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Ausgabe Nr. 21/2019 vom 21.05.2019, Fotos: Eva Lechner/LK NÖ, Mitja Kobal/Greenpeace
Franz Wanzenböck, Sebastian Theissing-Matei
Pflanzenschutz: Sind unsere Bauern im Nachteil?
Der Regen hat den Bauern Entspannung nach der Frühjahrs-Dürre gebracht. Doch in den vergangenen Jahrzehnten ist die Sommertemperatur um zwei Grad gestiegen. 2018 war das wärmste Jahr seit rund 250 Jahren. Im Vorjahr sind 230 Millionen Euro an Dürreschäden entstanden. Vor allem die Erdäpfelbauern leiden unter der Trockenheit, sie fördert die Ausbreitung des Drahtwurmes. Die Landwirte klagen über die Einschränkung wirksamer Pflanzenschutzmittel und fordern mehr Fairness.
JA: Franz Wanzenböck,
Interessengemeinschaft Erdäpfelbau:

„Innerhalb der EU haben wir ein sehr strenges Pflanzenschutzgesetz. Nur umfassend geprüfte Wirkstoffe werden genehmigt. Der Lebensmittelmarkt ist aber nicht abgeschottet. Am Beispiel Erdäpfel sehen wir gerade, dass Schädlinge hierzulande nicht mehr ausreichend bekämpft werden können. Ist es dadurch aber, wie es heuer passiert ist, nicht möglich, den heimischen Markt ganzjährig zu versorgen, bleiben die Regale deswegen nicht leer. Seit Wochen werden sie mit Erdäpfeln aus Ländern wie Ägypten und Israel aufgefüllt. Dort sind Pflanzenschutzmittel erlaubt, die in Österreich
verboten sind. Im Sinne des Klima- und Umweltschutzes kann das nicht sein, zumal dann dazu noch weite Transportwege kommen. Vom CO2-Fußabdruck bei der Erdäpfelproduktion in der Wüste ganz zu schweigen. Die Produktion ist dort nur durch ständige Bewässerung mit hohen Wassermengen möglich. Während durch
Einschränkungen bei Betriebsmitteln den Bauern und Bäuerinnen hierzulande die Produktion erschwert wird, ist
der Mehrwert für die Umwelt und für die Konsumenten und Konsumentinnen nicht erkennbar.“

NEIN: Sebastian Theissing-Matei,
Greenpeace:

„In den vergangenen Jahren wurden bestimmte Pestizide in der Europäischen Union gesetzlich eingeschränkt, mit gutem Grund. Diese Gifte sind nach wissenschaftlichen Erkenntnissen eine Gefahr für die Umwelt und auch für Menschen. Bienen, Hummeln und Schmetterlinge sterben an den Folgen des Pestizideinsatzes. Fipronil, das bis vor Kurzem im Erdäpfelanbau eingesetzt wurde, kann sich beispielsweise im menschlichen Fett ablagern.
Um uns und wichtige Insekten zu schützen, haben die Behörden daher den Einsatz dieser Pestizide eingeschränkt. Diese Einschränkungen gelten für die gesamteEuropäische Union. Von einer Benachteiligung der österreichischen Landwirte kann also keine Rede sein.
Österreichische Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern versorgen uns schon jetzt jeden Tag mit gesunden Lebensmitteln, ganz ohne chemische Spritzmittel wie Fipronil. Rund 25 Prozent unserer landwirtschaftlichen Flächen werden bereits biologisch bewirtschaftet. Zu behaupten, dass eine Landwirtschaft ohne diese Spritzmittel bei uns nicht möglich sei, verhöhnt die vorbildliche Arbeit unserer Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern.“
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