Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 29/2019 vom 16.07.2019, Fotos: picturedesk.com, AdobeStock
Peter Nidetzky, am 5. Juni 1940 in Wien geboren, leitete in seiner langjährigen Tätigkeit für den ORF unter anderem die Abteilung „Teletext“.

Große Bekanntheit erlangte er als Leiter des Wiener Aufnahmestudios der Fahndungssendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“.

Bis 2001 war er Bundesreferent für Springreiten, bis 2010 Organisator der Traditionsveranstaltung „Fest der Pferde“ in der Wiener Stadthalle.

Vor 50 Jahren moderierte er im ORF gemeinsam mit Othmar Urban, Hugo Portisch und Herbert Pichler die Live-Übertragung der Mondlandung.
„Keine Sekunde lang möchte ich im All sein“
Gut 42 Jahre lang arbeitete Peter Nidetzky, 79, für den ORF. Mit „Aktenzeichen XY … ungelöst“ jagte er 32 Jahre lang Verbrecher. Vor 50 Jahren kommentierte er mit drei Kollegen die Live-Übertragung der Mondlandung. Dass das Spektakel 34 Stunden dauern sollte, war alles andere als geplant. Nidetzky erinnert sich an den Übertragungs-Marathon.
Herr Nidetzky, wie viele Stunden waren Sie vom Start bis zur Mondlandung der Apollo-11-Mission als Moderator im Einsatz?
Die Mond-Mission bedeutete für uns Moderatoren nicht nur die stundenlange Live-Übertragung, sondern belief sich auf mehrere Wochen. Wir waren mit einem Kamerateam in den USA, wo wir mit 16-Millimeter-Filmen, digital war ja damals noch nichts, viel Material aufnahmen. Im Mission-Control-Center in Houston (Texas) bekamen wir von der NASA einen präzisen Zeitplan für den Flug und die Landung. Dass es letztlich ein 34-Stunden-Marathon werden sollte, war so nicht geplant.

Wie kam‘s zu dem Leerlauf?
Laut Zeitplan hätten die Astronauten um 22 Uhr unserer Zeit aussteigen sollen. Vermutlich aus Werbegründen sollten Neil Armstrong und Buzz Aldrin zur amerikanischen Hauptsendezeit die Landefähre verlassen. Deshalb war es dann bei uns vier Uhr in der Früh. Wir trauten uns aber nicht, einen Science-Fiction-Film zu zeigen. Denn wären sie plötzlich ausgestiegen, hätten wir den historischen Moment verpasst.

Wie war die Stimmung im Studio?
Das war kein Studio, sondern eine Holz-Pawlatschen, gebaut aus den ehemaligen k.u.k-Affenstallungen. Dort drinnen hatte es locker 50 Grad.

Und geraucht werden durfte obendrein. Wie viele Zigaretten waren es denn bei Ihnen?
Etwa drei Schachteln, denke ich. Wir haben ja sogar vor laufender Kamera geraucht. Jetzt darf ich im ORF nicht einmal mehr beim Portier mit einer Zigarette vorbeigehen. Ich selbst habe mir allerdings auch vor 20 Jahren das Rauchen abgewöhnt.

Ging Ihnen während der Endlos-Übertragung irgendwann der Schmäh aus?
Mein Kollege Othmar Urban und ich hatten Gott sei Dank Hugo Portisch mit seinem außenpolitischen Wissen in unserer Runde. Der Mondexperte und HNO-Arzt Herbert Pichler, den wir Hals-, NASA- und Ohrenarzt nannten, lieferte Wissenschaftliches. Wahrscheinlich haben wir uns irgendwann wiederholt, wenn uns gar nichts Neues mehr einfiel.

Was ging in Ihnen vor, als die Rakete abhob?
Das Abheben war mir durch die Testflüge bekannt, leider auch aufgrund des Apollo- 1-Unglückes, als drei Astronauten beim Start in der Kapsel erstickt sind. Die Hinreise und der Ausstieg waren schon etwas Großartiges. Menschen, die die Landung verfolgten, erinnern sich bis heute daran.

Sind Sie sicher, dass Sie und Hunderte Millionen Menschen nicht betrogen wurden? Gerüchte, die Amerikaner seien nicht auf dem Mond gewesen, halten sich hartnäckig …
Für mich sind die Beweise hundertprozentig. All das Mitgebrachte, ich sage „Koks-Stückerl“ dazu, muss von der Mondoberfläche stammen.

Wie kam‘s dazu, dass Sie den Raumfahrtanzug testen durften?
Der Original-Anzug wurde uns geliehen. Ich musste ihn anziehen, weil er nur mir passte, weil ich die gleiche Figur wie Neil Armstrong hatte. Pichler setzte mir den Helm auf und machte ihn zu. Die Sauerstoffmenge war begrenzt. Pichler erklärte und erklärte, mich ignorierte er völlig. Ein Kameraassistent rettete mich, sonst wäre ich vielleicht noch erstickt (lacht).

Wären Sie selbst je gern ins All geflogen?
Nein, keine Sekunde lang möchte ich im All sein. Ich hatte mich mit der Materie nie beschäftigt und wusste nicht einmal, wo bei einer Rakete oben und unten ist. Als ich mich in den USA für die Gespräche mit den Wissenschaftlern vorbereitete, hat mich der Mond mit all seinen Facetten schon fasziniert, aber die Mondkunde ist sicher nicht mein Hobby.

Womit beschäftigen Sie sich lieber?
Der Pferdesport hat mich immer begleitet, mittlerweile aber reduziert. Gerne erinnere ich mich an 1992, als ich Equipechef der Springreiter war, holten wir bei den Olympischen Spielen in Barcelona (Spanien) Silber. Das gab‘s vorher nicht und danach nicht mehr.

Sie moderierten 32 Jahre „Aktenzeichen XY“. Bedauern Sie es, dass der ORF aus der Fahndungs-Serie im Jahr 2000 ausstieg?
Nein, es war richtig, damit aufzuhören. Am Anfang hatten wir eine unfassbare Lösungsquote von 43 Prozent und etwa 300 Zuschauerhinweise pro Sendung. Zum Schluss waren es nur noch 20 Anrufer, die Hälfte war betrunken. Früher wurde nach Einzeltätern gesucht, was die Sache spannend machte. Mittlerweile handelt es sich bei den Verbrechern vorwiegend um Syndikate und aus dem Osten kommende Verbrecherbanden.

Bleibt Ihnen im „Ruhestand“ mehr Zeit für die Familie?
Alles ist ein bisserl gemütlicher geworden. Ich habe meine beiden Kinder, meine drei Enkerl im Volksschulalter und zwei Hunde, die eigentlich den Enkerln gehören. Mir wird nicht fad. Bald geht‘s mit meiner Frau ab nach Kreta, wo wir seit Jahren Urlaub machen. Ich freue mich auf das Schwimmen im warmen Meer und auf das gute Essen.

Allerdings erst nach den Jubiläumsveranstaltungen rund um die Mondlandung, denn Sie sind ja ein gefragter Zeitzeuge?
Ja, aber das geht auch vorüber. Wobei ich mich gefreut hätte, Buzz Aldrin, mittlerweile ist er 90, in Wien zu begrüßen. Ich habe ihn vor zwei Monaten gefragt, ob er kommen möchte. Wir blödelten miteinander, als er plötzlich meinte, nie am Mond gewesen zu sein. Er sei zwar dort gelandet, aber wäre nur zwei Stufen der Leiter heruntergestiegen, um Neil Armstrong mit der Kamera zu filmen. Buzz, der Whiskey-Liebhaber, ist halt ein lustiger Kerl.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung