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Ausgabe Nr. 23/2019 vom 04.06.2019, Foto: AdobeStock
Fünf Jahre nach einer Operation kommen die „dicken“ Venen oft wieder zurück.
Der ewige Krampf mit den Adern
Fast jede vierte Frau und jeder zwölfte Mann, älter als 30 Jahre, leidet unter Krampfadern. Wer sich entscheidet, sie operieren zu lassen, ist oft bestürzt, wenn die blau geschlängelten Venen zurückkommen. Der Venenspezialist Prof. Alexander Flor verrät, warum das passieren kann und welche Behandlung hilft.
Hervortretende, knotige und verdickte Venen an den Beinen, salopp „Krampfadern“ genannt, sind mehr als nur ein kosmetisches Problem. Ohne Behandlung drohen chronische Durchblutungsstörungen im betroffenen Bein, im schlimmsten Fall entwickelt sich ein Wundgeschwür, das „offene Bein“. Eine weitere, nicht weniger gefährliche Erkrankung ist die Thrombose, die durch Krampfadern ausgelöst werden kann.

Um „Varizen“, wie sie von Ärzten bezeichnet werden, zu behandeln, gibt es nur eine Methode, ihre Entfernung. Doch in vielen Fällen und zum Ärger der Patienten kommen sie wieder zurück. Venenspezialisten (= Phlebologen) überrascht das hingegen weniger. „Dieses Phänomen ist einfach zu erklären“, sagt Prof. Alexander Flor aus Wien (Tel.: 01/360667617, www.venenpraxis.at). „Bei den meisten Menschen sind Varizen eine chronische Erkrankung. Dahinter steckt eine genetische Veranlagung zur Bindegewebeschwäche. Hinzu kommen zu wenig Bewegung, Rauchen, schlechte Ernährung und Übergewicht sowie das Alter. Das beeinträchtigt die Elastizität der Gefäße zusätzlich. Daher kommen Varizen trotz Behandlung bei vielen zurück.“

Wenn neue Venen „sprießen“

Die Rückkehr der bis zu einem Zentimeter im Durchmesser erweiterten Venen, die in der Tiefe der Beine wie an ihrer Oberfläche erneut auftreten, kann zwei Ursachen haben. „Eine davon ist, wenn die vorausgegangene Operation nicht korrekt ausgeführt wurde. Dann kann es beim ‚Stripping‘, dem Ziehen der großen oder kleinen Stammvene, passieren, dass Teile zurückbleiben. Daraus sprießen mit der Zeit neue Gefäße, die nach wenigen Jahren die gleichen Probleme bereiten. Auch nach Schaumverödungen, bei denen die Gefäßwand verätzt und das Gefäß schließlich zerstört wird, kommt es mitunter schon ein Jahr nach der Behandlung zur erneuten Bildung von Gefäßen, in denen das Blut dann versackt. Die zweite Ursache ist das Fortschreiten der Erkrankung. Das heißt, eine kranke Vene wird entfernt, doch eine Nachbarvene erkrankt.“

Die Symptome der Rückkehrer

Statistisch gesehen treten fünf bis elf Jahre nach einer Varizen-Operation erneut Probleme mit Krampfadern auf. „Die geweiteten Adern sind sichtbar, wenn sie an der Oberfläche verlaufen. Erkrankt eine Vene in der Tiefe, etwa die Hauptvene, treten schwere Beine oder juckende und/oder überhitzte Unterschenkel auf. Oft ist die Innenseite der Knöchel dunkel verfärbt.“

Treten Krampfadern an derselben Stelle wie Jahre zuvor auf, sind sie meist kleiner und leichter zu behandeln als im ursprünglichen Zustand. Dank moderner Medizin können sie daher häufig ohne Skalpell behandelt werden. „Beim Stripping, dem Ziehen der Venen, müssen Schnitte in die Leiste gemacht werden. Dies birgt die Gefahr, die Lymphbahnen zu durchtrennen, vor allem, wenn das Stripping wiederholt wird. Sind Lymphbahnen durchtrennt, kommt es womöglich zum Lymphstau und das Bein bleibt leicht geschwollen.“

Als Alternativen bieten sich die Radiowellentherapie an, auch Radiofrequenzverfahren genannt, sowie das Veröden mit dem Endolaser. Hierzu wird die betroffene Vene nur punktiert und ein biegsamer Katheter in die betroffene Stammvene eingeführt.

„Durch Erhitzen des Lasers schrumpft das Gefäß an den krankhaft erweiterten Stellen. Der zurückbleibende Rest wird vom Körper abgebaut“, erklärt Prof. Flor. Unterstützung erhält der Chirurg für die millimetergenaue Behandlung durch eine Farbultraschall-Diagnose der Beine. Sie liefert eine exakte „Landkarte“ der Venen. „Damit lassen sich die gesunden und kranken Venenabschnitte exakt bestimmen und gezielt behandeln. Die Schaumverödung wird bei diesem Einsatz nur, wenn notwendig, an kleineren, gewundenen Venenabschnitten verwendet. Der Grund, es gibt bei dieser Methode immer das Risiko einer Thrombosenbildung sowie postoperative Schmerzen für den Patienten.“

Die Laser-Behandlung gilt als gewebeschonend und mit weniger Schmerzen verbunden. „Die Patienten sind meist am nächsten Tag wieder im Einsatz. Eine Kontrolle mit Ultraschall ist oft nicht mehr notwendig.“

Neue Methode für oberflächliche Venen

Für sich unter der Haut abzeichnende Varizen gibt es eine neue, sanfte und gleichzeitig verlässliche Technik, die kurz CLaCS- Methode genannt wird. „Die Behandlung dauert 15 bis 20 Minuten und ist ein kombinierter, ambulanter Eingriff einer Laserbehandlung und die Verödung mithilfe eines Nah-Infrarotlichtes. Damit werden kleinste Gefäße extrem gut sichtbar und das Verödungsmittel kann auf den Punkt genau platziert werden. Während der Behandlung wird das betroffene Gebiet gekühlt. So sind die kleinen Einstiche fast schmerzlos und das kosmetische Ergebnis wird unterstützt.“ Nach der Behandlung gibt es anfangs einen Druckverband, danach Kompressionsstrümpfe für ein paar Tage. „Der Patient kann unmittelbar danach wieder seinen Alltag aufnehmen. Nur langes Stehen sollte in den ersten zwei Tagen vermieden werden.“ Sofort nach der Behandlung sind die unschönen Adern schon stark verkleinert. Das endgültige Ergebnis ist nach acht Wochen sichtbar.
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