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Ausgabe Nr. 25/2019 vom 17.06.2019, Foto: privat, Horst Dokal
Eytan Reif, Andrea Pinz
Pflichtfach Ethik ab der Volksschule?
Es war eines der Vorzeigeprojekte der türkis-blauen Regierung. Ab dem Schuljahr 2020/21 sollten Oberstufen-Schüler, die keinen Religionsunterricht besuchen, im Ersatzfach Ethik sitzen. Im Parlament wurde das neue Unterrichtsfach zwar noch nicht beschlossen, die Vorbereitungen laufen aber weiter. Die Initiatoren des Volksbegehrens „Ethik für ALLE“ wollen hingegen ein Pflichtfach Ethik für alle Schüler ab der ersten Volksschul-Klasse. Dafür sammeln sie Unterstützungserklärungen.
JA: Eytan Reif,
Volksbegehren „Ethik für ALLE“

„Wir leben im Zeitalter der Informationsflut, der ökologischen Verwerfungen, der Migrationsströme und des Wandels der Beziehung des Individuums zur Gesellschaft. Die Grenze zwischen Möglichkeit und Machbarkeit verschwindet zudem zusehends und neue grundlegende Fragen des menschlichen Miteinander stehen im Raum. Dass gerade vor diesem Hintergrund auch die Schule,
ergänzend zur Familie, einen Beitrag zur Orientierung, zum Wertebewusstsein und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt zu liefern hat, steht außer Frage. Dass die Vorstellungen von gestern am besten geeignet sind, die Fragen von morgen zu beantworten, ist aber zu bezweifeln. Die Tage der Religionen als allgemein anerkannte sinnstiftende Autoritäten einer Gesellschaft sind längst
vorbei. Die Republik muss daher, der pluralistischen Demokratie und einer gelungenen Integration verpflichtet, die Hauptverantwortung für die schulische Wertevermittlung endlich übernehmen. Dies wird aber nur mithilfe eines für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtenden Ethikunterrichtes möglich sein. Und zwar ab der Volksschule und unabhängig vom Religionsunterricht.“

NEIN: Andrea Pinz,
Schulamt der Erzdiözese Wien

„Kinder bereits ab dem Volksschulalter ethisch zu bilden, ist schon jetzt Aufgabe der gesamten Schule und ein Unterrichtsziel, das nur begrüßt werden kann. Die
Forderung, alle Schülerinnen und Schüler, also auch jene, die schon den Religionsunterricht besuchen, zusätzlich zu einem Ethikunterricht zu verpflichten, ist aber wenig zielführend. Übersehen wird dabei, dass der Religionsunterricht schon jetzt in allen Schulstufen Ethik vermittelt, ohne sich darin zu erschöpfen. Nächstenliebe, die Einzigartigkeit jedes Menschen oder
Schöpfungsverantwortung, diese christlichen Werte können junge Menschen im Religionsunterricht kennenlernen,
bedenken und mit anderen Positionen in Verbindung setzen. Inhalt des Unterrichtes sind aber auch Grundwerte anderer Religionen oder Weltanschauungen. Ein Ethikunterricht für alle, die keinen Religionsunterricht besuchen, ist legitim und sinnvoll. Ich wünsche mir kreative und zukunftsorientierte Formen der Zusammenarbeit beider Fächer, in denen miteinander und voneinander
gelernt wird.“
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