Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 22/2019 vom 27.05.2019, Fotos: Andreas Balon, Tourismusverband Mühlviertler Alm/Hawlan
Das Pilgermonument aus Granit markiert den Startpunkt der Wanderung.
Durch das Mühlviertel pilgern
Im oberen Mühlviertel in Oberösterreich gibt es einen neuen spirituellen Weg. Der 90 Kilometer lange Granitpilgerweg führt durch zehn Gemeinden. Die Wanderer finden Erholung in der Weite der hügeligen Landschaft. Unterwegs kommen die Pilger an Kirchen, Kraftplätzen, Kapellen und Marterln vorbei.
Granit prägt die Region und die Menschen im oberösterreichischen Mühlviertel. Auf dem Gestein, das älter ist als die Alpen, wurde in diesem Jahr ein neuer Pilgerweg angelegt. Der spirituelle Weg führt in einer Länge von 90 Kilometern durch die südöstliche Region des Bezirkes Rohrbach. Er schlängelt sich durch zehn Gemeinden und leitet die Pilger zu Kirchen, Kapellen, Kraftplätzen und Aussichtspunkten. Drei bis vier Tage sollten für die Wanderung eingeplant werden.

Die meisten Pilgerwege beginnen und enden an zwei verschiedenen Orten. Der Granitpilgerweg wurde hingegen als Rundweg gestaltet. Start und Ziel sind in St. Martin im Mühlkreis. „Diese Wegführung gibt einem bei der Ankunft im Ziel das Gefühl, etwas erledigt zu haben“, erzählt Johannes Artmayr, der die Idee zu dem Pilgerweg hatte.

Der Inhaber des Naturstein-Unternehmens „Strasser Steine“ pilgert selbst regelmäßig seit 15 Jahren. Er hat zwischen Mariazell (NÖ) und Regensburg (D) einige Wege erkundet und fand es schade, dass es in seiner Heimat keinen Pilgerweg gibt.

Aus diesem Bedürfnis heraus entstand der neue, spirituelle Weg. Los geht es in St. Martin. Zur Einstimmung auf die Wanderung wurde ein Pilgermonument aus Granit errichtet. Es soll die Pilger mit vielen neuen Impressionen zurückkommen lassen.

Der erste Eindruck, den das Mühlviertel hinterlässt, ist der Weitblick. Obwohl die Region von Hügeln durchzogen ist, schiebt sich nie ein Berg störend in den Weg. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Pilger nach den ersten Kilometern das Schloss Neuhaus weit voraus erblicken. Das Bauwerk thront auf einer Anhöhe über der Donau und wurde im zwölften Jahrhundert als Jagdschloss der Passauer Bischöfe errichtet.

Das nächste landschaftliche Juwel lässt nicht lange auf sich warten. Zwei Kilometer weiter tauchen die Pilger in die Erlebniswelt Granit ein. Riesige Steinblöcke aus Marmor, Kalkstein und Granit sind entlang des Weges aufgestellt. Die Besucher dürfen sie angreifen. Sie spüren, wie sich jene Steine anfühlen, die ihnen während der Wanderschaft begegnen.

Denn auf Gestein treffen die Pilger im Mühlviertel überall. „Viele Kapellen und Marterl sind aus Granit gebaut“, erzählt Artmayr. Dazu gehört die Wallfahrtskirche Maria Ramersberg in Kleinzell. Sie lädt zum Innehalten und zur Andacht ein.

„Das Pilgern richtet den Blick auf das Wesentliche. Sobald ich losmarschiere, habe ich nach 15 Minuten alles Unwichtige aus meinen Gedanken verbannt“, sagt Artmayr. Unterwegs inspirieren ihn die Gespräche mit anderen Pilgern. „Ich merke, dass vor allem Menschen, die im Beruf gefordert sind, sich auf Wanderschaft begeben. Die Auszeit tut einem gut“, sagt der 60jährige, er kann diese Entscheidung nachvollziehen.

Die heilige Stätte am Wegesrand ist die Wallfahrtskirche Maria Pötsch. Sie wird von Bäumen umringt. In ihrer Nähe plätschert die Große Mühl.

Danach geht es weiter zur St. Anna Kirche in Steinbruch und zum Wirtshaus der Familie Lang, wo die Pilger auf dem Barfußweg ihren Schuhen eine Auszeit gönnen. Auf nackten Sohlen gehen sie über Kiesel, Sand, Schlamm oder Rindenmulch.

Danach schlüpfen sie wieder in ihre Schuhe und marschieren in einem stetigen Auf und Ab zum Lüftnerberg. „Das ist ein Kraftplatz. Dort befindet sich die Simbrunner Quelle, der hohe Energie zugesprochen wird“, erzählt Artmayr.

Das nächste Etappenziel ist der Unterkargerhof. Der denkmalgeschützte Hof ist ein Freilichtmuseum. Dort gilt es, auf den Pilgerstempel nicht zu vergessen. „Der Unterkargerhof ist einer von elf Stempelstellen entlang des Weges.“ Wo sie sich genau befinden, ist in der handlichen Wanderbroschüre „Granitpilgern“ vermerkt. Sie enthält auch Informationen zum Weg, eine Karte und eine Liste der Unterkünfte.

Ist der Pass abgestempelt, machen sich die Pilger auf in Richtung Haslach, wo sie im Naturbad „Welset Pühret“ in die erfrischende Steinerne Mühl springen können.
Wen dann der Hunger plagt, muss sich um die Verköstigung keine Sorgen machen. Von der Jausenstation bis zum Haubenlokal ist entlang des Weges alles vertreten.

Kulinarischer Botschafter des Granitpilgerweges ist Peter Haudum. Er betreibt in Helfenberg den „Gasthof Haudum“ und hat bei der Umsetzung des Weges geholfen. Der Gastronom wird auch Speck-Kaiser genannt, weil er in seiner Speckwerkstatt allerlei herrliche Speck-Kreationen herstellt.

Typische Mühlviertler Speisen sind auch Leinölerdäpfel und „Mühlviertler Leberschädl“. Das ist ein Braten, der aus Schweineleber und Schweinefleisch besteht.

Gut gestärkt, werden die Waldkapelle Maria Rast und die Burg Piberstein besichtigt. Der Weg schlängelt sich weiter nach St. Johann am Wimberg. Kurz nach der Ortschaft erreichen die Pilger den höchsten Punkt der Wanderung. Sie knacken die 800-Höhenmeter-Marke. Nun geht es bis St. Martin, dem Ausgangspunkt der Wanderung, fast ausschließlich bergab. widlak
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung