Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 28/2019 vom 09.07.2019, Foto: picturedesk.com
Vor wenigen Tagen mit seiner Tochter Charlotte Ella in Prag.
Er genießt sein spätes Familienglück
Er hat einen Gehirnschlag überwunden und den Krebs besiegt. Karel Gott, der unter anderem durch seine Titelmelodie zur Kinderserie „Biene Maja“ weithin bekannt wurde, ist glücklich, am Sonntag, dem 14. Juli, seinen 80. Geburtstag feiern zu können. Mit seiner um 38 Jahre jüngeren Frau und den beiden gemeinsamen Kindern. Dieses Glück wird ihm von anderen Frauen nicht gegönnt.
Meine Sprachrohre sind meine Lieder. Und wenn es etwas gibt, das in Worten nicht ausdrückbar ist, so sind es meine Bilder, die eigentlich alles über mich sagen, in denen ich meine Gefühle ausdrücke. All das, was mir wichtig ist, die vielleicht manchmal sogar viel mehr sagen als so mancher gesprochene oder geschriebene Satz. Wenn ich male, ist das für mich eine Entspannung, ein Ausgleich. Ich kann mich zurückziehen, vor mir nur die Leinwand und die Idee für ein neues Bild. Ich kann mir Zeit lassen, muss nicht um acht Uhr auf der Bühne stehen, sondern kann malen, wann mir danach zumute ist. Ein malender Sänger ist übrigens besser als ein singender Maler. Denn es ist unvorstellbar, dass ein Maler zum Interpreten von Hits wird“, erzählt Karel Gott.

Der am 14. Juli 1939 in der tschechischen Stadt Pilsen geborene Künstler ist das beste Beispiel dafür. Denn Hits hatte er in seiner bislang 60jährigen Laufbahn als Sänger hinreichend. „Einmal um die ganze Welt“ zum Beispiel „Weißt du wohin?“, die „Schiwago-Melodie“, „Fang das Licht“ oder die Titelmelodie zur Kinderserie „Biene Maja“, um nur einige zu nennen. Im Jahr 1968 vertrat er sogar unser Land beim Song Contest. Udo Jürgens hatte für ihn das Lied „Tausend Fenster“ geschrieben, es reichte für Platz 13.

Karel Gott ist ein Einzelkind und bekam den Vornamen seines Vaters. Als er sechs Jahre alt war, übersiedelte er mit den Eltern nach Prag und besuchte dort das Gymnasium. Trotz der räumlichen Trennung blieb sein Kontakt zur Oma, die ebenfalls in Pilsen lebte, stets innig. Es war seine „Babicka“, der er später das gleichnamige Lied widmete. „Meine Mutter war ihr jüngstes Kind“, schreibt der Künstler in seiner Autobiografie „Zwischen zwei Welten“ (Verlag riva). „Insgesamt hatte meine Oma zehn Kinder, neun Töchter und einen Sohn. Sie war stets heiter und hat mir ein bisschen das Kochen beigebracht.“ Beruflich hatte er als Kind ebenfalls schon seine Pläne. „Ich wollte von Kindesbeinen an Maler werden. Das Schicksal oder die Fügung wollte es allerdings so, dass ich nicht auf der Kunstakademie angenommen wurde, nicht unter den Besten war und deswegen den Weg zur Musik gewählt habe.“ Dennoch musste sich Karel Gott zunächst als Elektrotechniker mit Facharbeiterbrief durchschlagen. Bis März 1960 blieb er in einer Prager Fabrik beschäftigt, weil das für ihn ein sicheres Einkommen war, das die Existenz begründete. Bis er bei einem Talentewettbewerb das Publikum mit seiner Stimme begeisterte. Bald darauf erhielt er ein Engagement als Sänger eines tschechischen Orchesters. Was den aufstrebenden Sänger besonders begeisterte, war das weibliche Publikum. Da konnte die Gage noch so gering ausfallen, wenn ihm die Frauen im Saal verliebte Blicke zuwarfen, hatte er seinen Spaß. Sein langjähriger Textschreiber und Freund Filip Albrecht formulierte das Verhältnis von Karel Gott zu den Frauen einmal so: „Er ist seit jeher das Idol der Frauen und galt über Jahrzehnte hinweg als Junggeselle, den jede Frau haben kann.“ Der Künstler selbst bezeichnet das Thema Frauen neben der Musik als das wichtigste in seinem Leben. „Frauen hatte ich viele, sehr viele, das ist ein offenes Geheimnis“, schreibt Gott in seiner Autobiografie. „Ein Kostverächter war ich nie. Mich reizte es, Frauen, die mich abwiesen oder so taten, zu erobern, aber ich ließ mich auch selbst gern verführen. Teils waren das verrückte Geschichten, wenn ich von wildfremden Mädchen Anrufe bekam und mich allein schon ihre Stimme neugierig machte, ich sie daraufhin spontan noch am selbsen Abend besuchte und wir eine schöne Nacht miteinander verbrachten.“

Geändert hat sich dies erst, als er die um 38 Jahre jüngere Ivana kennen- und lieben lernte. Eine Liebe, die langsam wuchs. „Ich glaube, es war gut, dass Ivana und ich uns erst langsam kennengelernt haben, uns gegenseitig sozusagen ,abgeklopft‘ haben, bis wir wirklich ein Paar wurden und zum ersten Mal gemeinsam in den Urlaub flogen. Diese Urlaube wurden von da an ein wichtiger Bestandteil unserer noch jungen Beziehung.“ Das Ergebnis dieser Liebe war im Jahr 2006 zunächst die Geburt ihrer ersten Tochter, die den Namen Charlotte Ella bekam. Die Hochzeit folgte zwei Jahre später, da gab sich das Paar in Las Vegas (USA) das Jawort. Das Familienglück perfekt machte dann die zweite Tochter namens Nelly Sofie, die noch im Jahr 2008 geboren wurde. Die Familie bewohnt heute eine noble Villa in Prag.

„Ich werde oft gefragt, wie es im Hause Gott mit der Erziehung aussieht. Nicht dass ich Erziehungstipps geben möchte, aber bei uns ist es so, dass unsere beiden Töchter verstehen sollen, dass all das, was wir haben, was auf unseren Tellern ist, keine Selbstverständlichkeit darstellt. Für mich ist das wichtig. Ich erhebe die Stimme nur dann, wenn es wirklich nötig ist. Meine Frau und ich haben eine Art Rollenaufteilung. Ich bin sozusagen, wenn die beiden etwas angestellt haben, der brave Polizist und Ivana der strenge, auch wenn sie nicht unbedingt gern in diese Rolle schlüpft. Aber einer von uns beiden muss es ja tun.“

Die gemeinsame Zeit mit der Familie ist Karel Gott wichtig, denn der Künstler hat zwei uneheliche, erwachsene Töchter, für die er nur selten da war. Gemeinsame Weihnachten gab es aber immer. Und den Kontakt zu ihnen bezeichnet der Jubilar, der in wenigen Tagen seinen 80. Geburtstag feiert, als gut.

Allerdings gönnen ihm viele Frauen sein Eheglück nicht, weiß sein Freund Albrecht. „Karel bekommt Drohbriefe von weiblichen Anhängern, die er gar nicht kennt –
nach dem Motto: ,Warum hast du nicht mich geheiratet?‘ Diese Frauen glauben, die junge Ivana habe es nur auf sein Geld abgesehen. Das stimmt nicht. Sie war ihm eine große Stütze, als er gegen den Lymphdrüsenkrebs ankämpfte und ihn besiegte.“

Er gilt heute als geheilt und versucht, jeden Tag zu genießen. Seinen Geburtstag will er dementsprechen groß feiern.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung