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Ausgabe Nr. 26/2019 vom 25.06.2019, Foto: zvg
Abenteurer und „Money Maker“- Moderator Alexander Rüdiger, 49
„Den Schmerzen kann ich nicht davonlaufen“
Sein jüngstes Lauf-Abenteuer beim härtesten Marathon der Welt brachte ihn an seine Grenzen. Doch Alexander Rüdiger, den Moderator der sommerlichen „Gelddusche“-Show „Money Maker“, kann so schnell nichts umhauen. Durch seine chronische Erkrankung hat er gelernt, mit seinen Schmerzen umzugehen.
Gesundheitlich war es eine ziemliche Herausforderung für mich. Zum Everest-Basislager möchte ich nicht wieder hin“, sagt Alexander Rüdiger. Er meint damit sein jüngstes Abenteuer im Himalaya-Gebirge in Nepal, wo der Tod in Form von Verunglückten, die mit dem Hubschrauber abtransportiert werden, allgegenwärtig ist. Der „Tenzing Hillary Everest Marathon“ am höchsten Berg der Welt brachte den 49jährigen Wiener an seine Grenzen. Im Mai absolvierte der Extremsportler einen der weltweiten härtesten Laufbewerbe, und zwar den Everest-Marathon mit einem Startpunkt auf 5.365 Metern über dem Meeresspiegel.

„Leider hat mein Körper die hygienischen Bedingungen samt erschreckend spartanischer Toiletten-Situation ebensowenig verkraftet wie das Essen. In Nepal lagern bedauerlicherweise an vielen Orten neben den Häusern Tonnen von Plastikmüll, Berge von Alu-Dosen und zahlreiche Autowracks“, schildert Rüdiger die dort herrschenden Zustände. Allerdings liege das Problem, auch am Berg, weniger bei den massenhaften Touristenströmen, vielmehr handle es sich um „den hausgemachten Dreck der Nepalesen. Als Tourist suchst du oft vergebens einen Mistkübel. Ich hoffe für dieses wunderschöne Land und seine freundlichen Bewohner, dass sich die Standards bald bessern werden“, sagt Rüdiger.

Schon beim Aufstieg zum Basislager bekam er die hygienischen Missstände am eigenen Leib zu spüren. „Ich litt an Extremdurchfall und behielt kaum noch Flüssigkeit bei mir. Am Tag vor dem Lauf fühlte ich mich dehydriert und war fast nicht fähig, zehn Schritte zu tun.“ Umso unfassbarer ist für ihn das Ergebnis. Mit sechs Stunden, 42 Minuten und 24 Sekunden belegte er unter 176 Teilnehmern den vierten Platz in der internationalen Rangliste, da die Sherpa-Nepalesen extra gewertet werden.

„Mit sieben Kilo weniger und völlig geschwächt, wurde ich nach meiner Rückkehr im Spital Stockerau (NÖ) mit Infusionen aufgepäppelt“, erzählt er. Den Gipfel des Everest hat Rüdiger seit diesem Erlebnis nicht mehr im Visier. Er peilt die etwas weniger frequentierten Gipfel der 14 weltweit höchsten Berge an.

Ein Kämpfer war der Abenteurer und Moderator schon immer. Vor 15 Jahren wurde bei Rüdiger Arthrose, eine Erkrankung der Gelenke, diagnostiziert. „Angefangen hat es mit Schmerzen in den Knien“, erinnert sich der 49jährige. Damals hat er beschlossen, sich nicht verrückt machen zu lassen und die Krankheit zu ignorieren. Auch hat er gespürt, dass sein Kopf, seine mentale Kraft, stärker ist als seine Krankheit. „Mittlerweile habe ich überall Schmerzen, nicht nur in den Knien, auch in der Hüfte und den Bandscheiben. Die Arthrose ist bei mir im letzten Stadium. Wenn ich laufe, geht es mir jedoch gut. Ich kann meinen Schmerzen nicht davonlaufen, aber ich habe gelernt, mit ihnen umzugehen.“

Seine Ärzte hielten es für unmöglich, in seinem gesundheitlichen Zustand Marathon zu laufen. Einige rieten ihm sogar ab, weiterzulaufen. Sie mussten ihre Meinung revidieren. Denn im Jahr 2013 schaffte Rüdiger beim „Vulkan Marathon“ in Chile den dritten und den sechsten Platz beim Nordpol Marathon in der Arktis. Im Jahr 2014 freute er sich über den neunten Rang beim Marathon auf der Großen Mauer in China. Und 2018 wurde er beim ägyptischen Marathon in Luxor ebenso Dritter wie beim „Antarktic Ice Marathon“.

Wobei sein härtester Bewerb der ORF-„Money Maker“-Marathon sei, betont Rüdiger. „In den nächsten Wochen heißt es für mich, top-fit zu sein, gut zu funktionieren und ich darf mir kein falsches Wort erlauben.“ Seit 2007 moderiert Rüdiger die Spielshow, bei der die Kandidaten versuchen, in einer Gelddusche so viele Euro-Scheine wie möglich einzufangen. Am 1. Juli geht die Show in ihre letzte Runde, denn am 25. August wird der Geldhahn im Windkanal für immer zugedreht. Danach ist Schluss mit dem Geldscheffeln, was der „Mann mit dem grünen Sakko“ zum Anlass nimmt, sich für „Spitzen-Quoten“ zu bedanken. „Schade drum, denn ,Money Maker‘, nur für zwei Jahre geplant, hielt sich rekordverdächtige 24 Jahre.“

Was jetzt auf den 49jährigen zukommt, ist „das Zurückgeben meiner Erfahrungswerte“, wie er es nennt. „Am 17. Oktober, an meinem fünfzigsten Geburtstag, werde ich meine Biografie ,VollERleben – Keine Zeit zu verlieren‘ im Stift Melk präsentieren“, kündigt Rüdiger an.

Das niederösterreichische Stift hat aufgrund Rüdigers Leidenschaft fürs Pilgern eine besondere Bedeutung. „Jeder, der etwas verarbeiten möchte, möge sich bitte auf den Jakobsweg begeben. Gute Schuhe und gute Socken anziehen, den Rucksack schnappen und losmarschieren“, empfiehlt der begeisterte Weitwanderer. Und er gesteht, wäre er nicht so oft auf die Nase gefallen, hätte er kein dermaßen positives Lebensgefühl. „Mein Vater hat sich laut meiner Familie das Leben genommen, als ich zwölf war. Damals bin ich in eine schlechte Gesellschaft geraten und habe mich mehr in den U-Bahn-Stationen als zu Hause aufgehalten. Als meine Mutter mit 65 Jahren an Parkinson starb, entwickelte ich ein Gefühl, ich nenne es einen Gottglauben, der mir sagt, dass letztlich alles gut wird. Um meinen Sohn musste ich sieben Jahre lang kämpfen. So lange wusste Yannick nichts von meiner Existenz. Nun ist er 15 und unsere Vater-Sohn-Beziehung könnte nicht besser sein. Er gehört mit zu meinem Glück wie meine Lebensgefährtin Romana.“
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