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Ausgabe Nr. 23/2019 vom 04.06.2019, Fotos: Tierschutzvolksbegehren
Mehr als 20.000 Menschen haben schon unterschrieben.
Sie unterstützen das Volksbegehren gegen Tierleid.
Sebastian Bohrn Mena und seine Mitstreiter haben das Volksbegehren initiiert.
Sie soll keine arme Sau mehr sein
Von der „großen Politik“ haben viele die Nase voll. Der Ruf nach mehr Mitbestimmung durch die Bürger wird immer lauter. Beim Tierschutz ist das jetzt möglich. Ein Volksbegehren will das Ende von Qualzuchten, des Küken-Tötens und langer Tiertransporte durchsetzen.
Sie werden nicht älter als einen Tag. Rund neun Millionen männliche Küken sterben jährlich bei uns gleich nach der Geburt. Getötet werden sie hauptsächlich mit Kohlendioxid-Gas, früher landeten sie oft im Häcksler. Weil sie keine Eier legen und nicht genügend Fleisch ansetzen. Seit den 50er Jahren ist das „Kükenschreddern“ Praxis. Nur bei den Bio-Eierbauern dürfen seit ein paar Jahren die „Bruderhähne“ leben. Mehr als eine halbe Million männliche Küken werden dort pro Jahr aufgezogen.

Das jetzt initiierte Tierschutz-Volksbegehren soll die
Küken-Massentötung ganz beenden. „Sobald Methoden
für eine frühzeitige Geschlechtsbestimmung im Ei praxistauglich sind, soll die Tötung männlicher Küken von Legerassen verboten werden“, sagt Sebastian Bohrn Mena. Der Volksbegehrens-Initiator und frühere „Liste Pilz“-Politiker sammelt seit Anfang Mai Unterstützungserklärungen. Mehr als 20.000 Menschen haben schon unterschrieben. Damit ist eine Eintragungswoche sicher. Mit 100.000 Unterschriften müssen die Tierschutz-Anliegen im Parlament
behandelt werden. Jede Unterstützungserklärung gilt bereits als „echte“ Unterschrift.

Rechtlich verbindend ist das Volksbegehren nicht. „Aber der Weg ist das Ziel, wir wollen einen Bewusstseins-Wandel verstärken oder initiieren“, sagt der studierte Ökonom. Den Fleischkonsum will er niemandem verbieten. „Die Frage, wie sich jemand ernährt, ist eine höchstpersönliche Entscheidung“, erklärt der 34jährige. „Wir wissen aus Umfragen, dass die überwiegende Mehrheit nicht auf das Schnitzel verzichten will. Doch dass ebenso viele wollen, dass das Ferkel vorher nicht gequält wird.“

Zwei Millionen Rinder, fast drei Millionen Schweine, eine halbe Million Schafe und Ziegen sowie Millionen Hühner, Puten und anderes Geflügel leben hierzulande. Der Paragraph 1 unseres Tierschutzgesetzes legt den „Schutz des Lebens und des Wohlbefindens der Tiere aus der besonderen Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf“ fest. Aber oft sind die Kosten wichtiger als das Tierwohl. So sind in der Schweinezucht nach wie vor Vollspaltenböden in Verwendung. Dabei „müssen die Tiere auf harten Betonspalten über ihrem Kot leben und haben keinerlei Zugang wenigstens zu Stroh“, heißt es beim „Verein gegen Tierfabriken“. Eine Alternative, der sogenannte „Teilspaltenboden mit eingestreuter Liegefläche“ würde nur rund ein Drittel mehr kosten.

Die Tiere würden dann nicht nur weicher liegen, sie könnten sich zudem beschäftigen, würden sich nicht mehr gegenseitig Ohren und Schwänze abbeißen. Sie hätten mehr Platz und müssten nicht mehr über ihrem Kot leben. Derzeit ist für Mastschweine und Zuchtsauen mit einem Gewicht von bis zu 110 Kilo nicht einmal ein ganzer Quadratmeter im Stall vorgesehen. In der Schweiz sind Vollspaltenböden seit dem Vorjahr verboten.

Drei bis vier Bauernhöfe pro Tag schließen die Stalltüren für immer. Die Tierschützer wollen die Bauern als Verbündete gewinnen. Fördermittel sollen umgeschichtet werden, um eine „tier- und umweltgerechte Landwirtschaft zu erleichtern“, erklärt Sebastian Bohrn Mena. Sein Motto ist „Herkunft vor Haltung. Das österreichische Hendl aus konventioneller Tierhaltung ist besser als das neuseeländische aus Bio-Landwirtschaft.“

Die hiesigen Regeln auch in der herkömmlichen Landwirtschaft sind deutlich strenger als in vielen anderen Ländern. Geflügel hat etwa rund doppelt so viel Platz wie anderswo. Deshalb wollen die Tierschützer, dass tierische Lebensmittel im Supermarkt, in Wirtshäusern und in öffentlichen Küchen künftig gekennzeichnet werden. Und zwar nicht nur nach der Herkunft, sondern auch nach der Tierwohl-Kategorie. „Denn zwei Drittel aller tierischen Lebensmittel werden in der Gastronomie und in öffentlichen Küchen verbraucht“, weiß der Volksbegehrens-Initiator Bohrn Mena. Dort sind Eier aus Käfighaltung oder das Hendl aus osteuropäischer Massentierhaltung keine Seltenheit. Für Spitäler, Schulen oder Kindergärten sollte es zudem eine Quote für „Produkte aus tiergerechter Landwirtschaft und für Bio-Lebensmittel“ geben.

Auch Prominente sind auf der Seite der Tierschützer. Der Schokolade-Fabrikant Josef Zotter und der Tennisspieler Dominic Thiem unterstützen das Volksbegehren ebenso wie die Schauspielerinnen Elfriede Ott oder Kristina Sprenger. Die Intendantin des Stadttheaters Berndorf (NÖ) ist selbst Hundebesitzerin und hat das Volksbegehren unterschrieben. „Es ist hoch an der Zeit, gewisse Dinge zu verändern. Vor allem Tiertransporte oder das Kükentöten. Auch Regionalität zu fördern, entspricht meinem Zugang.“

Noch sammeln die Tierschützer Unterstützungserklärungen. Sie können in jedem Gemeindeamt, unabhängig vom Wohnort abgegeben werden, aber auch im Internet per Handy-Signatur. Im Frühjahr 2021 soll es dann eine Eintragungswoche geben. Denn, so heißt es in der offiziellen Kurzbeschreibung des Volksbegehrens: „Tiere sind fühlende Wesen. Sie sind von uns zu respektieren und zu schützen.“
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