Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 22/2019 vom 27.05.2019, Fotos: Mayumi Nashida, Universal Music
Sting, 67, feiert das Leben mit einem neuen Album
Der Engländer präsentiert alte Hits in neuem Kleid.
„Ich frage mich bei jedem Essen, ob es wohl das letzte ist“
Selbst die schönsten Lieder kommen einmal in die Jahre. Also verpasste ihnen Sting ein neues musikalisches Kleid. Herausgekommen ist das Album „My Songs“ (seit Freitag, 24.5., im Handel). Darauf hat der 67jährige Engländer, der im Jahr 1977 seine Karriere mit der Band „The Police“ begann, Hits wie „Fields Of Gold“, „Brand New Day“, „So Lonely“ oder „Walking On The Moon“ zeitgemäß interpretiert. Sting klingt dabei immer noch äußerst frisch – eine Liebeserklärung an seine Lieder und an seine Frau, wie er dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth erzählt hat.
Für das neue Album haben Sie Lieder bearbeitet, die Sie zum Teil vor 40 Jahren geschrieben haben. Haben Sie leicht Zugang dazu gefunden?
Ja, denn diese Lieder und ich, wir sind uns vertraut. Ich singe diese Lieder schließlich Abend für Abend bei der Arbeit. Und ich singe sie leidenschaftlich gern. Ich bin mir sicher, ich kenne meine Lieder heute besser als früher. Einige der Nummern habe ich kaum verändert, andere recht stark. Immer so, wie es sich richtig und gut anfühlte. Regeln gab es nicht.

Das klingt fast so, als wären die Lieder Ihre Freunde.
Mir sind sie jedenfalls äußerst sympathisch (lacht). Wenn ich einen neuen Song aufnehme, ist das der Beginn einer Beziehung, das ist aufregend, aber ich weiß noch nicht, wie sich diese Beziehung mit der Zeit entwickeln wird. Eine Beziehung, die über viele Jahre besteht, ist etwas ganz anderes. Da ist mehr Wissen vorhanden, tatsächlich auch mehr Liebe, aufrichtige, tiefe Liebe. Und nicht mehr nur ein bloßes Hingerissensein.

Sprechen Sie damit auch die Liebe zu Ihrer Frau an?
Ich will den Vergleich nicht überstrapazieren, aber es gibt durchaus manche Parallelen. Ich nehme meine Lieder ernst, ich behandle sie gut und beschäftige mich intensiv mit ihnen. Ich mag sie. Meine Frau ist natürlich ein lebender, atmender Organismus. Wenn ich mich also entscheiden müsste zwischen meinen Liedern und meiner Frau, würde ich immer Trudie wählen. Ich liebe sie immer noch sehr und bin stolz auf unsere lange Ehe.

Haben Sie manchmal Zweifel, ob ein Lied wohl gut ist?
Mehr noch, jedes Mal, wenn ich ein Lied fertiggestellt habe, frage ich mich, ob es wohl das letzte war. Denn es könnte ja wirklich sein.

Weil Sie umkippen könnten und es dann aus wäre?
Ja, natürlich (lacht). So bin ich aber ohnehin. Ich frage mich auch bei jeder Mahlzeit, ob es wohl die letzte sein könnte. Das Zusammenspiel von Leben und Tod fasziniert mich. Und daraus folgt, genieße, was du hast. So lange du es hast. Dieses Konzept haben die Stoiker aus dem alten Griechenland erfunden, die für ein einfaches Leben plädiert haben und für die Akzeptanz der guten wie der schlechten Zeiten.

Sie haben sich einigen Wohlstand erarbeitet, besitzen unter anderem sechs Luxusimmobilien. In einem Haus im Norden der englischen Hauptstadt London, in dem Sie 1995 „If You Love Somebody Set Them Free“ schrieben, soll es sogar gespukt haben …
Ich bin eher misstrauisch, was das Übersinnliche angeht, und doch war es so. Das Haus war verhext. Es geschahen Dinge, für die es keine logische Erklärung gab. Möbel wurden herumgeschoben und Gläser gingen zu Bruch. Ich fand das irgendwie spannend. Ich stellte mir vor, dass im Haus ein Geist eingesperrt sei und wir ihn befreien sollten. Das war die Grundidee für das Lied.

Haben Sie den Geist gesehen?
Ja. Ich sah eine Frau mit einem Baby in unserem Schlafzimmer stehen, und ich dachte, es sei Trudie mit unserem Kind. Aber die beiden lagen im Bett.

Und Ihre Frau?
Sie hat den Geist auch gesehen.

Sind Sie rasch ausgezogen?
Nein, nein, wir haben noch eine Weile in dem Haus gewohnt. Wir haben uns an die Gespenster gewöhnt. Ich habe keine Furcht vor den Toten. Die Toten können einem nichts antun. Das können nur die Lebenden.

Sting ist auf Tour:
4. Juli, Messe, Graz; 5. Juli, Burg Clam, Klam.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung