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Ausgabe Nr. 26/2019 vom 25.06.2019, Fotos: AdobeStock
Bei Hautkrankheiten, Atemwegsleiden und als Wohltat für die Seele
Mit Vorsicht. Blutige Wunden können sich beim Baden im Meer infizieren.
Das Meer macht uns gesund
Malediven, Karibik oder das Mittelmeer. Ein Strandurlaub steht für viele Menschen ganz oben auf der jährlichen Sommer-Wunsch-Liste. Das ist kein Zufall, denn instinktiv wissen wir, ein Aufenthalt am Meer tut uns gut. Ärzte und Wissenschaftler können das beweisen.
Eine Brise Meeresluft, Salz auf der Haut und das Rauschen der Wellen. Für viele Menschen ist das der „Geschmack von Urlaub“. Tatsächlich ist die Reiselust an die schönsten Strände dieser Welt ungebrochen, wie eine Umfrage am Beginn der diesjährigen Ferienmesse in Wien zeigte. Die einst beliebteste Sommerdestination Türkei kommt dieses Jahr stark zurück, Kreuzfahrten sind heiß begehrt und stünden mehr Geld und Zeit zur Verfügung, lägen die Malediven bei den Reisezielen an erster Stelle.

Für Ärzte und Wissenschaftler ist die „magische“ Anziehungskraft des Meeres kein Geheimnis, wie die folgenden Beispiele zeigen. Und der griechische Dichter Euripides würde sich bestätigt fühlen. Schrieb er doch bereits im fünften Jahrhundert vor Christus, „das Meer reinigt uns von allen Krankheiten.“

Das Tote Meer – ein Paradies für Hautkranke

Sein Wasser schimmert in den schönsten Grün-, Türkis- und Blautönen und ruft nur einen Wunsch hervor, einmal kräftig einzutauchen. Doch das Tote Meer ist weder ein Platz zum Schwimmen noch zum Tauchen. Schon wenige Schlucke des stark salzhaltigen Meerwassers können tödlich sein. Das Tote Meer ist „nur“ ein Kurort, in dem Menschen mit rheumatischen Beschwerden und Hauterkrankungen wie Schuppenflechte (vorzugsweise auf dem Rücken liegend) Erleichterung finden.

„Das Geheimnis der Behandlungserfolge basiert auf den besonderen heilklimatischen Bedingungen“, verrät Dr. Marco Harari, Chefarzt des Deutschen Medizinischen Zentrums in dem Städtchen En Bokek (Israel), das jährlich von rund 150 Menschen aus unserem Land aufgesucht wird. „Das Wasser des Toten Meeres hat drei Mal so viel Salzgehalt wie das Mittelmeer. Seine Temperatur beträgt etwa 30 Grad und es enthält wichtige Mineralstoffe wie Magnesium, Brom, Kalzium, Kalium, natürliches Pech, auch Bitumen genannt, und Schwefelquellen. Diese spezielle Zusammensetzung bringt überdurchschnittliche Behandlungserfolge. Mehr als neunzig Prozent der stark betroffenen Hautpatienten verlassen die Klinik erscheinungsfrei oder nahezu vollständig gebessert.“ Für Experten steht daher fest, eine Salz-Lichttherapie am Toten Meer sei für alles, was „juckt und kratzt“, die beste Medizin.

Beim Strandspaziergang tief Luft holen

Von der natürlichen Heilkraft des Meeres profitiert nicht nur erkrankte Haut. Nase, Bronchien und unsere Lunge spüren nicht weniger die wohltuende Wirkung der mit Mineralstoffen und Spurenelementen angereicherten Luft, versichert Dr. Reinhard Patzke, Allergologe, Umweltmediziner und Facharzt für physikalische und rehabilitative Medizin an der Nordsee-Reha-Klinik Goldene Schlüssel in St. Peter-Ording (D).

„Die Meeresluft enthält Salzwassertröpfchen, die sich je nach Größe im Nasen-Rachenraum anreichern oder bis in die Lungenbläschen vordringen. Das Salzgemisch wirkt leicht reizend, wodurch sich Schleim aus den Atemwegen löst. Hinzu kommt eine ebenso leicht entzündungshemmende Wirkung. Bei Menschen mit Asthma, chronischer Bronchitis oder Nasennebenhöhlenentzündung lindert das spezielle Meeresklima die Beschwerden. Allergikern kommt zugute, dass die Luft am Meer arm an Pollen und Schadstoffen ist.“ Die beste Wirkung auf die Atemwege wird an der (rauen) Nord- und Ostsee erreicht, wenn der Aufenthalt drei bis vier Wochen dauert und nicht auf der „faulen Haut“ gelegen, sondern fleißig am Strand spaziert wird.

Das Meer – Balsam für Geist und Seele

Ein Spaziergang am Meer wirkt wohltuend, entspannend und ausgleichend. Dieses Gefühl ist keineswegs Einbildung, meinen Forscher der Koreanischen Gesellschaft für Radiologie. „Es zeigte sich bei unserer Studie, dass ein Aufenthalt am Meer stimulierend auf das Gehirn wirkt. Es wird angeregt, Serotonin, Dopamin und Oxytocin zu produzieren, die eine wichtige Rolle für unser Wohlergehen und Glücksempfinden spielen“, heißt es im Endbericht der Studie. Andere Studien belegen, dass der Blick auf das Meer sogar bei Depressionen helfe. Wissenschaftler haben weiter festgestellt, der Blick aufs Meer aktiviert diejenigen Bereiche im Gehirn, die für eine positive Einstellung, schöne Erinnerungen und emotionale Ausgeglichenheit zuständig sind. Und das ist noch nicht alles. Zwei weitere Tests bestätigten, dass sich Menschen, die Bilder vom Meer betrachten, bei Prüfungen besser konzentrieren können als nach dem Anblick von Bildern, die Städte zeigen, und dass Blau weltweit die beliebteste Farbe ist.

Viel Omega-3-Fettsäuren in Seefischen

Gesundes liefert das Meer auch für unseren Speiseplan, denn im Fett vieler Meeresfische ist ein überdurchschnittlich hoher Anteil an Omega-3-Fettsäuren zu finden. Zu diesen fettreichen Fischen gehören Lachs, Hering, Makrele und Thunfisch. Omega 3 soll den Blutdruck und die Herzfrequenz senken und Ablagerungen in Venen und Arterien vermindern. Vor allem im Meer lebende Fische sind außerdem ein wichtiger Lieferant an Jod, das eine zentrale Aufgabe für eine intakte Schilddrüse erfüllt und für den Hormonhaushalt essenziell ist. Ein Erwachsener kann die empfohlene Tagesmenge (200 Mikrogramm) davon beispielsweise mit nur 100 Gramm Seelachs abdecken. Um in den Genuss dieser Vorteile zu kommen, müssen wir mindestens zwei Portionen Seefisch zu je 150 Gramm pro Woche essen, lautet die Empfehlung der Nationalen Ernährungskommission.

„Geh einfach ins Meer baden“

Nur in einem Punkt wird die Heilkraft des Meeres von der modernen Medizin zumindest angezweifelt. Offene, frische Wunden sollten nicht mit Meerwasser „behandelt“ werden.

Der über Generationen erteilte Ratschlag „Geh ins Meer baden“, um Verletzungen zum Heilen zu bringen, habe ausgedient. Der Grund, Salzwasser kann einer offenen Wunde schaden. Untersuchungen hätten gezeigt, dass Wunden bei Tauchern wesentlich schlechter heilen. Verständlich, denn im Meerwasser tummeln sich zahlreiche Bakterien und Mikroorganismen, die in die Wunde gelangen und eine Infektion auslösen können. Hinzu kommt, Meerwasser kann in Wunden höllisch brennen. Wundexperten raten daher, zu warten, bis die Wunde geschlossen ist und sich im Heilungsprozess befindet.
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