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Ausgabe Nr. 27/2019 vom 02.07.2019, Fotos: Fauna Press, Shutterstock
Eine Gelsenplage kommt auf uns zu
So halten Sie sich die Plagegeister vom Leib

+ Sorgen Sie in Ihrer Umgebung dafür, dass Gelsen keine Brutstätten für die Ablage ihrer Eier finden. Blumenuntersetzer und Wasserschalen für Haustiere sollten daher mindestens einmal wöchentlich entleert werden.

+ Schützen Sie sich in Ihren Wohn- und Schlafräumen durch Insektenschutzgitter mit maximal zwei Millimeter Maschenweite.

+ Bei starker Mückenbelastung tragen Sie helle, langärmelige Kleidung und lange Hosen, wenn Sie sich am Abend im Freien
aufhalten.
Vorsicht, Invasion
Es gehört zum Sommer wie Sonne, Eis und Freibad – das leise und nervige Summen, das einem die Erholung schnell verderben kann. Gefühlt gibt es Gelsen wie Sand am Meer. Doch heuer steht uns laut Stechmückenexperten sogar eine „biblische Plage“ mit mehr als einer Billion Quälgeistern bevor.
Fortuna lächelt, doch sie mag nur ungern voll beglücken; schenkt sie uns einen Sommertag, so schenkt sie uns auch Mücken“, schrieb schon der berühmte deutsche Dichter Wilhelm Busch.

Und in diesem Sommer wird‘s mit den lästigen Plagegeistern besonders schlimm.

Grund für die billionenfache Vermehrung der Gelsen ist das feuchte Mai-Wetter und die zahlreichen Überschwemmungen, zuletzt etwa im Westen unseres Landes.

„Allein in einem Liter Überschwemmungswasser habe ich schon mehr als 4.000 Gelsenlarven gefunden“, erklärt der Zoologe Dr. Bernhard Seidel. Dazu kommen die Abertausenden gut gefüllten Regentonnen, die auch jeweils mehr als eine Million Gelsen hervorbringen.

Die Übeltäter sind aber nicht nur die Überschwemmungsgelsen. „Sie haben nur einen kurzen Lebenszyklus und die Plage wäre in den ersten Juliwochen schon wieder am Abklingen“, sagt Seidel.

Es sind vor allem auch die eingeschleppten tropischen Arten, die Probleme machen. Hinzu kommt, dass die „Gelsen-Invasoren“ das West-Nil-Virus übertragen können, was bei Menschen mit schwachem Immunsystem zu schweren Beschwerden führen kann. Glücklicherweise ist das Erkrankungsrisiko bei uns noch äußerst gering. „In Summe konnten seit 2009 nur 54 West-Nil-Virus-Infektionen nachgewiesen werden. Zehn davon waren importiert“, heißt es von Seiten der Gesundheitsbehörde.

Weltweit gibt es 2.500 Arten von Stechmücken. In unserem Land sind etwa 40 heimisch, die sich alle recht ähnlich sehen. Die bekannteste ist die gemeine Hausgelse, die vor allem während der Dämmerung und nachts lästig wird. Sie verbringt den Winter auf Dachböden sowie in Kellern und wird aktiv, sobald die Temperaturen steigen. Bei den Überschwemmungsgelsen hingegen überwintern die Eier. Kommen sie mit Wasser in Berührung, schlüpfen die Larven.

Unter den vielen Gelsenarten gibt es allerdings auch eine relativ neue. Die asiatische Buschmücke ist erst vor zwei Jahren eingewandert und mittlerweile flächendeckend in Niederösterreich verbreitet. „Sie ist robuster als andere, entwickelt sich früher und stirbt später“, erklärt der Gelsenfachmann.

Ein widerstandsfähiger Neuankömmling ist auch die Asiatische Tigermücke, die ebenfalls Krankheitserreger übertragen kann und in Italien bereits die einheimischen Arten zu verdrängen droht. „Bei uns ist sie noch nicht so weit, dass sie überwintern und stabile Populationen aufbauen kann“, berichtet Dr. Bernhard Seidel.

Die asiatischen Gelsenarten kamen allerdings nicht mit dem Klimawandel zu uns. Vielmehr ist es der weltweite Handel, der ihre Ausbreitung ermöglichte. Im Fall der Tigermücke waren es alte Autoreifen aus Asien.

„Sie wurden im Freien gelagert, Regenwasser blieb darin stehen und aus den Eiern schlüpften die Gelsen“, erklärt der Experte. Aber auch der Glücksbambus erwies sich als ideale Brutstätte, da er in Wasserbehältern verkauft wird. Eine Einladung für die Weibchen, dort ihre Eier abzulegen.

Natürlich sind sie lästig, diese summenden Insekten mit den langen Beinen, die wir immer eine Sekunde zu spät erwischen. Allem Ärger zum Trotz haben Gelsen aber auch nützliche Seiten. Die Blutmahlzeit benötigen schließlich nur die Weibchen für ihre Eierproduktion. Die Männchen ernähren sich von Nektar und helfen so nebenbei bei der Bestäubung von Pflanzen. Hwie
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