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Ausgabe Nr. 24/2019 vom 11.06.2019, Foto: Danny Clinch
Bruce Springsteen
Auf ein Bier mit dem Boss
Er ist der Boss. Er sagt, wo es langgeht. Gewöhnlich macht dies Bruce Springsteen bei seiner „E Street Band“. Doch der 69jährige Amerikaner hat dieses Mal auf die Hilfe seiner Kollegen verzichtet. Für sein 13 Lieder umfassendes neues Album „Western Stars“ (kommt am Freitag, 14. Juni, in den Handel) hat der Boss 20 andere Musiker aufgeboten. Auch seine Frau Patti Scialfa ist mit dabei. „Sie agiert bei vier Liedern als Hintergrundsängerin“, sagt Springsteen.
Ihm ist mit seinem neuen Werk eine angenehme Abwechslung gelungen. Keiner seiner Songs ist politisch, kein Burn-out wird thematisiert, es gibt keine großen Dramen. Dafür entführt Springsteen den Zuhörer in eine Welt von Männern. Es sind starke, schwache, unsichere, glückliche Männer, die abends in ihren Vorgärten sitzen und Bier trinken. Die mit Zügen („Tuscon Train“), dem Auto („Hitch Hikin‘“) oder dem Lastwagen („Sleepy Joe‘s Café“) durch ein Amerika reisen, das ein besseres Amerika war – vielleicht ist sie hier doch noch, die politische Komponente. Die Straßen in diesen Liedern schimmern goldbraun und ein Pärchen bewundert einen malerischen Sonnenuntergang („Moonlight Motel“), bevor die Wirklichkeit aus „Kindern und Rechnungen“ die Romantik ablöst. Die Liebe bleibt trotzdem bestehen.

Unterhaltsame 50 Minuten bietet der 69jährige seinen Anhängern. Er stellt damit wieder einmal unter Beweis, dass es nicht nötig ist, Noten lesen zu können, um ein Großer im Musikgeschäft zu sein. „Ich schreibe meine Texte auf Papier, meine Melodien summe ich ins Diktiergerät oder in mein Mobiltelefon“, erklärt Springsteen. „Ich darf gar nicht daran denken, wie oft ich schon ins Telefon gesungen habe. Darüberhinaus besitze ich eine umfangreiche Sammlung von Kassetten meines Diktiergerätes. Auf diese Sammlung greife ich zurück, wenn ein neues Album entsteht und ich beim Schreiben nicht weiterkomme.“

Die Lieder für „Western Stars“ hat er bereits im Jahr 2018 aufgenommen, weil ein früherer Veröffentlichungstermin für das Album geplant war. Aber dann kam Springsteen der Broadway in New York (USA) dazwischen. Vor allem aber sein Erfolg in dem für seine Verhältnisse vergleichsweise kleinen Theater, in dem er von Dienstag bis Samstag auftrat. Nur rund 1.000 Menschen passten hinein. Obwohl die Preise für die Eintrittskarten bis zu 1.400 Dollar kosteten, war seine Show immer ausverkauft. Mehr als 200 Mal begeisterte er sein Publikum, bis Mitte Dezember des Vorjahres. Es war für Springsteen eine neue Erfahrung. „Noch nie zuvor habe ich an fünf Tagen in der Woche gearbeitet“, meinte er mit einem Lächeln.

Der im Bundesstaat New Jersey geborene Künstler ist ungebrochen populär. Seine Musik, der er im Alter von sechs Jahren verfallen ist, begeistert seit Jahrzehnten die Menschen. Mehr als 60 Millionen verkaufte Alben belegen dies eindeutig. Dabei sei er nur ein einfacher Gitarrist auf den Straßen seiner Heimatstadt Asbury Park gewesen, sagt Springsteen, der eines Abends als Kind vor dem Fernseher saß und einen Auftritt von Elvis Presley miterlebte.

„Diese Entdeckung des Rock ‘n‘ Roll war unglaublich. Ich kann heute noch den Rausch der Gefühle abrufen, die sich bei mir einstellten, als ich das erste Mal diese Musik hörte.“ Mit „Western Stars“ hat der dreifache Vater zwar ein wenig Abstand von den harten Rhythmen genommen. Es ist ein Lagerfeuer von einem Album. Es tut gut, es wärmt, es prasselt sich sanft in die Seele, es steckt voller wunderbarer Lieder von der Sehnsucht, vom Vermissen und sich Aufs-Wiedersehen-Freuen.

Als Alterswerk sollte das neue Album aber nicht verstanden werden. Gerade hat Bruce Springsteen, der am 23. September 70 Jahre alt wird, angekündigt, im Herbst ein neues Rock-Album mit seiner „E Street Band“ aufzunehmen und 2020 wieder auf Tournee zu gehen.
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