie trug ein enges, blaues T-Shirt mit aufgedruckter Bierreklame, das ihre vollen Brüste betonte. Fernsehkameras erfassten die attraktive, blonde Schönheit mehrfach. Daraufhin meldete sich die Bierfirma, und Anderson machte ihre ersten bezahlten Werbefotos. Schließlich klingelte auch der „Playboy“ bei ihr an. Einer der Mitarbeiter des legendären Gründers Hugh Hefner (er starb im Jahr 2017) hatte die Kanadierin in der Fernsehübertragung des Football-Spieles gesehen und lud sie nach Los Angeles (USA) ein.

Hugh Hefner bot ihr an, in der berühmt-berüchtigten „Playboy“-Villa zu übernachten. „Doch ich hatte Angst und ging sicherheitshalber in ein kleines Hotel“, berichtet sie. Nach gutem Zureden zog sie sich ein paar Tage später zum ersten Mal für das Männermagazin aus. „Allerdings konnten nur wenige Fotos von mir gemacht werden“, lacht die 52jährige. „Mir wurde vor Aufregung schwindlig.“ Das erste Titelbild erschien im Oktober 1989.

Zufrieden mit ihrem Körper war sie dabei nicht. „Ich beneidete andere Mädchen um deren viel schönere Brüste. Deshalb bin ich unter dem Messer eines Schönheitschi-
rurgen gelandet. Über mögliche gesundheitliche Folgen habe ich mir damals keine Sorgen gemacht.“

Das Titelfoto zeigte Wirkung, Film und Fernsehen wurden auf die junge, hübsche Frau aufmerksam. Im Jahr 1990 nahm sie ihre erste Rolle an, daraus wurden zwischen 1991 und 1997 Auftritte in 23 Episoden der Erfolgs-Serie „Hör mal, wer da hämmert“. Während dieser Zeit nahm sie ihr damaliger Freund mit zu einem Vorsprechen für die Serie „Baywatch“. Er bekam eine kleine Nebenrolle, sie eine der Hauptrollen, daran zerbrach die Beziehung. In 111 Folgen von „Die Rettungsschwimmer von Malibu“ hüpfte Pamela Anderson in einem roten Badeanzug als „C. J. Parker“ über den Bildschirm und geizte nicht mit ihrer 85H-Oberweite. Nach mehreren Brust-Verkleinerungen soll sie heute 75C-Körbchengröße tragen. In Spitzenzeiten saßen weltweit pro Folge 1,1 Milliarden Zuschauer vor dem Fernseher.

Weil ihre Karriere aber ins Stocken geriet, heiratete sie medienwirksam den berüchtigten Schlagzeuger und Skandalrocker Tommy Lee von der Heavy-Metal-Band „Mötley Crüe“. Der Hochzeitsporno, den die beiden damals aufnahmen, und Fotos der Braut im weißen Bikini, die sie selber verbreiteten, ließen darauf schließen, dass die Hochzeit nur inszeniert war. Die Ehe verlief dann auch nicht gut. Anderson bekam zwar zwei Söhne, Brandon (Schauspieler) und Dylan (Musiker), es sind ihre einzigen Kinder, doch die Ehe endete, als Lee im Jahr 1998 eine dreimonatige Haftstrafe ausfasste, weil er seine Frau grün und blau geschlagen hatte.

Drei Jahre nach der Trennung von Tommy Lee fühlte sich Anderson eines Tages unwohl und ging zum Arzt. Der stellte fest, dass sie an Hepatitis leidet, einer Leberentzündung.

„Wie habe ich diese Krankheit bekommen?“, wollte sie wissen. „Der Arzt meinte, vielleicht von Tommy Lee, denn der sei vor einiger Zeit wegen dieser Krankheit auch schon bei ihm gewesen. Haben Sie Spritzen mit ihm geteilt, wollte der Mediziner von mir wissen. Auf meine Frage, wie ich denn die Krankheit wieder loswerden könnte, meinte er, gar nicht. Sie werden daran sterben.“

So weit kam es zum Glück nicht, im Jahr 2005 hatte Anderson ihr Leiden überwunden. Nicht jedoch jenes ihres Herzens. Nach der Enttäuschung mit dem Rocker gab sie ihre Versuche, den Richtigen fürs Leben zu finden, nicht auf. Nach einer Beziehung mit dem schwedischen Fotomodell Marcus Schenkenberg ging sie Ende Juli 2006 auf einer Yacht in Saint-Tropez mit dem Musiker Kid Rock ihre zweite Ehe ein. Sie dauerte vier Monate.

Ihren dritten Mann, den Produzenten Rick Salomon, den Exmann von Paris Hilton, heiratete sie gleich zwei Mal. Die erste Ehe dauerte zwei, die zweite sechs Monate. Bis zur Ehe kam es zuletzt mit dem Franzosen Rami nicht.

Die Schuld an den zerbrochenen Beziehungen sucht die 52jährige bei sich selbst. Vielmehr in den traumatischen sexuellen Erlebnissen. Sie hätten dazu geführt, dass sie Tieren heute mehr vertraue als Menschen, erklärt die Darstellerin. „Tiere sind genauso wichtig wie wir. Wir sollten sie nicht essen. Ich bin schon lange Veganerin. Ich fragte mich lange, wofür ich lebe. Nun weiß ich es.“ Diese Erkenntnis hat zur Gründung ihrer „Pamela Anderson Stiftung“ geführt, die weltweit für den Tierschutz wirbt. Als Botschafterin für eine bessere Welt will die Schauspielerin in ihrem neuen Leben ein Vorbild für Millionen andere Menschen sein.
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