Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 28/2019 vom 09.07.2019, Foto: picturedesk.com
Beatrice Egli
„Montags mache ich jetzt immer blau“
Sie war beruflich ausgebrannt und in der Liebe enttäuscht worden. Deshalb tauchte die Schweizer Schlagersängerin Beatrice Egli unter. Am anderen Ende der Welt, in Australien, führte sie das Leben einer Nomadin, bis in ihr das Feuer fürs Singen wieder zu brennen begann. Was dabei herauskam und welchen Flopp sie dieser Tage hinnehmen musste, erzählte die 31jährige im Gespräch mit dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth
Frau Egli, Sie singen auf Ihrem neuen Album „Natürlich“ im Lied „Terra Australia“ den Satz „Ich hab‘ gesucht, was mich zusammenhält … dieses etwas bin ich selbst.“ Diente Ihre Reise nach Australien der Selbstfindung?
Ich hatte sechs intensive Jahre mit vier Tourneen und sechs Alben hinter mir. Ich hatte einfach keine Zeit, großartig auf mich selbst und mein Wohlbefinden zu achten. Deshalb wollte ich herausfinden, was mir Spaß macht. Und ob dieses Leben überhaupt noch das ist, was ich liebe.

Sie waren also ausgebrannt?
Es war höchste Zeit, dass ich wieder Kräfte sammelte.
Diese Auszeit habe ich nicht spontan geplant, die Pause stand seit eineinhalb Jahren im Terminkalender. Je näher das Datum rückte, desto weniger spielte mein Körper mit. Bevor es losging, war ich dann doch ziemlich erschöpft. Weil ich gar nicht damit gerechnet habe, dass meine Karriere so lange läuft.

Sie haben im Mai 2013 die zehnte Staffel der Talenteshow „Deutschland sucht den Superstar“ gewonnen. Welche Karriere haben Sie sich denn vorgestellt?
Ich dachte, ich gewinne DSDS und dann geht das ein, zwei Jahre gut, ehe ich wieder weg vom Fenster bin. Vor lauter Freude und Leidenschaft habe ich mich auch ein bisschen in dem Beruf verloren. Zudem war ich nie gut darin, „nein“ zu sagen, weil ich niemanden enttäuschen wollte. Aber wenn du eine Grippe verschleppst und mit 40 Grad Fieber auf der Bühne stehst, ist das eben auch nicht ideal. Ich habe mir fest vorgenommen, künftig auf meinen Körper zu hören, wenn er Alarm ruft.

Was haben Sie in Ihrem Leben geändert?
Montags mache ich jetzt immer blau. Der Montag ist jetzt quasi mein Sonntag. Ich nutze ihn, um mich mit Freunden zu treffen, meinen kleinen Neffen zu sehen oder auch einfach, um in Ruhe zum Zahnarzt zu gehen (lacht). Am Montag findet bei mir das ganz normale Leben statt.

Wo wohnen Sie derzeit?
Das ist ein schwieriges Thema. Nirgends. Ich weiß in diesem Zusammenhang gerade nicht, was ich will. Einmal möchte ich lieber in die Stadt ziehen, dann wieder wird mir bewusst, dass ich doch in Wirklichkeit ein Landmädchen bin. Wichtig wäre ein Flughafen in der Nähe.

Welche Orte stehen in der engeren Auswahl?
Zürich, Luzern (beide Schweiz), Hamburg, Berlin, Köln (in Deutschland). Ich sehe mir gerade überall Wohnungen an. Im Moment bin ich ständig unterwegs, aber ich brauche bald wieder eine Basis.

In Australien wollten Sie nicht bleiben?
Nein, obwohl es wirklich herrlich war. Ich bin insgesamt fast drei Monate dort gewesen.

Alleine?
Zuerst bin ich mit einem befreundeten Paar und dessen beiden Kindern im Campingwagen herumgereist. Wir sind in Brisbane losgefahren und haben Weihnachten und Silvester zusammen verbracht. Danach bin ich alleine mit dem Auto los, im Kofferraum mein Zelt. Ich wusste in der Früh meistens nicht, wo ich abends schlafen würde. Manchmal habe ich auch die ganze Nacht durchgemacht und bin auf der wunderbaren Great Ocean Road gefahren. Das ist eine der bekanntesten Straßen und sie ist bei Touristen beliebt. Sie führt über 240 Kilometer die Südküste Australiens entlang.

Sind Sie gut darin, alleine zu sein?
Es gab Tage, da fand ich es super. Aber es gab auch Tage, an denen ich in die nächste Stadt fuhr, um unter Menschen zu sein und mit jemandem reden zu können. Ab und zu genieße ich das Alleinsein, aber ich bin schon eher ein geselliger Typ. Und dann, nach etwa sechs Wochen, fing ich auch schon an, einen Ort zu suchen, an dem ich das neue Album aufnehmen konnte.

Wo haben Sie diesen Ort gefunden?
In einem Strandhaus in Rye, das liegt in der Nähe von Melbourne. Auf der einen Seite lag eine ruhige Bucht, in der ich mit Delphinen schwimmen und „Stand-up-Paddeln“ konnte, auf der anderen Seite war es deutlich rauer, dort konnte ich den Surfern zuschauen und gegen das Rauschen der Wellen meine Lieder üben, ohne, dass jemand zuhören konnte.

Im Lied „Nächstes Leben, selbe Zeit“ verlieben Sie sich in einen dieser Surfer. Hat sich das so zugetragen?
Ich hatte ein Auge auf einen Surfer geworfen, ja.

Wie eine Nonne leben Sie demnach nicht?
Natürlich war ich die meiste Zeit der vergangenen sechs Jahre Single, aber „meistens“ bedeutet nicht „immer“. Ab und zu lernte ich doch jemanden kennen. Mein Herz ist dabei nicht ganz unverschont geblieben. Die Zeit in Australien hat mir gutgetan, um das Herz zu ordnen und zu reparieren. Ich glaube, die Narben bleiben, aber sie verheilen ein bisschen.

Stehen Sie auf Surfer?
Ganz ehrlich – ob Surfer, Rennfahrer oder Elektriker, mir ist das egal. Wichtig ist die Ausstrahlung.

Sie moderieren derzeit für RTL die Kuppel-Show „Schlager sucht Liebe“. Allerdings wurde die Sendung ein Flop. Bereuen Sie Ihr Engegament?
Nein, ich habe immer gern Freundinnen verkuppelt. Nur fand sich leider für dieses Format nicht genug Publikum. Deshalb wurde die Show aus dem Abendprogramm genommen und auf Sonntagvormittag verlegt (nächster Termin: 14.7., 11.05 Uhr, RTL).

Warum haben Sie nicht selbst mitgemacht?
Weil ich mich lieber auf die herkömmliche Art und Weise verlieben möchte.

Was bekommt ein Mann bei Beatrice Egli?
Ein Mädchen, das jeden Spaß mitmacht. Ein Mädchen, das neckisch ist, süß und auch frech (lacht).
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung