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Ausgabe Nr. 26/2019 vom 25.06.2019, Fotos: picturedesk.com, Alentejo Tourism
Den Alentejo erkunden
Anreise: Flug nach Lissabon, dann weiter mit dem Mietwagen.
Unterkünfte auf dem Land, den „Montes“: www.herancasdo-alentejo.net, www.casasbrancas.pt, weitere Informationen über die Region auf www.visitalentejo.pt/de
Herrliche Strände laden zum Baden ein.
Weites Land und süße Trauben
Eine abwechslungsreiche Landschaft bietet die portugiesische Region Alentejo. An einem Tag ist es möglich, ein Bad im Atlantik zu nehmen, Delfine zu beobachten, römische Kultur zu sehen und abends mitten im Weinberg zu nächtigen. Die größte Region Portugals bietet viel Natur, Geschichte, gute Weine und eine vorzügliche Küche.
Was haben Weinflaschen und die Raketen der amerikanischen Weltraumbehörde NASA gemeinsam“, fragt Luís Dias gerne seine Gäste bei deren Ankunft. Er gibt ihnen etwas Zeit zum Überlegen. „Sie wissen es nicht?“, hakt der Portugiese nach und lenkt den Blick der Besucher in einen Wald voller Korkeichen. „Die Weinflaschen werden mit Kork verschlossen und die Raketen sind mit Kork gedämmt“, schmunzelt Dias.

Der Portugiese bewirtschaftet das Landgut Herdade das Barradas da Serra in Grãndola in der Region Alentejo. Wer an Portugal denkt, hat sogleich die südlichste Region Algarve im Sinn oder die Hauptstadt Lissabon. Aber kaum jemand kennt die Region Alentejo, die im Norden an die Algarve grenzt. Sie die größte Region des Landes und nimmt ein Drittel der Fläche Portugals ein. Im Osten grenzt der Alentejo an Spanien, im Westen liegt der Atlantische Ozean.

Die wichtigste Einnahmequelle ist die Landwirtschaft, zu der auch die Korkproduktion gehört. Mehr als die Hälfte der Weltproduktion kommt aus Portugal. „Die Korkeiche ist der einzige Baum, dessen Rinde am lebenden Stamm geerntet wird, ohne den Baum zu töten. Die Borke der Korkeiche wächst immer wieder nach“, erzählt Dias.

Aber erst wenn der Baum 25 Jahre alt ist, kann mit der Korkernte begonnen werden. „Der Stamm wird dabei mit einer rasiermesserscharfen Axt geschält. Im Normalfall erholt sich der Baum und die Borke kann nach zehn Jahren erneut geerntet werden.“ Aus dem Kork lassen sich Handtaschen, Geldbörsen, Körbe und Hüte herstellen, wie bei einem Spaziergang durch die Gassen von Grãndola zu sehen ist. Aus Kork werden aber auch Stoppeln für Weinflaschen gemacht, in denen vor allem Rotwein lagert. Hier wachsen die aromatischen Trauben der Sorten Aragonez, Castelão und Syrah. Sie kommen im Sommer mit wenig Wasser aus und trotzen den heißen Temperaturen.

Einige Winzer keltern in Tonamphoren, den sogenannten Talhas. In diesen Gefäßen haben bereits die Römer Wein hergestellt, die den Weinbau in die Region gebracht haben. Sie hinterließen ihre Spuren auch in der Stadt Évora, der Hauptstadt von Alentejo. Évora ist das kulturelle Zentrum der Region. Die Altstadt wurde zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. „In der Altstadt befindet sich ein römischer Tempel. Es gibt aber Gebäude aus allen Jahrhunderten“, erzählt Touristenführer Libanio Murteira Reis.

Die Hauptattraktion ist die Knochenkapelle. „Sie war früher ein Rückzugsort für Mönche. Doch vor 400 Jahren wurde entschieden, dass hier die Gebeine von 5.000 Einwohnern ihre letzte Ruhestätte bekommen sollen“, sagt Reis.

Die Lebenden dagegen tummeln sich im Sommer gerne an der Küste. In Alentejo wechseln sich Felsklippen mit endlos scheinenden flachen Sandstränden ab. Während sich an der benachbarten Algarve Urlauber an den Stränden drängen, sind die sandigen Streifen des Alentejo oft menschenleer. Einer der sehenswertesten Strände liegt nur 30 Kilometer von Lissabon entfernt. Der Strand von Comporta bietet kristallklares Wasser und einen breiten Sandstrand. Keine Bausünde aus Beton trübt die Aussicht, nur kleine Bars und Restaurants aus Holz sorgen für kulinarische Genüsse. Neben Fisch ist „migas“ das wichtigste Gericht in Alentejo. Brotbrösel werden mit Knoblauch und Olivenöl solange erhitzt, bis die Brösel das Öl vollständig aufgesogen haben. Beim Rollen der Masse wird dann Schweinefleisch hinzugefügt.

Da mit vollem Magen der Weg ins Wasser eher gemieden werden sollte, geht es an Bord eines Katamarans hinaus aufs Meer, um Delfine zu beobachten. In der Mündung des Sado-Flusses leben 27 Delfine. „Es handelt sich um Große Tümmler“, erzählt Maria Joao Fonseca von der Tourismus-Organisation „Vertigem Azul“. Gemeinsam mit Pedro Narra bietet sie von der Hafenstadt Setúbal das ganze Jahr hindurch Ausfahrten an. „Die Delfine sind ortstreu und an der Flussmündung anzutreffen. Das ist einzigartig in Portugal“, erklärt Fonseca.

Einen der Delfine können Besucher sogar mit Namen ansprechen. „Der Älteste der Gruppe ist leicht an der hellgrauen Finne zu erkennen. Wir haben ihn ,Raiz‘ getauft, er ist etwa 45 Jahre alt“, zeigt Pedro Narra auf einen Delfin, der gerade Luft holt. Drei Stunden dauert ein Ausflug mit dem Katamaran (35 Euro pro Person, Kinder 20 Euro).

Wer nach Alentejo kommt, nächtigt in kleinen Hotels oder in „Montes“. Das sind ehemalige Höfe von Großgrundbesitzern. Wer will, kann auch bei Luís Dias absteigen, ab 90 Euro pro Zimmer. Die Frage nach dem Kork der NASA inbegriffen.
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