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Ausgabe Nr. 23/2019 vom 04.06.2019, Fotos: duty, Morlock
Dr. Philipp Maurer, Mieter im Altbau, rät aus eigener Erfahrung. Bei Mietproblemen helfen die Mietvereinigung, die Mieterhilfe Wien, der Mieterschutzverband oder die AK
Emma Stingl wird von ihrem Vermieter
abgezockt.
Die miesen Tricks der Vermieter
Wohnen wird immer teurer und das Vorgehen der Vermieter trotzdem immer dreister. Um noch mehr Miete zu verlangen, ist ihnen fast jedes Mittel Recht und sie schikanieren ihre Mieter mit verschiedenen Methoden. Die reichen von unzulässigen Mieterhöhungen bis hin zum Abdrehen von Strom und Wasser. Sogar Detektive werden auf Mieter angesetzt.
Emma Stingl ist verzweifelt. Die 48jährige Klagenfurterin wird von ihrem Vermieter regelrecht abgezockt.
„Ich lebe seit einem Jahr in einer 65 Quadratmeter großen Wohnung und zahle 687 Euro Miete, ohne Betriebskosten. Im Mai wurden mir vom Vermieter zudem 1.021 Euro vom Konto abgezogen. Ohne Vorankündigung. Als ich den Vermieter angerufen habe und fragte, was das solle, bekam ich als Antwort, das Geld sei für die Instandhaltung des Wohnhauses, deshalb musste diese einmalige Abbuchung vorgenommen werden. ‚Übrigens‘, meinte er, ‚ab nächstem Monat wird die Miete generell um 80 Euro erhöht.‘ Dann hat er ohne weitere Erklärung aufgelegt.“ Damit haben die Schikanen begonnen.

Denn als sich die alleinstehende Frau bei ihren Nachbarn umhörte, wussten die von einer solchen Mietsteigerung nichts. „Ich vermute nun, dass mir der Vermieter bewusst die hohe Miete aufgebrummt hat, weil ich ohne Partner bin und er wahrscheinlich glaubt, mit einer Frau das machen zu können. Ich verdiene als Sekretärin nur 1.270 Euro netto im Monat. Schon jetzt ist diese Wohnung für mich kaum noch leistbar. Aber wenn ich an meine Pension denke und ich dann nur noch etwa 80 Prozent meines jetzigen Einkommens habe, die Miete aber immer höher wird, bleibt mir kein Geld mehr zum Leben“, meint Stingl.

Das geht vielen Menschen in unserem Land so, ein Ende der steigenden Wohnkosten ist nicht in Sicht. In den vergangenen fünf Jahren erhöhten sich die Mieten laut Statistik Austria um 13 Prozent. Im bundesweiten Schnitt kostete eine Hauptmietwohnung im vorigen Jahr 7,80 Euro pro Quadratmeter und Monat, 2,10 Euro davon entfielen auf die Betriebskosten. Am teuersten sind Salzburg (9,20 Euro), Vorarlberg (9,– Euro) und Tirol (8,70 Euro). Erst dahinter folgt Wien mit im Schnitt 8,30 Euro. Am billigsten wohnen Burgenländer (5,90 Euro) und Kärntner (6,20 Euro).

Stingl holt sich indes rechtlichen Beistand. Ein Schritt, den sie laut Rechtsanwältin Elke Hanel-Torsch unbedingt machen sollte. „Generell sollte jeder Mietvertrag vor der Unterzeichnung überprüft werden. Denn rechtens ist eine Erhöhung des Mietzinses nur, wenn im Vertrag steht, dass der Mietzins angepasst wird. Die Vermieter tricksen auch gerne bei Betriebskosten-Abrechnungen oder bei der Auszahlung der Kaution“, meint Hanel-Torsch, die Vorsitzende der Mietervereinigung Wien ist.

Vermieter greifen da gerne auf den Begriff „Wartungsarbeiten“ in der Wohnung zurück, um die Kaution zu behalten. „Schimmelbefall ist dafür ein beliebtes Thema. Der Vermieter schiebt die Schuld dann gerne auf den Mieter und sagt, dass jener nicht ordnungsgemäß gelüftet habe. Doch das sind Ausreden, der Vermieter ist zur Beseitigung des Schimmels verpflichtet. Wenn er das nicht tut, rate ich dazu, den Vermieter schriftlich zu informieren, dass die volle Miete nur unter Vorbehalt bezahlt wird. Wenn es dann zu einer Gerichtsverhandlung kommt, weil der Vermieter vehement Renovierungsarbeiten verweigert, kann sich der Mieter das Geld zurückholen.“

Schikanen, vor allem gegen Altmieter, sind in den vergangenen Jahren häufiger geworden. Oft wird erst eine unzulässige Mieterhöhung angekündigt, später mit einer Kündigung gedroht. Zu den härteren Methoden gehört etwa das Abdrehen von Strom oder Wasser, aber auch das Verteilen von Müll am Gang und Hundekot vor der Haustür. „Es wird versucht, den Mietern das Wohnen so ungemütlich wie möglich zu machen“, weiß Hanel-Torsch. Ein trauriger Höhepunkt der Schikanen erfolgte in einem Wiener Haus im Jahr 2014. Damals soll der Hausbesitzer Punks als Hausbesetzer im Wohnhaus angesiedelt haben, um Mieter, die unbefristete Verträge hatten, zu vertreiben.

Derart ungebetene Hausgäste sind Philipp Maurer bis heute zwar erspart geblieben, doch der 66jährige Pensio-
nist, der im 3. Wiener Gemeindebezirk in einer 94 Quadratmeter großen Wohnung lebt, hat ebenfalls mit Schikanen seines Vermieters zu kämpfen. „Der Hauseigentümer möchte unbedingt, dass meine Frau und ich aus der Wohnung ausziehen, damit er das Gebäude abreißen kann, um dann für einen Neubau wesentlich mehr Miete verlangen zu können.“

Für seine Wohnung in dem Gründerzeithaus aus dem Jahr 1890 hat er einen unbefristeten Mietvertrag, in dem eine Mietpreisobergrenze festgelegt ist, die nicht überschritten werden darf. Denn Miet-Wohnungen, die vor 1953 errichtet wurden, unterliegen dem Mietrechtsgesetz, das auch die Höhe der Miete regelt. Die Richtwerte sind in allen Bundesländern unterschiedlich. So dürfen in Wien für eine Kategorie-A-Wohnung 4,91 Euro netto pro Quadratmeter verlangt werden.

„Selbst wenn der Markt eine wesentlich höhere Miete hergeben würde“, sagt Martin Ucik von der Mietervereinigung Österreich. Der Vermieter von Philipp Maurer versucht den Pensionisten deshalb mit extremen Betriebskosten-Erhöhungen aus der Wohnung zu drängen. Und spart bei der Sanierung des desolaten Hauses. „Bei der letzten Abrechnung hat er 174 Euro zu viel an Betriebskosten verrechnet. Doch ich ließ mir das nicht gefallen und ging sofort zur Arbeiterkammer. Die haben eine exzellente Mieterschutz-Abteilung, die nichts kostet und ich hatte in Nullkommanix mein Geld wieder retour. Ich bleibe auf jeden Fall bis zu meinem Lebensende in dieser Wohnung. Mich bekommt der Vermieter nicht raus“, gibt sich der Pensionist kämpferisch.

Auch in Tirol wird der Wohnungsmarkt rauer. Hier greifen Vermieter schon fast zu kriminellen Methoden, um die Mieter aus den Wohnungen zu bekommen. „Mieter, die 70 Jahre alt sind, sollen plötzlich aus befristeten Wohnungen heraus, sie werden gezwungen, die Wohnung zu kaufen, oder die Miete wird drastisch erhöht. Auch das Kündigen von Autoabstellplätzen vor der Wohnung gehört zu den Schikanen. Einige Vermieter lassen die Mieter sogar von Privatdetektiven bespitzeln oder montieren Überwachungskameras, um festzuhalten, wie oft derjenige die Wohnung verlässt oder wiederkommt. Damit möchte der Vermieter beweisen, dass der Mieter die Wohnung doch nicht als Hauptwohnsitz nutzt, um ihn somit leichter auszuquartieren“, erzählt Walter Vogt von der Mietervereinigung Tirol.
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