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Ausgabe Nr. 29/2019 vom 16.07.2019, Foto: dpa picture alliance / Phanie
Immer öfter kühlt es im Sommer nachts nicht mehr ab. Das raubt uns den Schlaf.
Guter Schlaf trotz Wüsten-Klima
Die schwüle, stickige Luft im Schlafzimmer und laufende Klimageräte sowie Ventilatoren rauben uns in tropischen Nächten den Schlaf. Wer schlecht schläft, ist am nächsten Tag weniger fit und erhöht auf die Dauer sein Risiko für Übergewicht, höhere Blutdruckwerte und Energielosigkeit im Alltag. Mit den folgenden Tipps gelingt guter Schlaf in „heißen“ Nächten.
Jeder Dritte schläft im Sommer schlechter als sonst. Unruhig wälzen wir uns hin und her, strampeln die Decke weg, sind genervt, wenn die Wäsche am Leib klebt.

Frauen sind von dieser Form der Schlafstörung stärker betroffen als Männer, jüngere Menschen stärker als ältere. Doch nicht nur die sommerliche Hitze stört die Nachtruhe. Die Nächte sind kurz. Das Tageslicht begleitet uns bis spät in den Abend. Wir gehen später ins Bett und werden zeitig in der Früh geweckt, weil schon der neue Tag anbricht.

Ein guter, erholsamer Schlaf ist wegen der kurzen Nächte doppelt so wichtig. Leider macht die viel zu warme Raumtemperatur, von 24 Grad und mehr, das in den heimischen Schlafzimmern schwer. Denn schlafen können wir tatsächlich nur, wenn unsere Körperkerntemperatur sinkt. Das wird einerseits durch unser körpereigenes Temperaturregulierungssystem geregelt. Die Venen und Blutgefäße, die dicht unter der Haut liegen, weiten sich und geben Hitze ab. Die Hauttemperatur sinkt und die Körpertemperatur bleibt nachts, während wir schlafen, niedrig. Dieser Prozess wird von der Raumtemperatur unterstützt. Forschungen zeigen, die Nächtigung in einem kühlen Raum führt dazu, dass wir besser schlafen.

Regelmäßig unausgeschlafen zu sein, sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden, meint Stefan Seidel vom Schlaflabor der Universitätsklinik für Neurologie der MedUni Wien/AKH Wien. „Jeder zweite Betroffene ist tagsüber in seiner Funktionsfähigkeit eingeschränkt. Neben Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Gereiztheit kann das weitere Beschwerden wie etwa Magen-Darm-Probleme hervorrufen.“

Verhindert ein warm-schwüler Schlafraum den erholsamen Schlaf, kann ein bisschen Gegensteuern nicht schaden. Die Tipps und Tricks dazu sind für jeden einfach umzusetzen.

Pyjama / Nachthemd kurz in den Kühlschrank legen
Einige Menschen finden Erleichterung, in ihr gekühltes Nachtgewand zu schlüpfen. Dafür den Pyjama oder das Nachthemd in ein Plastiksackerl legen und für eine halbe Stunde in den Kühlschrank (nicht in das Gefrierfach) legen. Derart abgekühlt, erfrischt das Nachtgewand für rund eine Viertelstunde – das hilft beim Einschlafen.

Lauwarm duschen vor dem Zubettgehen
Es klingt ein bisschen unlogisch, aber eine lauwarme Dusche vor dem Schlafengehen kühlt besser als eine kalte. Das warme Wasser öffnet die Poren der Haut, der Körper kann seine aufgestaute Hitze besser abgeben. Kaltes Wasser hingegen signalisiert dem Körper, dass er sich aufwärmen soll.

Kaltfeuchtes Taschentuch auf die Stirn legen
Dieser Trick hilft, weil das Taschentuch die Wärme aus dem Körper zieht. Wer nicht auf dem Rücken schläft, kann das Tuch in die Achselhöhle stecken. Ist die kühl-feuchte Auflage nicht angenehm, hilft ein Kühlpack mit Gel. Eine das Einschlafen fördernde Wirkung wird alternativ mit dem Auflegen an den Waden oder in der Leistengegend erzielt. Wichtig ist, das Kühlelement nur in den Kühlschrank zu legen. Frisch aus dem Gefrierfach ist es viel zu kalt. Auf die Haut gelegt, kann es schnell zu Erfrierungen führen.

Den Schlafraum mit elektrischen Geräten richtig kühlen
Eine Klimaanlage oder ein Ventilator kann ein Segen sein. Doch sind sie nachts in Betrieb, stören sie durch den ständigen Luftzug, der ein steifes Genick und Kreuzschmerzen verursachen kann, und ihren Geräuschpegel. Damit der Schlaf und die Gesundheit nicht belastet werden, den Schlafraum zwei Stunden vor dem Zubettgehen mit den Geräten kühlen. Wird ins Bett gegangen, auf den Stopp-Knopf drücken.

Den Schlafraum ohne elektrische Geräte kühlen
Feucht-nasse (Hand-)Tücher vor den gekippten Fenstern aufhängen oder die Tücher vor dem geöffneten Fenster auf einen Wäscheständer (Bügelladen) hängen. Ein Ende des Tuches sollte in eine flache Wanne mit Wasser ragen. Die einsetzende Verdunstung kühlt die Luft im Raum ab.

Lieber nicht nackt schlafen
Ohne Stoff auf dem Körper zu schlafen, riskiert eine Erkältung oder Muskelschmerzen. Der Grund, in der Nacht schwitzt der Körper stark und auf der Haut wird es dadurch schnell kühl (vor allem bei Luftzug durch Klimaanlage, Ventilator oder geöffnete Fenster). Kühle/kalte Luft führt zur Anspannung der Muskulatur und zu einer verringerten Durchblutung. Das zieht Muskelschmerzen nach sich. Das Schlafgewand hilft bei der Verdunstung und sollte darum am Körper bleiben.

Auf die richtigen Materialien legen
Zum Schlafen reicht nun ein leichtes Baumwolllaken völlig aus. Das oder ein leerer Bettbezug gibt auch bei Hitze die fürs Schlafen nötige Geborgenheit. Die Faustregel lautet, Naturfasern leiten die Feuchtigkeit besser ab und wirken dank ihrer hohen Luftdurchlässigkeit kühlend. Baumwoll-, Seiden- oder Leinenlaken sind daher angenehmer als Satin oder Kunstfaser. Für Menschen, die bei sommerlicher Hitze äußerst stark schwitzen, haben manche Bettwarenhersteller eigene High-Tech-Produkte entwickelt. Ein Beispiel ist die „Cool“-Produktpalette des Vorarlberger Herstellers Hefel. Sie enthalten Mikrokapseln, welche die Wärme vom Schlafenden aufnehmen und rasch weiterleiten. Der Körper spürt dies als angenehme Kühle.
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