Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 24/2019 vom 11.06.2019, Foto: Universal Music
Madonna Louise Ciccone wurde am 16. August 1958 in Bay City (US-Bundesstaat Michigan) geboren. Sie galt als Musterschülerin und nahm Klavier- sowie Tanzunterricht. Ihren Durchbruch feierte sie mit dem Lied „Like A Virgin“. Weitere Hits folgten. Mit dem kubanischen Fitness-Trainer Carlos Leon hat sie die Tochter Lourdes, 22, vom britischen Regisseur Guy Ritchie Sohn Rocco, 18. Daneben adoptierte Madonna David Banda, 12, aus Malawi und drei weitere Mädchen aus diesem Land
„Eine Spionin im Haus der Liebe“
Lady Gaga und Beyoncé holen auf. Doch Madonna ist laut „Guinness Buch der Rekorde“ mit 300 Millionen verkauften Tonträgern nach wie vor die erfolgreichste Musikerin, die es je gab. Am Freitag, 14. Juni, kommt ihr 14. Album auf den Markt. Auf „Madame X“ vereint die 60jährige mehrere Stilrichtungen. Sie verschmolz dabei sogar Pop mit Klassik. Und ließ ihre Kinder mitmischen. Davon erzählt die Sängerin im Gespräch mit der WOCHE-Reporterin Katja Schwemmers ebenso wie von ihrer Begeisterung für die französische Freiheitskämpferin Johanna von Orléans. Sie selbst sei im Auftrag der Liebe unterwegs.
Wenn eine neue Platte von Madonna zur Veröffent-lichung ansteht, dann …
Moment, wer ist Madonna?

Möchten Sie lieber mit Madame X angesprochen werden?
Die Choreografin Martha Graham gab mir diesen Namen. Ich war 19 Jahre alt und absolvierte in ihrer Schule in New York (USA) eine Tanzausbildung. Sie meinte zu mir: „Jeden Tag kommst du hierher, und ich erkenne dich nicht wieder.“ Für sie schien es so, als würde ich täglich meine Identität ändern.

Haben Sie deshalb Madame X zur Titelheldin Ihres gleichnamigen neuen Albums gemacht?
Madame X ist eine Geheimagentin, eine Spionin im Haus der Liebe, die die Welt bereist, verschiedene Identitäten annimmt, Menschen inspiriert und für die Freiheit kämpft. In gewisser Weise war ich also mein ganzes Leben lang Madame X. Ich reiste um die Welt und habe das, was ich gelernt habe, mit der Welt geteilt. Ich bringe Licht an dunkle Plätze, inspiriere Menschen mit meiner Musik und meiner Kreativität. Ich bin Provokateurin und hoffentlich nie das, was Menschen von mir erwarten.

Dass Sie gerne einmal ausbrechen, haben Sie bewiesen, als Sie nach Portugal übersiedelt sind. In den vergangenen zwei Jahren hat sich überhaupt vieles in Ihrem Leben verändert.
Oh ja. Wenn mich vor zehn Jahren jemand gefragt hätte, ob ich mir vorstellen könnte, in Lissabon zu leben, wo mein Sohn dann Fußball spielt, ich zur Fußballer-Mutter werde, mir die Wochenenden auf dem Fußballplatz um die Ohren schlage und anfange, auf Portugiesisch zu singen, hätte ich diese Person ungläubig angesehen. Aber ich hatte irgendwann das Gefühl, dass wir eine Veränderung brauchen und ich wieder einmal meine Komfortzone verlassen muss.

Was hat Sie gestört?
Es ist einfach gut, in einer neuen Umgebung zu leben, versuchen zu überleben und neue Freunde zu finden. Das habe ich getan, und es führte mich zu diesem Album. Vieles von der Geschichte, die ich in den Liedern erzähle, hat mit meinem Leben in Lissabon zu tun, mit den Menschen, die ich dort traf, der Musik, die ich dort kennenlernte, und der neuen Perspektive, die ich auf die Welt bekam, in dem ich Amerika den Rücken kehrte.

Hat sich das ein bisschen angefühlt wie einst im Jahr 1979, als Sie mit ein paar Dollar in der Tasche Ihre Heimat Michigan in Richtung New York verlassen haben?
Das war anders. Ich befand damals, dass es weniger interessant sei, eine abgebrannte Tänzerin zu sein als eine abgebrannte Liedermacherin (lacht). Als ich in der Lower East Side von New York lebte, hörte ich kaum Musik – ich hatte gar nicht den Zugang dazu. Ich ging nicht viel aus, ich schaute mir keine Konzerte an. Natürlich kannte ich Debbie Harry und Chrissie Hynde, die „Talking Heads“ und David Bowie. Aber da war kein Druck für mich, irgendetwas darzustellen. Ich musste nicht wie jemand anderer klingen oder auf bestimmte Art aussehen. Pur und unverfälscht zu sein, erlaubte mir, mich als Künstlerin zu entwickeln. Was ich im Hier und Jetzt versuche, ist, mich daran zu erinnern und das junge Mädchen lebendig zu halten.

Dabei hat Ihnen Lissabon geholfen?
Es eröffnete mir eine neue Welt. Ich wurde eingeladen in die Wohnungen von Menschen, meistens waren es Künstler, die in jahrhundertealten Häusern leben. Dort veranstalten sie wöchentliche Treffen. Jeder bringt Wein oder Essen mit, überall stehen Kerzen, die Gäste sitzen um einen Tisch herum, und irgendwann greifen die Musiker zu ihren Instrumenten und fangen an zu spielen. Sie bekommen kein Geld dafür. Sie machen es nur aus Spaß, aus Liebe und Leidenschaft. Das fand ich unglaublich inspirierend.

Und jetzt singen Sie tatsächlich auf Portugiesisch?
Es musste sein. Musikstile wie Fado und Morna (eine Musik- und Tanzrichtung des afrikanischen Staates Kap Verde, Anm. d. Red.) haben mich stark beeinflusst. Ich arbeitete außerdem eng mit portugiesischen Künstlern zusammen, beispielsweise mit Dino d‘Santiago, einem portugiesischen Sänger mit kapverdischen Wurzeln. Ich fand es deshalb wichtig, in Landessprache zu singen.

Sprechen Sie denn Portugiesisch?
Leider nein. Anders als meine Kinder, die die Sprache rasch adaptierten, kenne ich gerade einmal zehn Wörter. Aber Portugiesisch ist eine wunderschöne Sprache. Auch wenn ich zugeben muss, dass es mir viel leichter gefallen ist, für dieses Album auf Spanisch zu singen.

Bei Ihrem Lied „Batuka“ taucht als Texter der Name Banda auf. Steckt dahinter David Banda, 12?
Richtig.

Ihr Sohn hat das Lied also mitgeschrieben?
Er singt auch. Alle meine Kinder singen auf dem Stück, aber nur David hat darauf bestanden, dass sein Name erwähnt wird. Wie hätte ich mich dagegen wehren sollen (lacht)?

Gab es Reibereien bei den Aufnahmen?
Im Gegenteil, es machte einfach nur Spaß – ganz ohne Ambitionen. In dem Lied sorgen die Kinder auch für die Trommeln. Sie sind alle äußerst musikalisch, sie spielen Instrumente, Mercy ist richtig gut am Klavier. Meine Kinder lieben die Musik.

Auf Ihrer Instagram-Seite zeigen Sie auch öfters Videos, in denen Ihre Kinder zu sehen sind. Es macht den Eindruck, dass Sie sich in den vergangenen Jahren geöffnet haben …
Woher wollen Sie wissen, dass ich nicht immer schon so war? Es gab vorher nur kein Instagram.

Sie hätten die Internet-Plattform Facebook nutzen können?
Ja, aber ich tat es nicht. Ich teile gerne Geschichten mit Menschen, von denen ich denke, dass sie lustig, amüsant, bedeutungsvoll oder inspirierend sind. Manchmal sind es auch alberne Sachen, manchmal intimere Geschichten.

Als Pop-Größe macht Sie das nahbarer. Gefällt Ihnen das?
Ja, schon.

Sie haben gemeint, Madame X sei eine Geheimagentin, eine Spionin im Haus der Liebe, eine starke Frau. Gab es noch andere starke Frauen, die Sie zum Album „Madame X“ inspiriert haben?
Viele. Aber vor allem Johanna von Orléans. Meine Vision war, die Geschichte des Albums durch ihre Augen zu erzählen. Es gibt einen Mittelteil im Lied „Dark Ballet“, der wie ihr Manifest anmutet. Sie hatte keine Angst, für ihre Überzeugung zu sterben. Sie war eine Freiheitskämpferin und Frauenrechtlerin. So sehe ich mich auch.

Im Lied „Killers Who Are Partying” solidarisieren Sie sich mit Schwulen, Armen, vergewaltigten Frauen, missbrauchten Kindern – und Sie prangern die Kontroverse zwischen den Israelis und den Palästinensern an. Nutzen Sie nun die Politik, um kontrovers zu sein?
Nein. Mein Anliegen ist, Ausgrenzungen zu vermeiden, Räume, die Menschen trennen, abzuschaffen, Mauern zum Einstürzen zu bringen. Ich will eine Diskussion entfachen über Bevölkerungsgruppen am Rande der Gesellschaft. Stellen Sie sich vor, wie sich das Bewusstsein im Universum verändern würde, wenn Israel und Palästina vereint wären. Das ist mein Traum. Die Idee des Liedes ist, eine geteilte Welt nicht zu akzeptieren.

Ist das nicht naiv?
Ich weiß natürlich, dass viele Menschen es anders sehen, nach der Devise: Das ist mein Gebiet, das ist meine Gruppe und meine Gruppe ist besser als deine. Meine Gruppe verdient es, zu existieren – deine nicht. Oder ich verdiene mehr als das, was du hast. Das sind Glaubenssätze, denen ich nichts abgewinnen kann. Also bringe ich in den Zeilen des Liedes Dinge zusammen, die Menschen auseinanderreißen – als Statement darüber, dass ich das Gegenteil fühle.

Stellt sich nach einer Albumproduktion ein Gefühl von Zufriedenheit bei Ihnen ein?
Zufriedenheit? Nein. Ich war nie mit irgendeinem meiner Alben vollständig zufrieden. Jedes Mal, wenn ich eine Platte von mir höre, denke ich: Ich würde gerne noch eine Kleinigkeit ändern. Aber das ist normal für mich, nie zufrieden zu sein.

Ein Lied heißt „I Don‘t Search, I Find“ – zu Deutsch: „Ich suche nicht, ich finde“. Haben Sie demnach schon alles gefunden?
Natürlich nicht – wer hat das schon? Auch mir fällt nicht alles in den Schoß. Das Leben ist eine kontinuierliche Suche und Reise. Die Zeile ist ironisch gemeint, weil ich ein rastloser Typ bin. Das hängt mit meiner Neugier zusammen.

Sind Sie nie entspannt?
Nein, nie. Wobei, gelegentlich bin ich es doch, wenn ich mir einen guten Film ansehe.

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
Das polnische Filmdrama „Cold War – Der Breitengrad der Liebe“. Der ist richtig gut.

Haben Sie schon Pläne, was Sie als Nächstes machen wollen?
Nach meiner Theater-Tour meinen Sie? Ich würde gerne mehr Filme machen. Das wäre mir wichtig. Das Filmemachen reizt mich sehr.

Gibt es einen Regisseur, mit dem Sie gerne zusammenarbeiten möchten?
Ich bin der Regisseur.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung