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Ausgabe Nr. 22/2019 vom 27.05.2019, Foto: Flora Press
Die Ringelblume – in der Küche und als Heilpflanze heiß begehrt
Der falsche Safran
Die Ringelblume hat viele Gesichter. Sie ist Heilpflanze, Wetterbote, beliebte Zutat in der Wildkräuterküche, färbt Butter, Käse und Stoffe gelb, hält den Boden gesund und Schädlinge fern. Von Juni bis in den Oktober hinein können die Blütenköpfchen geerntet werden.
Mit ihren leuchtenden gelben und orangen Blüten gehört die Ringelblume bereits seit dem Mittelalter als Zier- und Heilpflanze in unsere Gärten. Vor allem bei den Bauern stand die 30 bis 50 Zentimeter hohe Pflanze in hohem Ansehen, weil sich mit ihrer Hilfe das Wetter voraussagen ließ.

„Waren die Blüten in der Früh bereits geöffnet, versprach dies einen schönen, sonnigen Tag. Blieben sie geschlossen, vermuteten die Menschen aufziehende Regenschauer“, erklärt Kräuterexpertin Karina Reichl (www.fräuleingrün.at). Natürlich ließen sich die wetterprophetischen Eigenschaften der Ringelblume wissenschaftlich nicht nachweisen. Dass die Pflanze über Heilkräfte verfügt, ist allerdings eine Tatsache.

„Die Ringelblume gehört in jede Hausapotheke. Ihre Wirkstoffe fördern die Wundheilung, sind entzündungshemmend und pflegen die Haut“, sagt Reichl. In der Naturheilkunde werden daher seit jeher Aufgüsse, Tees, Tinkturen und Salben aus dem medizinischen Alleskönner hergestellt.

Doch auch in der Kulinarik füllte die Ringelblume bereits lange vor dem heutigen Trend, Blüten zu essen, eine ganz spezielle Marktlücke aus. Nicht selten wurden teure Safranfäden billig mit getrockneten orangen Ringelblütenblättern gefälscht, sodass mancher einen viel zu hohen Preis für das in diesem Fall wertlose Gewürz gezahlt haben mag. Harte Strafen und streng überwachte Verbote führten jedoch erst im 20. Jahrhundert zum Rückgang der weltweiten Safranschummelei.

Heute ist die Ringelblume, von der es etwa ein dutzend Arten gibt, in der Küche hauptsächlich als „Schmuckdroge“ begehrt. Also als Pflanze, die zur farblichen Verschönerung und damit zur Appetitanregung beigegeben wird. Zum Beispiel einer Teemischung.

„Sie hat kaum einen Eigengeschmack und ziert als essbare Blüte oft Suppen und Salate. Auch in Desserts macht sie sich gut. Und die guten Wirkungen auf den Körper sind dann inklusive“, schwärmt die Kräuterexpertin.

Neben medizinischen und kulinarischen Vorzügen besitzt die Ringelblume aber auch noch andere Eigenschaften, die vor allem im Naturgarten hoch geschätzt sind. „Sie verbessert den Boden, da sie durch ihre spindelartigen Pfahlwurzeln die Erde tief lockert, die Restnährstoffe aus dem Boden bindet und ihn damit vor Auswaschung bewahrt“, wissen Profigärtner.

Daneben halten sie auch gefräßige „Schädlinge“ wie Schnecken im Zaum. Weshalb die Ringelblume auch oft als Schutzwall um gefährtete Gemüsebeete gepflanzt wird. Aber auch im Topf auf dem Balkon ist sie leicht zu kultivieren.

Biologisch betrachtet gehört die Ringelblume zur großen Familie der Korbblütler und ist eng mit anderen Kräutern wie dem Löwenzahn oder der Kamille verwandt. Ihr deutscher Name leitet sich von ihren Samen ab, die sich – sobald die Blütenblätter abgefallen sind – in einer gekringelten Form zeigen und sich im Fell von Tieren „festkrallen“ können. Auf diese Weise verbreitet sich die einjährige Ringelblume auch in entlegene Gebiete.

„Meist fallen die Samen aber einfach zu Boden. Ein paar sammle ich jedes Jahr auf, um sie im Frühjahr im Garten zu verteilen. Doch die Ringelblume sät sich eigentlich auch selbst brav aus“, erklärt Karina Reichl.

Die Ernte der leicht klebrigen Blütenkörbchen, die einen Durchmesser von drei bis fünf Zentimeter haben, beginnt mit der Blüte, meist ab Juni. Abgeknipst werden mit den Fingern dabei entweder das ganze Köpfchen oder nur die 40 bis 140 Zungenblütenblätter.

„Je nachdem, ob Sie den Bienen etwas übrig lassen möchten“, sagt die Fachfrau. Ringelblumen finden bei Karina Reichl auch immer den Weg ins Bauernbrot. „Ein paar Blütenblätter sind das i-Tüpfelchen, und ich versorge meinen Körper schon vorbeugend durch mein Essen mit ein paar der Heilwirkungen.“ Hwie
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