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Ausgabe Nr. 22/2019 vom 27.05.2019, Foto: imago
Aus spielerischem Spaß wird oft schnell böser Ernst.
Gefahren auf dem Spielplatz
Spielen ist für die Entwicklung von Kindern ungemein wichtig. Im Freien werden dafür gerne Spielplätze aufgesucht, viele haben im eigenen Garten ein Trampolin. Doch jedes Jahr verletzen sich Tausende Kinder dabei so schwer, dass sie im Spital behandelt werden. Soweit muss es jedoch gar nicht kommen.
Es geht ganz schnell und passiert unerwartet. Ein unbedachter Schritt, ein Sturz aus der Höhe oder eine Kette, die plötzlich reißt. So geschehen Anfang April auf dem Spielplatz eines Kinderhortes in Wels (OÖ). Vier Mädchen zwischen acht und elf Jahren vergnügten sich auf einer Korbschaukel, als plötzlich der Karabiner einer Kette brach, mit der das Spielgerät befestigt war. Die Mädchen wurden zu Boden geschleudert und verletzten sich schwer.

Knochenbrüche an den Armen und Beinen, Prellungen, Kopfverletzungen, schwere Hautabschürfungen. Für Kinder- und Jugendchirurgen wie Universitätsprofessor Holger Till, Präsident des Vereins „Große schützen Kleine“ in Graz sind solche Fälle keine Seltenheit. Tausende Kinder in unserem Land verunfallen jedes Jahr beim Spielen auf einem Spielplatz so schwer, dass sie ins Spital müssen. „Sieben von zehn Unfällen mit Spielplatz-typischen Geräten geschehen auf öffentlichen Spielplätzen. Der Absturz von einem Gerät ist die mit Abstand häufigste Unfallursache, etwa von der Schaukel“, sagt Prof. Till. Im Schnitt ist das verletzte Kind sechs Jahre alt. Mädchen und Buben verunfallen zwar gleich häufig, aber Mädchen verletzen sich öfters schwer. „Häufig sind Verletzungen an den Armen und Beinen, vor allem Knochenbrüche. Aber auch Kopfverletzungen kommen bei Kleinkindern immer wieder vor. Je jünger das Kind, desto schlechter ist die
Fähigkeit, einen Sturz auf den Kopf durch das Abstützen mit den Händen aufzufangen“, warnt Prof. Till und verweist auf die steigende Zahl der Trampolinunfälle.

Trampoline sind bei Kindern äußerst beliebt und in immer mehr privaten Gärten zu finden. „Jährlich müssen bis zu zehntausend Kinder nach dem Trampolinspringen im Spital behandelt werden. Die meisten Unfälle passieren gleich zu Saisonbeginn im April und jeder dritte Unfall zieht mittelschwere bis schwere Verletzungen nach sich. Meist Knochenbrüche, aber auch Bänderrisse und -ausrisse sowie Gehirnerschütterungen kommen vor.“

Spielen und Herumtollen sollten nicht in Schmerz und Tränen enden. Dafür können Erwachsene einiges tun. „Ich empfehle Eltern, die Spielgeräte ein wenig in Augenschein zu nehmen. Ist ein Brett locker? Fehlt an einer Stelle eine Schraube? Sind an Holzkonstruktionen Späne zu sehen? Jeder Mangel sollte dem Spielplatzbetreiber gemeldet werden. Öffentliche Spielplätze sind im Eigentum der Gemeinde“, sagt Dr. Peter Spitzer vom Verein „Große schützen Kleine“.

Um Unfälle zu vermeiden, genügen bereits einfache Handgriffe, die Eltern aber oft nicht kennen, wie die Kinderschutzexperten immer wieder feststellen. „Kommt das Kind mit dem Rad zum Spielplatz, sollte fürs Spielen immer der Helm abgenommen werden. Der Kinnriemen kann zu gefährlichen Strangulationsunfällen führen. Gleiches gilt für die Bekleidung. Bitte dem Kind keine Jacken oder Pullover anziehen, die mit Schnüren versehen sind. Will das Kind schaukeln, ist es wichtig, die ersten Schwünge mit Bedacht auszuführen. Kinder sind oft von der Schwungkraft der Schaukel überrascht. Kleine Kinder steigen auch oft spontan von der Schaukel, wenn sie nicht mehr wollen. Das heißt, sie lassen noch während des Schaukelns los und stürzen von dem Gerät. Daher ist es wichtig, sofort das Schaukeln zu beenden, wenn das Kind Unlust zeigt oder ausspricht. Und noch ein Tipp, heben Sie Ihr Kind nicht auf ein Klettergerüst oder ähnliches hinauf. Ein Kind sollte nur jene Geräte benützen, wozu es körperlich selbstständig in der Lage ist.“
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