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Ausgabe Nr. 22/2019 vom 27.05.2019, Fotos: picturedesk.com, Thomas & Thomas
Niki Lauda (1949–2019)
Exfrau Marlene und die Söhne Mathias und Lukas
Mit seiner Frau Birgit, Mia und Max
Die eigenwillige Legende
Sein Tod kam keineswegs überraschend. In den vergangenen Monaten stand es weitaus schlechter um Niki Lauda, als bekannt war. Am 20. Mai starb der 70jährige in der Uniklinik Zürich in der Schweiz.
Ich komme wieder zurück, es geht volle Pulle bergauf“, waren die letzten Worte, die Niki Lauda per Video zu seinem 70. Geburtstag am 22. Februar an die Öffentlichkeit richtete. Aufgenommen wurde die Botschaft im Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH). Dort kämpfte
Lauda nach seiner Lungentransplantation und einer Grippe-Erkrankung wie ein Löwe, gesund zu werden. In der Universitätsklinik Zürich (Schweiz), wo er sich einen besseren Heilungsverlauf versprach, verließen ihn seine Kräfte jedoch für immer.

Dabei schien es schon einmal, als könne er den Tod besiegen. Und zwar am 1. August 1976, als Laudas Ferrari auf dem Nürburgring bei Tempo 220 in eine Leitplanke prallte. Der Rennwagen fing Feuer und wurde zur 800 Grad heißen Falle. Lauda war fast eine Minute im Sitz gefangen, die Flammen verbrannten seine Haut, die Dämpfe verätzten seine Lunge. Der Kämpfer weigerte sich zu sterben. Zur Legende hochstilisiert wurde Lauda, weil er nur 42 Tage nach dem Feuerunfall, so als wäre nichts gewesen, mit entstelltem Gesicht wieder in seinen Rennwagen stieg.

Als Kämpfer galt der aus einer wohlhabenden Wiener Industriellenfamilie stammende Lauda schon in jungen Jahren. Mit 15 kaufte er sein erstes Auto, einen VW Käfer Cabriolet, Baujahr 1949. Da seine reiche Familie seinen Wunsch, Formel-1-Rennfahrer zu werden, nicht unterstützen wollte, brach er den Kontakt zu seinen Eltern und zum Großvater, dem adeligen Patriarchen Hans Lauda, ab. 1971 nahm er sich einen Kredit auf und stieg mit 22 Jahren in den Rennsport ein. 1975 wurde er zum ersten Mal Weltmeister. Nach dem Horrorunfall errang er 1977 und 1984 weitere WM-Titel. Er war der erfolgreichste Rennfahrer unseres Landes.

Lauda, der weder mit dem Talent eines Ayrton Senna gesegnet war, noch über die Ausstrahlung seines Erzrivalen James Hunt verfügte, hat sich seine Erfolge hart und ehrgeizig erkämpft. Dass er mit seinen technischen Tüfteleien seine Mechaniker nahezu verrückt machen konnte, war hinlänglich bekannt. Laudas Erfolg basierte in hohem Maße auf seinem Pragmatismus. Im Film „Rush“ mit Daniel Brühl in der Hauptrolle, wird er gar als unterkühltes und wenig sympathisches Arbeitstier dargestellt. Der Wiener gab mehrmals zu, dass ihn Kritik nicht interessiere. „Mich stört, dass sich Niki Lauda selbst als das Maß aller Dinge betrachtet. Er steht absolut im Zentrum seines Universums“, schreibt der ehemalige Formel-1-Fahrer Jochen Mass in seinem Buch „Rennfahrer und Seemann“ über „Niki Nationale“, wie er hierzulande gerne genannt wird.

Im Jahr 1979 trat Lauda zurück, mit dem Satz „Ich habe keine Lust mehr, im Kreis zu fahren.“ Sprach‘s und gründete mit der „Lauda Air“ seine erste Fluggesellschaft. Aus ihr machte „Tricky Niki“, sein Spitzname in der Geschäftswelt, eine Billig-Fluglinie, die 2002 von den Austrian Airlines gekauft wurde. Ähnlich hielt er es mit seiner „Flyniki“, die er an die deutsche „Air Berlin“ verschacherte. Als sie 2017 insolvent wurde, holte sich Lauda die Reste für seine „Laudamotion“ zurück. Wenig später veräußerte er taktisch geschickt die Mehrheit der Anteile an „Ryanair“.

Als Unternehmer war für ihn der „denkwürdigste und schlimmste Tag“ seines Lebens der 26. Mai 1991. Eine Boeing 767-300 seiner Fluglinie stürzte im Westen Thailands ab. Das Unglück forderte 223 Menschenleben. Lauda wurde entlastet, die Schuld für die Probleme mit der Schubumkehr lagen beim Hersteller Boeing.

Der dreifache Formel-1-Weltmeister, Flugunternehmer und Mercedes-Aufsichtsratschef (seit 2012) war zwei Mal verheiratet. Mit der Unternehmertochter Mariella Reininghaus war er zwar lange Zeit verlobt, doch 1975 lernte er Marlene Knaus kennen, die er ein Jahr später heiratete. 1979 kam Sohn Lukas zur Welt, zwei Jahre später wurde Mathias geboren. Für beide sei er nie der klassische Vater, sondern eher ein Freund und ältere Bruder gewesen. 1992 wurde die Ehe geschieden.

1981, im gleichen Jahr, als Mathias geboren wurde, erblickte auch sein unehelicher Sohn Christoph das Licht der Welt, wie Niki Lauda in seinem Buch „Reden wir über Geld“ erzählt und sein Bedauern ausdrückt, dass er ihm kein vollwertiger Vater sein konnte.

Im Jahr 2008 heiratete Lauda die um 30 Jahre jüngere Birgit Wetzinger, die ihm 2005 eine Niere gespendet hatte. Ein Jahr später brachte die ehemalige Flugbegleiterin die Zwillinge Mia und Max zur Welt.

Lauda hinterlässt ein geschätztes Vermögen von 250 Millionen Euro. Das Vermächtnis eines bewegten Lebens, dessen letztes Kapitel am Mittwoch, 29. Mai, geschlossen wird. Zunächst wird sein Sarg im Wiener Stephansdom aufgebahrt. Trauernde haben von acht bis zwölf Uhr die Möglichkeit, dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Die Beisetzung findet dann im privaten Kreis statt. Der Erde übergeben wird Lauda im Rennoverall.
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