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Ausgabe Nr. 26/2019 vom 25.06.2019, Foto: picturedesk.com
Heinrich Himmer, Paul Kimberger
Drei Probe-Monate für neue Lehrer?
Die „Spuck-Affäre“ an der HTL Ottakring (Wien) ist nur die Spitze des Eisberges. Lehrer warnen seit Jahren vor zunehmender Gewalt in den Schulklassen und fordern mehr Unterstützung. An der betroffenen HTL wurden als Konsequenz vier Schüler vom Unterricht ausgeschlossen. Der befristete Dienstvertrag des Lehrers wird nicht verlängert, „da die pädagogisch nötige Eignung nicht gegeben ist.“ Der Wiener Bildungsdirektor Heinrich Himmer will zudem eine dreimonatige Probephase für Lehrer.
JA: Heinrich Himmer,
Wiener Bildungsdirektor

„Wer in der Privatwirtschaft eine Stelle als Buchhalter antritt, ist damit konfrontiert. Wer in einem Handelskonzern als Verkäuferin beginnt, muss auch meist damit rechnen. Die Rede ist von einer Probephase, in der Arbeitnehmer und Arbeitgeber sich davon überzeugen können, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Wer mit unserem kostbarsten Gut, unseren Kindern, arbeiten möchte und eine Stelle als Lehrer antritt, der kennt eine solche Probezeit nicht. Deshalb habe ich den Vorschlag gemacht, künftig auch für Lehrer drei Probe-Monate einzuführen. Wer so etwas fordert, muss auch mit Kritik rechnen. So wird darauf verwiesen, dass Lehrer schon jetzt zu Beginn ihrer Berufslaufbahn nur einjährig befristete Verträge bekommen. Ja, das stimmt. Aber ein Jahr, in dem es ,einfach nicht funktioniert‘, kann lange sein für junge Menschen, die gerade mitten in ihrer Entwicklung stehen. Gerne wird auch argumentiert, dass eine solche dreimonatige Probezeit einer Gesetzesänderung bedarf. Dann soll man das Gesetz eben ändern. Abschließend möchte ich festhalten, dass die allermeisten Lehrer von einer solchen Probezeit gar nicht negativ betroffen wären. Denn 99,9 Prozent leisten phantastische Arbeit.“

NEIN: Paul Kimberger,
Pflichtschullehrer-Gewerkschaft

„Diese Maßnahme hilft uns überhaupt nicht gegen die Gewaltphänomene in manchen unserer Klassen. Das ist ein breites Spektrum. Es beginnt mit verbaler Gewalt, und geht über die Gewalt in sozialen Netzwerken bis hin zu körperlicher Gewalt unter Schülern aber auch immer öfter gegen Lehrer. Aus meiner Sicht ist hier null Toleranz angesagt, Gewalt hat in der Schule nichts verloren. Deswegen brauchen wir effektivere Maßnahmen, mehr Unterstützung und Respekt gegenüber Lehrern, damit wir diese Gewaltphänomene in den Griff bekommen. Heinrich Himmer hat jedoch allen Ernstes gemeint, dass er eine leichtere Kündigungsmöglichkeit für junge Lehrer vorschlägt. In diesem Zusammenhang ist das an Skurrilität nicht zu übertreffen. Junge Lehrer bekommen sowieso nur einen befristeten Vertrag, es laufen auch immer wieder Verträge aus. Zudem beginnen wir jetzt mit einer sogenannten Induktionsphase im Rahmen der neuen Lehrerausbildung. Dabei werden sie von erfahrenen Pädagogen begleitet und auch bewertet. Wenn dort die Bewertung nicht stimmt, wird es ohnehin nichts mit einer
Weiterverwendung an einer Schule.“
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