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Ausgabe Nr. 22/2019 vom 27.05.2019, Fotos: Jag-cz/AdobeStock, bright light photograhphy
Flugreisen werden immer billiger und immer mehr Menschen heben ab
Karl Schellmann, Klimaexperte
WWF Österreich:
„Der Flugverkehr wird jährlich mit 515 Millionen Euro subventioniert.“
Für eine Bahn-Karte nach Mallorca
Flugreisen werden immer billiger. Nur etwa 50 Euro kostet ein Flug von Salzburg oder Wien auf die spanische Sonneninsel Mallorca und wieder zurück. Das ist genauso teuer wie eine Bahnfahrt mit den ÖBB von Wien nach Salzburg. Doch das geht auf Kosten der Umwelt. Der CO2-Ausstoß des Flugverkehrs in unserem Land hat bereits erschreckende Ausmaße angenommen.
Reisen ist schön, fremde Länder kennenzulernen ein Abenteuer, und an den feinen Stränden zu sonnen, eine Wohltat für die Seele. Bloß die Umwelt leidet, weil sich das Vergnügen nur mit dem Flugzeug erleben lässt, die Himmelsstürmer aber jede Menge Dreck in die Luft blasen.

Dennoch, der Trend ist eindeutig. Immer mehr Menschen wollen immer öfter mit dem Flugzeug verreisen. Der Wettbewerb unter den Fluglinien ist enorm, sie versuchen sich mit immer günstigeren Angeboten zu unterbieten. Ein Verdrängungswettbewerb, der seine Opfer fordert. Nicht nur der kürzlich verstorbene Unternehmer Niki Lauda musste dies erfahren. Er konnte seine Fluglinie „Niki“ nicht halten und verkaufte sie an den deutschen Billigflug-Anbieter „Air Berlin“, der dann selbst Ende 2017 den Betrieb einstellen musste.

Von derartigen Turbulenzen lassen sich Reisefreudige jedoch nicht abhalten. „Im Juni fliege ich übers Wochenende nach Kreta, zwei Wochen später fliege ich nach Mallorca und im August steht noch eine Kurzreise nach Ibiza auf dem Programm“, meint Marlene Berlacher voller Vorfreude. Die 32jährige Büroangestellte hat im Vorjahr ein neues Hobby für sich entdeckt. Sie macht Urlaubsreisen an die schönsten Strände Europas und das möglichst günstig. Dafür bieten die Billig-Fluglinien alle Möglichkeiten. Was Liebhaber von solchen Kurzstreckenflügen dabei ausblenden, ein Flug in den Urlaub, zum Beispiel auf die spanische Mittelmeer-Insel Mallorca ist für die Umwelt genauso schädlich, wie ein ganzes Jahr lang Auto zu fahren.

„Mit rund 2,61 Millionen Tonnen hat der Flugverkehr in unserem Land im Jahr 2018 so hohe CO2-Emissionen wie nie zuvor verursacht. Das ist eine Steigerung um zwölf Prozent im Vergleich zum Jahr 2017“, erklärt Markus Gansterer vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Pro Personenkilometer verursacht ein Flugzeug etwa 31 Mal so viel CO2 wie die Bahn und doppelt so viel wie ein durchschnittlicher Pkw. Laut Umweltministerium sind in unserem Land im Vorjahr 830.000 Tonnen Kerosin in die Tanks der Flugzeuge geflossen, um rund 92.000 Tonnen mehr als noch im Jahr 2017 und so viel wie noch nie zuvor. Eine Entwicklung, die der VCÖ-Experte Gansterer mit Sorge sieht. Vor allem, wenn es um die Klimakrise geht. „Die lässt sich nur bewältigen, wenn statt Flugzeug und Auto häufiger die Bahn als Verkehrsmittel gewählt wird.“

Der Trend geht in die andere Richtung. Das Jahr 2018 war ein Spitzenjahr für die heimische Luftfahrt. Knapp 32 Millionen Passagiere gingen von den sechs heimischen Flughäfen in die Luft. Ein Rekordwert und ein Plus gegenüber dem Vorjahr von satten zehn Prozent. Dazu gehörte auch die Salzburgerin Berlacher, die eine einfache Kostenrechnung aufstellt. „Wenn ich am Wochenende nach Wien fahren möchte, kostet mich die Bahnfahrkarte ungefähr 65 Euro hin und zurück. Dazu kommen noch die Hotelkosten von gut 100 Euro, Getränke und Essen müssen auch bezahlt werden. Ein Wochenende in Wien kostet mich locker 300 Euro. Da setze ich mich doch lieber für zwei Stunden in den Flieger nach Mallorca, zahle gerade einmal 50 Euro für den Hin- und Rückflug und kann mir nicht nur die Sonne auf meinen Bauch scheinen lassen, sondern steige nach diesem Drei-Tages-Urlaub auch noch günstiger aus, weil die Männer in den Ferienorten meistens spendabler sind, als wenn ich in Wien oder Salzburg ausgehe“, meint die 32jährige, die neben ihrem Handgepäck immer ihre beste Freundin Brigitte Arlberger, 31, mit an Bord hat.

„Im vorigen Jahr waren wir im Sommer schon in Barcelona (Spanien), auf Mykonos, Kreta und Korfu (Griechenland) sowie zum krönenden Abschluss noch auf Ibiza (Spanien). Und das immer zu einem Schnäppchenpreis. Um die Umweltverschmutzung mache ich mir keinen Gedanken. Schließlich hebt das Flugzeug so oder so ab. Ob wir drinsitzen oder nicht“, meint Arlberger.

Außerdem ist die Verlockung groß, denn Schnäppchen gibt es zuhauf. Die Billigfluglinie „Eurowings“ befördert Passagiere von Wien nach Barcelona hin und zurück bereits um 95 Euro, nach Ibiza um 99 Euro. „Laudamotion“, ein Nachfolge-Unternehmen von ‚Nicki‘ und derzeit 100-Prozent-Tochter der „Ryanair“, bringt seine Fluggäste von Wien nach Mykonos, ebenfalls hin und zurück, bereits um 57 Euro.

Da kann die Umwelt nicht mithalten. „Unser Land hat zwar das Pariser Klimaschutzabkommen unterzeichnet, macht aber in der Praxis das genaue Gegenteil. Der Flugverkehr wird durch die Mineralölsteuerbefreiung für Kerosin und die Mehrwertsteuerbefreiung für internationale Flüge jährlich mit 515 Millionen Euro subventioniert“, kritisiert Karl Schellmann, Klima- und Energiesprecher der Umweltschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) Österreich. Außerdem sei seiner Ansicht nach der umstrittene Bau der dritten Piste für den Flughafen Wien/Schwechat ein teurer Irrweg. „Wer in klimaschädliche Infrastruktur investiert, landet in einer fossilen Sackgasse. Mehr Flugverkehr wird die CO2-Bilanz unseres Landes weiter verschlechtern und die Abhängigkeit von fossilen Energien erhöhen. Aufwand und Kosten zur Bekämpfung der Klimakrise werden dadurch steigen. Dabei kosten die Klimaschäden bei uns schon jetzt eine Milliarde Euro pro Jahr. Ökologisch vernünftiger und volkswirtschaftlich sinnvoller wäre ein massiver Ausbau des Bahnverkehrs. Durch attraktivere und verbesserte Bahnangebote in die Nachbarstaaten könnten die Kurzstreckenflüge bis 2030 zu einem Drittel und bis 2050 zur Hälfte auf die Bahn verlagert werden“, sagt Schellmann.
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